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Holocaust
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Als Holocaust [, englisch ] (englisch, aus altgriechisch ᜁλόÎșÎ±Ï…ÏƒÏ„ÎżÏ‚ holĂłkaustos, deutsch ‚vollstĂ€ndig verbrannt‘) oder Schoa (auch Schoah, Shoah oder Shoa; hebrĂ€isch Ś”Ö·Ś©ÖŒŚŚ•ÖčŚÖžŚ” haƠƍāh fĂŒr „die Katastrophe“, „das große UnglĂŒck/Unheil“) wird der Völkermord bezeichnet, den das deutsche NS-Regime wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs an rund zwei Dritteln aller damals lebenden europĂ€ischen Juden, insgesamt 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen, beging.

Den endgĂŒltigen Entschluss zum Genozid fasste die nationalsozialistische FĂŒhrung unter Adolf Hitler kurz nach Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion ab dem Sommer 1941. Die SS, aber auch Teile der Wehrmacht und der deutschen Polizei sowie ihre Helfer aus den mit Hitler-Deutschland verbĂŒndeten Staaten verfolgten daraufhin bis 1945 das Ziel, alle Juden in ihrem Machtbereich systematisch zu ermorden, ab 1942 auch mit industriellen Methoden. Das Menschheitsverbrechen grĂŒndete auf dem staatlich propagierten Antisemitismus und der entsprechenden rassistischen Gesetzgebung im Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus.

Contents

‱ Bedingungen
‱ Verlauf
‱ Schlussphase
‱ TĂ€ter
‱ Alliierte
‱ Juden
‱ Schweiz
‱ 1944
‱ 1945
‱ Folgen
‱ Filme
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Bezeichnungen

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Hauptartikel

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Holocaust (Begriff)

Die Nationalsozialisten sprachen von der „Lösung“ bzw. „Endlösung der Judenfrage“. Darunter wurde zunĂ€chst die Ausgrenzung, Entrechtung und Vertreibung der Juden verstanden. 1939/40 verbarg sich dahinter die Vorstellung, die Juden aus weiten Teilen des deutschen Herrschaftsgebiets zu vertreiben und in einem noch zu bestimmenden Territorium zu konzentrieren. Bald radikalisierten sich diese Ideen und wurden von der Planung der „Endlösung“ im Sinne eines Genozids abgelöst. Ab dem FrĂŒhsommer 1941 umschrieb dieser Ausdruck zur Tarnung die systematischen Judenmorde. Bevor sich die Bezeichnungen „Holocaust“ und „Shoah“ durchsetzten, war „Endlösung“ nach dem Krieg in vielen Sprachen die Bezeichnung fĂŒr den Holocaust.cite-ref-1[1]

Im deutschen Sprachraum wurde der Genozid (bzw. Demozid) seit Mai 1945 als Judenvernichtung, Judenmord oder Massenmord an den europĂ€ischen Juden bezeichnet. Infolge des ersten Frankfurter Auschwitzprozesses bĂŒrgerte sich seit 1963 auch Auschwitz, der Name des grĂ¶ĂŸten nationalsozialistischen Vernichtungslagers (KZ Auschwitz-Birkenau), als symbolische Bezeichnung fĂŒr das gesamte Geschehen ein.

Die heute ĂŒbliche Bezeichnung Holocaust leitet sich vom altgriechischen Adjektiv ᜁλόÎșÎ±Ï…ÏƒÏ„ÎżÏ‚ holĂłkaustos ab, das „vollstĂ€ndig verbrannt“ bedeutet; das Neutrum τᜁ ᜁλόÎșÎ±Ï…ÏƒÏ„ÎżÎœ to holĂłkauston bezeichnet ein vollstĂ€ndig auf AltĂ€ren verbranntes Tieropfer. Seit etwa 1600 bezeichnete das englische Wort Holocaust auch Feuertode, seit etwa 1800 auch Massaker, seit 1895 auch ethnische Massaker wie den spĂ€teren Völkermord an den Armeniern. Erstmals fĂŒr Adolf Hitlers Vernichtungsplan an den Juden verwendete die britische Tageszeitung News Chronicle das Wort im Dezember 1942, allerdings noch ohne Kenntnis der NS-Vernichtungsmethoden. In seiner Ausgabe vom 7. Mai 1945 berichtete das US-amerikanische Magazin Life ĂŒber das Massaker von Gardelegen und bezeichnete es als The Holocaust of Gardelegen.cite-ref-2[2] Bis 1972 wurde es in der Geschichtswissenschaft der Vereinigten Staaten dafĂŒr ĂŒblich. Seit 1978 verbreitete die Fernsehserie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss es in vielen weiteren Staaten, darunter in der Bundesrepublik Deutschland. Seither wird der Begriff meist auf die systematische Ermordung der europĂ€ischen Juden begrenzt. Manchmal schließt er auch den Völkermord an den Sinti und Roma ein. Von ihm waren mehrere hunderttausend Menschen betroffen, welche die Nationalsozialisten als „Zigeuner“ ebenfalls zur „minderwertigen Fremdrasse“ erklĂ€rten und ausrotten wollten.cite-ref-3[3] Nur selten wird er auf die gesamte nationalsozialistische Vernichtungspolitik bezogen.

Die Bezeichnung der Judenvernichtung als „Holocaust“ wurde wegen der Herkunft des Wortes aus dem religiösen Opferkult und der frĂŒheren Verwendung im christlichen Antijudaismus oft als problematisch angesehen.cite-ref-4[4] In Israel und im Judentum wird das Verbrechen seit 1948 als Shoa („Katastrophe“, „großes UnglĂŒck“) bezeichnet. Daran erinnert seit 1959 der Gedenktag Jom haScho’a. Seit 1985 wird das hebrĂ€ische Wort auch in Europa fĂŒr den Holocaust verwendet. JĂŒdische Theologen bezeichnen das Ereignis mitunter als dritten Churban (hebrĂ€isch: „Vernichtung“, „VerwĂŒstung“, manchmal auch dritten Churbn) und deuten es damit wie die beiden Zerstörungen des Jerusalemer Tempels (586 v. und 70 n. Chr.) als eine alle Nachfahren der Israeliten, also alle Juden betreffende Großkatastrophe.cite-ref-5[5]

Vorgeschichte

Zu den historischen Voraussetzungen des Holocaust gehört der moderne Antisemitismus. Seit der GrĂŒndung des Deutschen Reichs und der Annahme der Bismarckschen Verfassung im Jahr 1871 waren Juden und Nicht-Juden zwar rechtlich gleichgestellt, gleichwohl waren antisemitische Vorurteile und Ressentiments weit verbreitet. Das zeigte sich bereits Ende der 1870er Jahre im Berliner Antisemitismusstreit und in der GrĂŒndung der antisemitischen Christlich-sozialen Partei des preußischen Hofpredigers Adolf Stoecker. In Hitlers Heimat Österreich-Ungarn bewies der langjĂ€hrige Wiener BĂŒrgermeister Karl Lueger um die Jahrhundertwende, wie weit es ein Politiker mit antisemitischer Agitation bringen konnte.cite-ref-6[6]

VerstÀrkter Antisemitismus infolge des Ersten Weltkriegs

WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs (1914–1918) erhielten judenfeindliche Einstellungen weiteren Auftrieb. Da Konservative und Nationalisten die Juden verdĂ€chtigten, sich vor dem Fronteinsatz zu drĂŒcken, kam es im Oktober 1916 auf Anfrage antisemitischer Reichstagsabgeordneter zur so genannten JudenzĂ€hlung im deutschen Heer. Diese von jĂŒdischen VerbĂ€nden als diskriminierend verurteilte statistische Erhebung ergab, dass im VerhĂ€ltnis zu ihrem Bevölkerungsanteil sogar mehr jĂŒdische als nicht-jĂŒdische Soldaten an der Front statt in der Etappe Dienst taten. Dieses Ergebnis wurde jedoch nicht veröffentlicht, da es dem Vorurteil der Antisemiten direkt widersprach.cite-ref-7[7]

Nach Kriegsende (1918) verbreiteten Antisemiten die sogenannte DolchstoßlĂŒge, der zufolge auch die Juden einen deutschen Sieg sabotiert hĂ€tten und fĂŒr die Niederlage und Auflösung des Kaiserreichs verantwortlich waren. Im Kampf gegen Demokratie und Weimarer Republik, die angebliche „Judenrepublik“, entstand eine Vielzahl völkischer, antisemitischer Organisationen und Parteien darunter 1919 auch die NSDAP. Deren Aufstieg wiederum wurde vor allem von der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise begĂŒnstigt. Bereits wĂ€hrend Hyperinflation des Jahres 1923 war es in Deutschland vereinzelt zu pogromartigen Ausschreitungen gegen Juden, insbesondere gegen Ostjuden, gekommen, u. a. in Beuthen, Erfurt, NĂŒrnberg und im Berliner Scheunenviertel. Der Antisemitismus verbreitete und festigte sich aber auch in den wirtschaftlich stabilen Jahren der Weimarer Republik, war also primĂ€r kein KrisenphĂ€nomen.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]

Antisemitisches Programm der NSDAP 1919–1933

Die Nationalsozialisten strebten mit ihrem 25-Punkte-Programm seit 1920 die Ausgrenzung und Vertreibung der Juden aus der deutschen „Volksgemeinschaft“ offenkundig an.cite-ref-10[10] Adolf Hitler hatte schon 1919, vor seinem Parteibeitritt, die „Entfernung der Juden ĂŒberhaupt“ zum politischen Ziel eines nationalsozialistischen Staates erklĂ€rt. In einem Interview mit einem katalanischen Journalisten vom November 1923 erklĂ€rte er, sĂ€mtliche Juden Deutschlands umzubringen, „wĂ€re natĂŒrlich die beste Lösung“. Da dies aber nicht möglich sei, bleibe als Lösung nur die Massenvertreibung.cite-ref-11[11] In seiner zweiteiligen Programmschrift Mein Kampf (1925/1926) sowie seinem unveröffentlichten Zweiten Buch (1928) fĂŒhrte er seinen Rasse-Antisemitismus aus, befĂŒrwortete Massenmorde an Juden im Falle eines neuen Weltkriegs und erklĂ€rte die Vernichtung des „jĂŒdischen Bolschewismus“ zum Hauptziel nationalsozialistischer Außenpolitik: Gemeint war die kriegerische Eroberung der von einem angeblichen „Weltjudentum“ beherrschten Sowjetunion und die folgende Germanisierung durch Massenumsiedlungen und Massenmorde.

Historiker und Politikwissenschaftler haben immer wieder betont, dass Hitlers extrem gewalttĂ€tiges Vokabular und seine biologisch-medizinische Metaphorik eine völkermörderische MentalitĂ€t offenbarten.cite-ref-12[12] „Auf welche Weise in diesem Gesamtplan der Kampf gegen die Juden durchgefĂŒhrt werden sollte, dazu Ă€ußert sich Hitler in Mein Kampf nicht konkret“, resĂŒmiert Barbara Zehnpfennig. „Es ist auch nicht sicher, dass er zur Abfassungszeit des Buches bereits zur vollstĂ€ndigen Auslöschung des jĂŒdischen Volkes entschlossen war. In der Logik seines Denkens ist der Judenmord allerdings schon angelegt. Das große Ziel, das man verfolgt, solle man dem Volke nicht verkĂŒnden, weil man die kleinen Geister damit verschrecken wĂŒrde, schrieb Hitler in Mein Kampf und empfahl, das große Ziel in kleine Etappenziele zu zerlegen, deren Sinn nur der erkenne, der das Endziel im Blick hat. Es ist also denkbar, dass Hitlers ZurĂŒckhaltung in Bezug auf die VerkĂŒndung des Judenmords hierin ihren Grund hat.“cite-ref-13[13]

Der amerikanische Politikwissenschaftler Daniel Goldhagen hat die These vertreten, der Antisemitismus sei in der Weimarer Republik so allgemein gewesen, „daß beinahe jede politische Gruppe die Juden ablehnte“. Hitlers antibolschewistische, antiinternationale und antisemitische Botschaft hĂ€tten in den schwierigen Zeiten um 1930 wachsende Faszination ausgeĂŒbt. Die große Mehrheit der Deutschen habe die antisemitischen Vorstellungen der NSDAP geteilt.cite-ref-14[14] Dieser These wurde entschieden widersprochen. Peter Longerich hat argumentiert, Hitler habe genau gewusst, dass er mit radikalem Antisemitismus keine breite WĂ€hlerschaft habe ansprechen können. So distanzierte sich Hitler um 1930 öffentlich von gewalttĂ€tigem Antisemitismus und unterlegte Propagandakampagnen wie gegen den Young-Plan aus taktischen GrĂŒnden lediglich mit einem antisemitischen Code. An Hitlers grundsĂ€tzlicher Haltung hatte sich aber nichts geĂ€ndert.cite-ref-15[15] WĂ€hrend die Forschung bis in die 1990er Jahre in der AbschwĂ€chung antisemitischer Parolen in der Wahlpropaganda der NSDAP nach 1930 ein Indiz fĂŒr die begrenzte Bedeutung des Antisemitismus sah, haben seitdem mehrere Studien auf eine Vielzahl von kleineren Gewaltakten, vor allem FriedhofsschĂ€ndungen, von Beleidigungen und „stillen“ und offenen Boykottaktionen in den mittleren Weimarer Jahren hingewiesen, die in den letzten Jahren der Republik eine deutliche Steigerung erfuhren und zeigten, wie verbreitet antisemitische Denkmuster in der Bevölkerung waren und auch nicht erst einer Krise oder einer Anleitung „von oben“ bedurften, um Ausdruck in konkretem Handeln zu finden.cite-ref-16[16]

Im sozio-kulturellen Milieu der Konservativen wurde der Gedanke, Juden von BĂŒrgerrechten auszuschließen, zunehmend populĂ€r, weil in Organisationen wie der DNVP, dem Stahlhelm, dem Reichslandbund der Deutschen Studentenschaft oder dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband bereits ĂŒber den Ausschluss jĂŒdischer Mitglieder durch Arierparagraphen diskutiert worden war.cite-ref-17[17] Gerade unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Herausforderung verschĂ€rfte sich im rechtsintellektuellen Diskurs der Nationalismus mit einer immer radikaleren Einstellung zur „Judenfrage“, sodass gegen Ende der Weimarer Republik die Idee, das eigene „Volkstum“ könne nur durch einen Ausschluss der Juden grundlegend erneuert werden, weit ĂŒber den Nationalsozialismus hinaus Zustimmung fand. Am Ende der Weimarer Republik, so Peter Longerich, scheint es zwischen Rechtskonservativen und Nationalsozialisten eine VerstĂ€ndigung gegeben zu haben, dass antisemitische Politik ein mögliches Aktionsfeld einer kĂŒnftigen Rechtskoalition sein wĂŒrde.cite-ref-18[18] Das deutsche Volk hatte sich zwar nicht schon vor Hitler einem „eliminatorischen Antisemitismus“ verschrieben, konstatiert Ian Kershaw, aber trotzdem konnte kein anderes Land als Deutschland den Holocaust durchfĂŒhren. „Deutschlands Einzigartigkeit liegt nicht in der Verbreitung des Antisemitismus, sondern in der Tatsache, daß ab 1933 eine pathologisch antisemitische, potentiell genozidale FĂŒhrung die Macht im Staate ĂŒbernehmen konnte. Auf eine monopolistische Partei gestĂŒtzt, die sich den Antisemitismus als Dogma auf die Fahnen geschrieben hatte, und mit Zustimmung großer Bevölkerungsteile, die die rĂŒcksichtslose Verfolgung einer ungeliebten Minderheit als Nebenprodukt des wirtschaftlichen Aufschwungs und eines wiedererwachenden nationalen Denkens in Kauf zu nehmen bereit waren, konnte diese FĂŒhrung Deutschland in einen Staat verwandeln, der die ‚Entfernung der Juden‘ als Eckstein seiner politischen Ziele betrachtete.“cite-ref-19[19]

Judenverfolgung im Deutschen Reich 1933–1939

→

Hauptartikel

:

Judenausgrenzung und Judenverfolgung

und

Liste antijĂŒdischer Rechtsvorschriften im Deutschen Reich 1933–1945

Das NS-Regime erhob die Rassenpolitik, die den „deutschen Volkskörper“ von Juden und anderen ethnischen oder sozialen Gruppen „reinigen“ sollte, zur Staatsdoktrin. Bis zum Krieg gab es aber weder eine konsistente Gesamtstrategie noch eine AutoritĂ€t, die reichsweit fĂŒr die Judenpolitik zustĂ€ndig gewesen wĂ€re.cite-ref-20[20] Diese Politik wurde versuchs- und phasenweise mit immer neuen gesetzlichen Diskriminierungen und zunehmendem Terror verschĂ€rft, um möglichst viele der rund 500.000 deutschen Juden zur Emigration zu drĂ€ngen. Ab 1941 betrieb das Regime dann zielstrebig die systematische Vernichtung aller Juden in Deutschland und in den deutsch besetzten Gebieten.cite-ref-21[21]

Bereits kurz nach Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933 setzten die antijĂŒdischen Maßnahmen des NS-Staats ein. Am 1. April 1933 organisierten Joseph Goebbels und Julius Streicher einen nur teilweise erfolgreichen, deutschlandweiten Boykott jĂŒdischer GeschĂ€fte; in Preußen wies Hermann Göring die Polizei an, sich nicht einzumischen. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 sowie das gleichzeitig erlassene Gesetz ĂŒber die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft sahen die Entlassung aller jĂŒdischen und politisch unerwĂŒnschten Beamten und RechtsanwĂ€lte vor, womit erstmals ein Rasse-Kriterium in Staatsgesetze eingefĂŒhrt wurde. Diese Maßnahmen waren eine direkte Reaktion auf den „Druck von der Straße“ durch Mitglieder der NSDAP und ihrer Unterorganisationen SA, SS, NSDStB und Hitlerjugend, die nach der Reichstagswahl vom 5. MĂ€rz 1933 öffentlich Gewalttaten gegen Juden und Personen, die als Juden oder „Fremde“ angesehen wurden, verĂŒbt hatten. Dabei war aber Hitlers Rolle zentral. Ohne seinen fanatischen Antisemitismus, seine Ermutigungen und sein Anstacheln wĂ€ren seine AnhĂ€nger nicht so weit gegangen. Ebenfalls wesentlich fĂŒr die Judenpolitik im NS-Staat war die Vorwegnahme seines Willens, auch wenn er ihn noch gar nicht explizit ausgesprochen hatte, das „dem FĂŒhrer Entgegenarbeiten“.cite-ref-22[22] Diese erste Verfolgungsphase, die bis Ende 1934 anhielt, leitete die gesellschaftliche Ausgrenzung von Juden aus BerufsverbĂ€nden, Unternehmen, Vereinen, Schulen und dem Kulturleben ein. Diese wurde mit zahlreichen weiteren antijĂŒdischen Gesetzen und Verordnungen fortgesetzt und bis 1945 stĂ€ndig verschĂ€rft. Ebenfalls 1933 entstanden Konzentrationslager (KZ), meist unter Leitung der SA. Inhaftiert wurden zunĂ€chst politische Gegner. Das von der SS betriebene KZ Dachau wurde Modell fĂŒr spĂ€tere Arbeits- und Vernichtungslager fĂŒr Juden und andere unerwĂŒnschte deutsche StaatsbĂŒrger. Verhungern, Folter und willkĂŒrliche Morde gehörten schon in den ersten KZs zum Alltag. JĂŒdische LagerhĂ€ftlinge wurden dort bereits besonders schikaniert und hatten die höchsten Sterblichkeitsraten. Am 12. April 1933 wurden im KZ Dachau erstmals auch Juden ermordet, z. B. Rudolf Benario. Ein halbes Jahr spĂ€ter wurde mittels der „Postenpflicht“ die Ermordung von KZ-HĂ€ftlingen legalisiert.

In einer zweiten Verfolgungsphase betrieb das Regime ab 1935 die rechtliche Diskriminierung der Juden und ihre Segregation von den Nicht-Juden. Im Sommer dieses Jahres organisierte die Parteibasis erneut Boykottaktionen, die in der FĂŒhrung von Staat und Partei jedoch auf Ablehnung stießen, weil sie unpopulĂ€r waren und den Abschluss des deutsch-britischen Flottenabkommens gefĂ€hrdeten. Unmittelbar nach dessen Zustandekommen verschĂ€rfte Goebbels die antisemitische Gangart erneut. Infolge eines von ihm verfassten Artikels in der Tageszeitung „Der Angriff“ veranstaltete ein Partei-Mob am 15. Juli judenfeindliche Krawalle auf dem KurfĂŒrstendamm, die das Startsignal fĂŒr Ă€hnliche Aktionen in ganz Deutschland bildeten. Da auch diese Terrorwelle von der Bevölkerung negativ aufgenommen wurde, beendete die ParteifĂŒhrung sie nach zwei Wochen wieder. Um die eigene AnhĂ€ngerschaft zufriedenzustellen, ging sie stattdessen beschleunigt daran, die schon seit Sommer 1933 geplanten Rassengesetze auszuarbeiten. Der eigens dazu nach NĂŒrnberg zitierte Reichstag erließ am 15. September 1935 die NĂŒrnberger Gesetze, darunter das ReichsbĂŒrgergesetz, das zwei Kategorien im Staatsangehörigkeitsrecht schuf: ReichsbĂŒrger mit vollen und Staatsangehörige mit eingeschrĂ€nkten Rechten. Zu letzteren zĂ€hlten vor allem die Juden.cite-ref-23[23] Das so genannte Blutschutzgesetz, das Eheschließungen und Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nicht-Juden verbot, unterschied zwischen „Volljuden“ und „jĂŒdischen Mischlingen“. Deren Definition wurde in spĂ€ter nachgereichten Verordnungen festgelegt. Nichtjuden, die einen Juden bzw. eine JĂŒdin heirateten oder zur jĂŒdischen Religion konvertiert waren, wurden unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft zu „Geltungsjuden“ erklĂ€rt.

Im Jahr der Olympischen Spiele, 1936, und 1937 redete Hitler kaum ĂŒber Juden und ergriff keine weiteren Initiativen zu ihrer vollstĂ€ndigen Vertreibung.cite-ref-24[24] Doch am 30. November 1937 bekrĂ€ftigte er laut Joseph Goebbels: „Die Juden mĂŒssen aus Deutschland, ja aus ganz Europa heraus.“ Das werde noch dauern, doch er sei dazu „fest entschlossen“.cite-ref-25[25] 1938, parallel zur laufenden AufrĂŒstung der Wehrmacht und Kriegsvorbereitung, verschĂ€rfte das NS-Regime die Verfolgung der Juden erneut. Sie mussten zum Beispiel zusĂ€tzlich „typisch jĂŒdische“ Vor- und Zunamen annehmen (Januar), wurden nach dem Anschluss Österreichs massenhaft beraubt (MĂ€rz), mussten ihr ganzes Vermögen „anmelden“ (26. April), erhielten keine staatlichen AuftrĂ€ge und Approbationen mehr (September), aber einen Judenstempel in ihre ReisepĂ€sse (Oktober), der mit Auslandsmaßnahmen gegen jĂŒdische Emigranten gerechtfertigt wurde. Juden ohne „typischen jĂŒdischen“ Namen mussten aufgrund der NamensĂ€nderungsverordnung im August 1938 zusĂ€tzlich bei Frauen den Namen „Sara“ bzw. bei MĂ€nnern den Namen „Israel“ annehmen.

Bei der „Polenaktion“ vom 27. Oktober 1938 wurden etwa 15.000 Juden gewaltsam aus Deutschland nach Polen deportiert. Der Mord des Betroffenen Herschel Grynszpan an dem deutschen Diplomaten Ernst vom Rath diente als willkommener Vorwand fĂŒr die reichsweiten Novemberpogrome 1938, bei denen etwa 400 Personen ermordet, ĂŒber 1400 Synagogen, andere VersammlungsrĂ€ume und Friedhöfe zerstört und bis zu 36.000 Juden in KZs interniert wurden. Mit der am 12. November verhĂ€ngten „Judenbuße“ mussten die Opfer fĂŒr die Zerstörungen aufkommen; mit der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben und der Verordnung ĂŒber den Einsatz des jĂŒdischen Vermögens wurde die staatliche „Arisierung“ beschleunigt. Die Maßnahmen des NS-Regimes schufen auch ohne einen „grundlegenden Plan“ wesentliche administrative Voraussetzungen, die den Holocaust ermöglichten: darunter die gesetzliche Definition des Begriffs „Jude“, Enteignung und Konzentration in besonderen Wohnbereichen.cite-ref-26[26] Nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung der Juden werden daher als ineinander ĂŒbergehende, untrennbare „Vernichtungspolitik“ beschrieben.cite-ref-27[27]

Von 510.000 deutschen Juden, die 1933 den israelitischen Kultusgemeinden angeschlossen waren, wanderten bis zum Kriegsbeginn im September 1939 278.000 bis 315.000 aus; bis 1940 flohen nochmal 15.000.cite-ref-schlussbericht-historikerkommission-s228-28-0[28] Von den in „Mischehen“ oder versteckt im Reich lebenden Juden entkamen 10.000 bis 15.000 dem Holocaust und etwa 6000 ĂŒberlebten die Lager. Insgesamt fielen bis zu 195.000 deutsche Juden dem Genozid zum Opfer. Von den etwa 200.000 österreichischen Juden wurden etwa 65.500 in der NS-Zeit getötet, den anderen gelang nach dem Anschluss Österreichs die Flucht.cite-ref-schlussbericht-historikerkommission-s228-28-1[28]

Bedingungen

DafĂŒr, dass der Holocaust ĂŒberhaupt geschehen konnte, mussten intentionale und Ă€ußere Bedingungen zusammenkommen. Der entscheidende intentionale Grund waren die oben beschriebenen Ziele der Nationalsozialisten, vor allem ihr zunehmend radikaler Antisemitismus. Er fĂŒhrte letztlich zu dem, was die Schoa nach EinschĂ€tzung etwa des Historikers Eberhard JĂ€ckel einzigartig macht, nĂ€mlich dazu, dass ein Staat beschloss, „eine von ihm bestimmte Menschengruppe, einschließlich der Alten, der Frauen, der Kinder und der SĂ€uglinge ohne jegliche PrĂŒfung des einzelnen Falles möglichst restlos zu töten“.cite-ref-29[29] Allerdings war dieser konsistente, fanatische „Erlösungsantisemitismus“ Hitlers und seiner AnhĂ€nger (eine BegriffsprĂ€gung Saul FriedlĂ€nderscite-ref-30[30]) eine zwar wesentliche und notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung fĂŒr den Holocaust.cite-ref-31[31] Die Motive fĂŒr den Massenmord waren bereits frĂŒh vorhanden; was fehlte, waren Mittel, Gelegenheit und eine detaillierte Planung.

Die wichtigste Ă€ußere Bedingung der Schoa war der Zweite Weltkrieg, denn erst die Eroberung weiter Teile Osteuropas durch die deutsche Wehrmacht brachte das Gros der europĂ€ischen Juden in die Reichweite des NS-Staats. Der Historiker Timothy Snyder vertritt die These, das seit FrĂŒhherbst 1941 feststehende gleichzeitige Scheitern der deutschen Blitzkriegstrategie gegen die Sowjetunion, des Hungerplans und des Generalplans Ost zur wirtschaftliche Ausbeutung der eroberten Gebiete habe die NS-FĂŒhrung bewogen, ihre Kriegsziele neu zu formulieren und dabei der Vernichtung der Juden Vorrang zu geben.cite-ref-32[32] In seinem Werk Black Earth weist Snyder zudem nach, dass die Opferzahlen um so höher waren, je weniger staatliche SouverĂ€nitĂ€t und staatsbĂŒrgerliche Rechte es in den besetzten oder verbĂŒndeten LĂ€ndern noch gab.cite-ref-33[33] In diesen Gebieten, in denen weder Recht und Gesetz noch Gerichte und Verwaltungen die Juden zu schĂŒtzen vermochten, konnten die SS, die Einsatzgruppen und andere Einheiten ungehindert und ungestraft morden.

Verlauf

Eskalation wÀhrend des Krieges

In seinem Hauptwerk Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden setzt der Holocaustforscher Raul Hilberg den Beginn der Schoa schon mit der MachtĂŒbernahme Hitlers 1933 an. Laut Saul FriedlĂ€nder verĂ€nderte sich jedoch mit Beginn des Zweiten Weltkriegs der Charakter der nationalsozialistischen Politik gegenĂŒber den Juden. Bestand diese bis 1939 im Wesentlichen aus „Verfolgung, Absonderung, Auswanderung und Vertreibung“ und „einer Kette von DemĂŒtigungen und Gewalttaten, von Verlust und Beraubung“cite-ref-34[34] der deutschen Juden, so zielte sie von da an zunehmend auf die völlige physische Vernichtung aller Juden, derer die Nazis habhaft werden konnten. Auch diese Form der Verfolgung radikalisierte sich im Laufe der Zeit bis ins Extrem. Sie begann nach dem Überfall auf Polen mit willkĂŒrlichen Massenerschießungen und mĂŒndete ab Herbst 1941, nach dem Überfall auf die Sowjetunion, in der systematischen Vergasung von Millionen jĂŒdischer MĂ€nner, Frauen und Kinder aus allen besetzten Gebieten Europas in eigens dazu eingerichteten Vernichtungslagern.cite-ref-35[35]

Einige Historiker sehen daher im Beginn des Krieges auch den Beginn des Holocaust, denn schon im September und Oktober 1939 wurden Tausende polnischer Juden ermordet und alle spĂ€teren Vernichtungsmethoden erprobt: Isolierung in Ghettos und Lagern, Verhungernlassen, Deportation, Massenerschießungen und Morde mit Giftgas.cite-ref-36[36] Die Mehrzahl der heutigen Holocaustforscher vertritt jedoch die Ansicht, erst nach dem Beginn des Kriegs gegen die Sowjetunion sei die entscheidende Wendung hin zum systematischen, zentral geplanten und ausgefĂŒhrten Genozid an den Juden erfolgt.cite-ref-37[37] Mark Roseman, Christian Gerlach, Timothy Snyder und andere datieren die endgĂŒltige Entscheidung auf den Herbst 1941. Peter Longerich glaubt, das Mordprogramm sei in Polen und der Sowjetunion versuchsweise umgesetzt worden; konkrete Gestalt habe es erst im Mai/Juni 1942 angenommen.cite-ref-38[38]

Die Morde geschahen regional in unterschiedlicher Geschwindigkeit und nicht immer gleichzeitig. Sie wurden auf immer mehr Opfergruppen ausgeweitet und mit immer radikaleren Methoden verwirklicht. WĂ€hrend einige Opfergruppen noch vertrieben oder deportiert wurden, wurden andere schon vernichtet, so dass sich „Konzeption, Entscheidungsbildung und DurchfĂŒhrung nicht immer klar abgrenzen lassen“.cite-ref-39[39]

Peter Longerich folgert aus den Angaben des JĂ€ger-Berichts, dass zwischen dem 5. bis spĂ€testens 16. August 1941 ein Befehl an das Rollkommando Hamann gelangt sein mĂŒsse, dem zufolge prinzipiell kein Unterschied mehr zwischen der Ermordung von MĂ€nnern und Frauen gemacht und die Tötung von Kindern freigestellt wurde.cite-ref-40[40] Ab Oktober wurden auch deutsche Juden deportiert und der Bau der ersten Vernichtungslager begonnen. Ab 25. November wurden auch deutsche Juden erschossen. Ab 8. Dezember wurden Juden mit Abgasen ermordet. Ab Februar 1942 wurden auch west- und sĂŒdeuropĂ€ische Juden nach Osteuropa deportiert.cite-ref-41[41] Ab MĂ€rz wurden Vernichtungslager mit Gaskammern in Betrieb genommen und dorthin deportierte Juden sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Ab Juli wurden Juden aus allen besetzten LĂ€ndern Europas in Vernichtungslager deportiert. Das NS-Regime setzte den Morden keine Grenze, hielt sie nie an und nahm keine Entscheidung dazu zurĂŒck; allenfalls schob es einzelne dieser Schritte auf.cite-ref-42[42] Die zeitweise ausgesetzte Ermordung der ungarischen Juden wurde fortgesetzt und beschleunigt, als die Kriegsniederlage lĂ€ngst feststand. Die Überlebenden von aufgelösten Vernichtungs- und Arbeitslagern wurden auf TodesmĂ€rsche geschickt.

Erste Massenmorde und Deportationen

Mit dem Überfall auf Polen gelangten rund zwei Millionen polnische Juden unter die Herrschaft der Nationalsozialisten. Am 3. September 1939, zwei Tage nach Kriegsbeginn, verĂŒbten Deutsche ein erstes Massaker an polnischen Juden, das sie als Rache fĂŒr den Bromberger Blutsonntag ausgaben. Bis Ende Dezember 1939 ermordeten deutsche SS-, SD- und Wehrmachtangehörige rund 7000 polnische Juden, zum Teil wahllos. Diese Morde begleiteten die Massaker deutscher Einsatzgruppen an ĂŒber 60.000 Polen, die das NS-Regime befohlen und mit Listen von Zielpersonen vorbereitet hatte. Sie sollten die polnische Oberschicht entmachten, einschĂŒchtern und möglichst viele polnische Juden aus dem deutsch besetzten Teil Westpolens nach Ostpolen vertreiben.cite-ref-43[43]

Am 21. September 1939 hatten Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und Albert Forster in Berlin als Nahziel vereinbart, binnen eines Jahres alle „Reichsjuden“ in ein ĂŒberwachtes, unwirtliches „Judenreservat“ bei Lublin in Polen zu bringen und dort Zwangsarbeit leisten zu lassen. Zu diesem Zweck erstellte Adolf Eichmann, damals Leiter der „Zentralstelle fĂŒr jĂŒdische Auswanderung in Prag“, den Nisko-Plan. Vom 18. bis 26. Oktober 1939 ließ er etwa 5000 Juden aus Wien, Kattowitz und Ostrau nach Nisko bringen und zwang sie zum Bau eines angeblichen Durchgangslagers fĂŒr spĂ€tere „Umsiedlungen“. Diese Transporte sollten umfassende Deportationen aus dem „Altreich“ erproben und vorbereiten, wurden aber auf Befehl von Himmler eingestellt.cite-ref-44[44] Die Deportierten flohen großenteils ĂŒber die Grenze nach Ostpolen oder starben an Hunger und KĂ€lte im Lager.

Die deutsche Sicherheitspolizei im annektierten Westpolen wollte alle Juden ihres Gebiets in das neugeschaffene Generalgouvernement vertreiben. Von Dezember 1939 bis MĂ€rz 1940 wurden rund 175.000 Polen, darunter viele Juden, dorthin deportiert. Im MĂ€rz 1940 wurden diese Transporte wegen organisatorischer Probleme vorerst eingestellt, ohne die „Umsiedlungs“-PlĂ€ne aufzugeben. Damit hatte sich ein Muster des Umgangs mit Juden in den eroberten Gebieten etabliert: Deutsche Bezirksverwaltungen drĂ€ngten auf ihre Abschiebung in Nachbargebiete, diese wurde kurzfristig organisiert und mit Bahntransporten ohne RĂŒcksicht auf Menschenleben brutal durchgefĂŒhrt. Dabei erschossen SS und Polizei bereits manche Deportierte bei der Ankunft.cite-ref-45[45]

Die ersten Euthanasiemorde mit Gaswagen wurden in Polen verĂŒbt. Ab Mai 1940 wurden jĂŒdische Patienten deutscher Heil- und Pflegeanstalten ausgesondert und im Rahmen der Aktion T4 ausschließlich aufgrund ihrer jĂŒdischen Herkunft (ArbeitsfĂ€higkeit und Diagnosen wurden anders als bei „arischen“ Patienten nicht als Selektionskriterium herangezogen), spĂ€ter der Aktion 14f13, mit Giftgas ermordet.cite-ref-dieter-pohl-1945-46-0[46]cite-ref-47[47]cite-ref-48[48]

Ghettoisierung

Die Ghettoisierung von „Reichsjuden“ wurde 1938 erwogen und zunĂ€chst in Form von JudenhĂ€usern realisiert. Seit Kriegsbeginn begannen die deutschen Kommunen von sich aus, Juden in besonderen Wohnbereichen zu separieren oder abzuschieben. Tausende im Deutschen Reich lebende polnische Juden wurden in KZs und deren Nebenlagern interniert.cite-ref-dieter-pohl-1945-46-1[46]

Anstelle des vorerst gescheiterten „Judenreservats“ wurde in Polen ein „Reichsghetto“ geplant.cite-ref-49[49] Gauleiter im Wartheland und die Stadtverwaltung von ƁódĆș begannen im Dezember 1939 von sich aus, das Ghetto Litzmannstadt einzurichten, das bis 1944 bestand. Bis April 1940 zwangen sie 157.000 Juden, dorthin umzuziehen. Es war ummauert und polizeilich bewacht, fĂŒr Fluchtversuche galt ein Schießbefehl. Im Herbst 1940 teilte die deutsche Stadtverwaltung in Warschau ein „Seuchensperrgebiet“ ab und machte daraus das hermetisch abgeriegelte Warschauer Ghetto (jĂŒdischen Wohnbezirk). Dort wurden bis Mai 1941 circa 500.000 polnische Juden gefangen gehalten.

Schon im Winter 1940/41 starben tausende Ghettobewohner, vor allem Kinder und Alte, an Hunger, KĂ€lte, unbehandelten Krankheiten und EntkrĂ€ftung. Die offiziellen Lebensmittelrationen waren extrem niedrig und auf Massensterben angelegt. Hinzu kamen tĂ€glich willkĂŒrliche Morde der NS-Wachmannschaften. Bis Herbst 1942 starben dadurch um die 100.000 Juden in Warschau und um die 25.000 in ƁódĆș. Überlebenschancen hatten fast nur die wenigen Bewohner, die noch Beziehungen nach außerhalb der Ghettogrenzen hatten und ĂŒber eine gute körperliche Konstitution verfĂŒgten.

Im FrĂŒhjahr 1941 richteten die deutschen Stadt- und Bezirksverwaltungen ohne zentrale Order viele Ghettos im Generalgouvernement ein, um Wohnungen fĂŒr Wehrmachtsoldaten frei zu machen und die erwartete baldige Abschiebung der polnischen Juden in eroberte sowjetische Gebiete vorzubereiten. Dabei beschrĂ€nkten sich manche Beamte auf Ausgangsverbote in nicht ummauerten „jĂŒdischen Wohnbezirken“. Ab 1942 dienten die neuen Ghettos direkt zur Vorbereitung der Transporte der Juden zu ihrer Ermordung.cite-ref-50[50]

| Große Ghettos | Staat | internierte Juden | von | bis | Transporte nach |
|---|---|---|---|---|---|
| Budapest | Ungarn | 120.000 | November 1944 | Januar 1945 | Auschwitz |
| Ghetto Lemberg | Ukraine | 115.000 | November 1941 | Juni 1943 | Belzec, Janowska |
| Ghetto Litzmannstadt | Polen | 200.000 | Februar 1940 | August 1944 | Chelmno, Auschwitz |
| Warschauer Ghetto | Polen | 450.000 | Oktober 1940 | Mai 1943 | Treblinka, Majdanek |

Siehe auch

:

Liste der Ghettos im Nationalsozialismus

DeportationsplÀne

Am 7. Oktober 1939, nach dem Sieg beim Überfall auf Polen, ernannte Hitler den ReichsfĂŒhrer SS Heinrich Himmler zum „Reichskommissar fĂŒr die Festigung deutschen Volkstums“. Damit erhielt Himmler die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr alle rassistischen „UmvolkungsplĂ€ne“ in den schon oder kĂŒnftig eroberten Gebieten Osteuropas.cite-ref-51[51] Himmler gab den Generalplan Ost in Auftrag, der ab 24. Juni 1941 erweitert wurde und die Deportation von bis zu 31 Millionen Slawen und ihr millionenfaches Massensterben vorsah. Juden blieben darin unerwĂ€hnt, da ihr „Verschwinden“ vorausgesetzt wurde.cite-ref-52[52]

Im Mai 1940, als sich der Sieg im Westfeldzug abzeichnete, erwogen das AuswĂ€rtige Amt und das Reichssicherheitshauptamt den Madagaskarplan: Er sah vor, die Insel Madagaskar vom besiegten Frankreich zu ĂŒbernehmen und bis zu 5,8 Millionen europĂ€ische Juden dorthin abzuschieben. Himmler hoffte, den „Begriff der Juden“ durch diese „Auswanderung“ „völlig auslöschen zu sehen“. Das Assimilieren „rassisch wertvoller Elemente“ aus nichtjĂŒdischen Minderheiten durch Kindesraub und Bildungsentzug hielt er fĂŒr das „mildeste und beste“, wenn man die „bolschewistische Methode der physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich“ ablehne.cite-ref-53[53] Aufgrund der erwartbar schlechten Lebensbedingungen auf Madagaskar lĂ€sst der Plan, auch wenn er ab Herbst 1940 nicht weiter verfolgt wurde, laut Peter Longerich die damals schon bestehende Absicht der NS-FĂŒhrung zum Völkermord erkennen. Es sollte „ein langsames und qualvolles physisches Ende der europĂ€ischen Juden in einer lebensfeindlichen Umgebung“ eingeleitet werden.cite-ref-54[54]

In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1940 (Tag des LaubhĂŒttenfests) kam es zur sogenannten „Wagner-BĂŒrckel-Aktion“, bei der ĂŒber 6500 Juden aus Baden und der Saarpfalz nach SĂŒdfrankreich ins Internierungslager Camp de Gurs deportiert wurden. FĂŒr den Eisenbahntransport war Adolf Eichmann zustĂ€ndig. Tags darauf unterzeichnete Wagner einen Erlass, mit dem das gesamte Vermögen der aus Baden ausgewiesenen Juden „dem Land fĂŒr verfallen erklĂ€rt“ wurde. Schon vorher waren die Juden aus dem eroberten Elsass und Lothringen in das besetzte Frankreich deportiert worden.cite-ref-55[55]

Im November 1940, nach der Luftschlacht um England, wurde der Madagaskar-Plan illusorisch. Dennoch erwĂ€hnten manche NS-Akten ihn noch bis Anfang 1942. Dokumente sprachen ab 1941 von einer „territorialen Endlösung“ „in einem noch zu bestimmenden Territorium“. Himmler und Heydrich erwogen, die Juden nach dem Krieg gegen die Sowjetunion, der damals vorbereitet wurde, in unwirtliche Regionen hinter dem Ural, die PrypjatsĂŒmpfe oder die Eismeer-Lager abzuschieben und dort zugrunde gehen zu lassen.

Die verschiedenen Vorhaben lassen erkennen, dass es keinen Gesamtplan fĂŒr die Art und Weise der Vernichtung gab und dass zwischen den beteiligten NS-Behörden Kompetenzchaos und Konkurrenz herrschten. Sie zeigen aber auch deren kontinuierliches DrĂ€ngen auf eine „Endlösung“. Da sie die Juden wĂ€hrend des Krieges leichter als Kriegsgegner behandeln, aber nicht mehr einfach in unbesetzte Gebiete abschieben konnten, gewannen radikalere Lösungsideen an Boden. Auch laut Dieter Pohl zielten alle diese großangelegten DeportationsplĂ€ne auf einen schleichenden Völkermord, da sie schlechte Lebensbedingungen, Zwangsarbeit und Zwangssterilisierung vor sahen. Die Deportierten sollten die letzte Generation Juden sein.cite-ref-56[56]

Entschlussbildung

Wie, wann und warum das NS-Regime zu dem Entschluss kam, die Juden nicht nur aus dem deutschen Herrschaftsbereich zu entfernen, sondern allesamt umzubringen, wird von Holocaustforschern kontrovers diskutiert. Die so genannten Intentionalisten nehmen an, er sei in Hitlers radikal antisemitischem „Programm“ angelegt gewesen, habe also von Beginn seiner Herrschaft an oder spĂ€testens seit Beginn des Krieges festgestanden. Die so genannten Funktionalisten dagegen sind der Ansicht, die Entscheidung sei im Mit- und Gegeneinander der verschiedenen rivalisierenden Akteure innerhalb der nationalsozialistischen Polykratie „improvisiert“ zustande gekommen.cite-ref-57[57] Weitgehend akzeptiert ist heute, die Synthese beider ErklĂ€rungsansĂ€tze durch den Historiker Ian Kershaw: „Hitlers ‚Intentionen‘ scheinen vor allen Dingen fĂŒr die Schaffung eines Klimas wichtig gewesen zu sein, in dem die entfesselte Dynamik diese Absichten dann zu einer sich selbst bewahrheitenden Prophezeiung werden ließ.“cite-ref-58[58]

Ein schriftlicher Holocaustbefehl Hitlers war daher ĂŒberflĂŒssig und hat wahrscheinlich nie existiert, zumal dem Regime Ausmaß und Tragweite seiner Verbrechen klar waren, BeschlĂŒsse dazu nur selten festhielt und viele als Geheime Reichssache deklarierte Akten vernichten ließ. Schriftdokumente dienten oft nur der nachtrĂ€glichen Legitimation, setzten also informelle Entscheidungen voraus und können von weiter gehenden mĂŒndlichen Anweisungen begleitet gewesen sein.cite-ref-59[59] Mehrere schriftliche und mĂŒndliche Befehle Hitlers fĂŒr einzelne Vernichtungsschritte sind jedoch belegt. Er hatte im Oktober 1939 die Aktion T4 befohlen und den schriftlichen Erlass auf den 1. September 1939, den Beginn des Überfalls auf Polen, zurĂŒckdatiert. Er verstand die „Vernichtung unwerten Lebens“ zur „Reinerhaltung arischen Blutes“ also als Teil seines Krieges. Der Erlass legitimierte die geheim vorbereiteten Krankenmorde, um ein öffentliches Euthanasiegesetz zu vermeiden und bei beteiligten Ärzten Ängste vor strafrechtlichen Folgen auszurĂ€umen. Nachdem trotz der Geheimhaltung kirchliche Proteste laut geworden waren, ließ Hitler die Aktion T4 am 24. August 1941 einstellen, aber die Krankenmorde in den besetzten Gebieten Osteuropas fortsetzen. Das zeigte laut Karl Schleunes sein KalkĂŒl, die innenpolitische Zustimmung zu seiner Politik nicht zu gefĂ€hrden, um so die rassistische Vernichtung ungehindert durchzufĂŒhren. Diese Haltung habe auch sein Vorgehen beim Holocaust bestimmt.cite-ref-60[60]

Sein Biograf Ian Kershaw schreibt: „So wie Hitler seit Herbst 1939 bis zum Einstellungsbefehl im August 1941 keine Notwendigkeit gesehen hatte, sich in die Euthanasieaktion einzumischen, nachdem er ihren Beginn einmal autorisiert hatte, so sollte er auch jetzt keinen Grund sehen, sich an der tĂ€glichen Schmutzarbeit des Völkermords zu beteiligen. (
) Organisation, Planung und DurchfĂŒhrung des Unternehmens konnten vertrauensvoll willigen Helfern ĂŒberlassen werden. (
) Es genĂŒgte, daß er die wichtigsten Schritte autorisiert hatte und daß er es mit Blick auf die Judenfrage fĂŒr selbstverstĂ€ndlich halten konnte, daß seine ‚Prophezeiung‘ von 1939 erfĂŒllt werden wĂŒrde.“cite-ref-61[61]

Hitlers Reden waren zwar bewusst allgemein, mehrdeutig und verschleiernd, wirkten aber als Richtlinien fĂŒr die NS-Behörden, die, so die Feststellung Kershaws, dem „FĂŒhrer entgegenarbeiteten“cite-ref-62[62] und deren Maßnahmen dieser dann wiederum absegnete. Am 30. Januar 1939 drohte er im Reichstag die „Vernichtung der jĂŒdischen Rasse in Europa“ im Falle eines neuen Weltkriegs an. Ob dies als Folge von Abschiebungen oder direkte Mordabsicht zu verstehen war, ließ er offen; ein Vernichtungsplan existierte noch nicht. Auf diese Rede kam er wĂ€hrend des Holocaust oft zurĂŒck, je viermal allein 1941 und 1942, und deutete seinen Vollzug an: „Die Juden haben einst auch in Deutschland ĂŒber meine Prophezeiungen gelacht. [
] Von denen, die damals lachten, lachen heute UnzĂ€hlige nicht mehr 
“cite-ref-63[63] Laut dem Historiker Hans Mommsen ging es Hitler in dieser Rede vor allem darum, einerseits den WestmĂ€chten im Zusammenhang mit den gleichzeitig stattfindenden Verhandlungen des Rublee-Komitees Devisen zur Finanzierung der jĂŒdischen Auswanderung abzupressen und sie andererseits – mit den Juden als Geiseln – zu politischem Wohlverhalten gegenĂŒber dem Deutschen Reich zu nötigen.cite-ref-64[64]

Ab Februar 1941 plante das NS-Regime mit SS und WehrmachtgenerĂ€len den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Massentötungen wurden bei verschiedenen Treffen besprochen. Am 3. MĂ€rz gab Hitler dem OKW Richtlinien, mit SS und Polizei zusammenzuarbeiten, um die „jĂŒdisch-bolschewistische“ Intelligenz zu beseitigen. Wie in Polen 1939 sollten zuerst die Eliten in Staat, Partei und Armee dezimiert werden. Der von Hitler angeordnete Kriegsgerichtsbarkeitserlass des OKW vom 13. Mai 1941 erlaubte den Wehrmachtsoldaten, des Widerstands verdĂ€chtige Zivilisten sofort zu erschießen, ohne militĂ€rstrafrechtliche Folgen befĂŒrchten zu mĂŒssen. Hitlers Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941 befahl, kriegsgefangene politische Offiziere der Roten Armee sofort auszusondern und zu erschießen. Hinzu kam das HungerkalkĂŒl, die deutschen Truppen vor Ort zu ernĂ€hren und dafĂŒr Millionen sowjetische Zivilisten dem Verhungern auszuliefern. Diese Befehle und PlĂ€ne betrafen Juden besonders, da sie mit Unruhestiftern und „Bolschewisten“ identifiziert wurden und vorrangig in StĂ€dten lebten.cite-ref-65[65]

Im Mai 1941 ließ Heydrich auf Befehl Hitlers vier mobile „Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD“ (A bis D) aufstellen und in wenigen Wochen ausbilden. Ab Juli kamen mehrere Einsatzgruppen „zur besonderen Verwendung“ (z. b. V.) hinzu. Ihr offizieller Auftrag war die PartisanenbekĂ€mpfung hinter den vorrĂŒckenden Heeresgruppen der Wehrmacht durch „Repressalien“, also Massaker als Vergeltung fĂŒr angebliche oder wirkliche AnschlĂ€ge auf deutsche Soldaten. Das Oberkommando des Heeres erlaubte ihnen mit einem Abkommen eigenstĂ€ndiges Vorgehen und sagte ihnen zugleich enge Zusammenarbeit zu.cite-ref-66[66] Hinzu kamen einige Bataillone der Ordnungspolizei und zwei Brigaden der Waffen-SS unter dem „Kommandostab ReichsfĂŒhrer SS“ ohne besondere Aufgabenstellung. Die Himmler direkt unterstellten drei Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer (HSSPF) Erich von dem Bach-Zelewski, Friedrich Jeckeln und Hans-Adolf PrĂŒtzmann lenkten und koordinierten die MordeinsĂ€tze all dieser Gruppen.cite-ref-67[67]

Himmler berief sich in TagebucheintrĂ€gen und in seinen Posener Reden vom Oktober 1943 öfter auf Hitlers persönlichen Auftrag zur „Ausrottung“ der Juden. Laut seinem Leibarzt Felix Kersten soll er diesen Auftrag im FrĂŒhjahr 1941 erhalten haben.cite-ref-68[68] Daher war lange die These verbreitet, Hitler habe den Befehl zum Holocaust bereits im FrĂŒhjahr oder Sommer 1941 erteilt.cite-ref-69[69] Am 21. Mai unterstellte Himmler die HSSPF schriftlich einem „Sonderauftrag des FĂŒhrers“, seine „Sonderbefehle“ in den kĂŒnftig besetzten Gebieten durchzufĂŒhren. Am 17. Juni wies Heydrich sie in Berlin mĂŒndlich an, eine „Selbstreinigung“ – Pogrome – gegen Juden und Kommunisten in den bald besetzten Gebieten auszulösen. In seinen Einsatzbefehlen vom 29. Juni 1941 erinnerte er sie daran. Am 2. Juli listete er ihnen die Personengruppen auf, die sie auftragsgemĂ€ĂŸ ermorden sollten. Dabei ergĂ€nzte er explizit „Juden in Partei- und Staatsstellungen“ und erlaubte den TĂ€tern mit bewusst vagen Begriffen, die Opfergruppen auszuweiten. Weitere Befehle aus dem RSHA verlangten von der Wehrmacht, alle jĂŒdischen Kriegsgefangenen der SS auszuliefern. Demnach lag den Adressaten also noch kein allgemeiner Judenmord-Befehl aus der Reichskanzlei vor.cite-ref-70[70]

Am 16. Juli 1941 ĂŒbertrug Hitler Himmler auf dessen DrĂ€ngen die FĂŒhrung ĂŒber SS, Polizei und SD auch im Osten.cite-ref-71[71] Himmler verstĂ€rkte die Einsatzgruppen bis zum Jahresende von 3000 auf 33.000 Mann, wobei er hilfswillige Einwohner der besetzten Gebiete einbezog.cite-ref-72[72] Am 31. Juli erteilte Hermann Göring Heydrich den Auftrag, einen „Gesamtentwurf“ fĂŒr eine „Gesamtlösung der Judenfrage“ zu erstellen. Der Text wurde im Reichssicherheitshauptamt verfasst und Göring nur zur Unterschrift vorgelegt, sollte also schon laufende PlĂ€ne autorisieren.cite-ref-73[73] Nach Darstellung von Lars LĂŒdicke verfasste Göring das Schreiben selbst, basierend auf einem von Heydrich in Auftrag gegebenen Entwurf.cite-ref-74[74] Hitler befahl den Einsatzgruppenleitern per Funk am 1. August, ihm laufend ĂŒber ihre Ergebnisse zu berichten.

Nach ĂŒbereinstimmenden spĂ€teren Aussagen beteiligter Kommandeure befahl Jeckeln ihnen im August, die Exekutionen auf Frauen und Kinder zu erweitern, „um keine RĂ€cher entstehen zu lassen.“ Am 15. August listete ein Einsatzgruppenbericht erstmals „Juden, JĂŒdinnen und Judenkinder“ als Mordopfer auf. Ende August berichtete Einsatzgruppe D, ihr Operationsgebiet sei nunmehr „judenfrei“. Parallel dazu sollten nun alle Juden der eroberten Gebiete in Ghettos gebracht und registriert werden; die registrierten Juden wurden alle bald darauf erschossen.cite-ref-75[75] Einsatzkommandoleiter Otto Bradfisch zufolge antwortete Himmler auf seine Nachfrage in Gegenwart aller SchĂŒtzen bei einer Massenerschießung in Minsk: Es gebe einen „FĂŒhrerbefehl ĂŒber die Erschießung aller Juden“, der Gesetzeskraft habe. Laut Jeckeln beauftragte Himmler ihn vor dem „Rigaer Blutsonntag“ (30. November 1941), Hinrich Lohse mitzuteilen: „
es ist mein Befehl, was auch des FĂŒhrers Wunsch ist.“cite-ref-76[76] Diese Nachkriegsaussagen werden auf den ab August verallgemeinerten Kommissarbefehl bezogen.cite-ref-77[77] Hans Mommsen dagegen sieht die Ausweitung der zu Ermordenden auch auf jĂŒdische Frauen und Kinder nicht durch explizite Befehle motiviert, sondern durch eine Eigendynamik: Die FĂŒhrer der Einsatzgruppen verstanden ihre Abordnung als Möglichkeit, sich zu bewĂ€hren, und sahen sich demnach in einem Wettbewerb miteinander um die höchsten Quoten; der Mythos vom JĂŒdischen Bolschewismus ließ die TĂ€ter Widerstand jeweils mit noch mehr Morden an Juden vergelten.cite-ref-78[78]

Als Ende August der deutsche Vormarsch ins Stocken geriet, wurde deutlich, dass die Hoffnungen auf einen raschen deutschen Sieg trogen. Hitler hatte bis dahin die „Endlösung der Judenfrage“ auf die Zeit nach dem erhofften Sieg ĂŒber die Sowjetunion terminiert. Am 17. September 1941 gab er dann dem DrĂ€ngen Alfred Rosenbergs und Joseph Goebbels’ nach, die die Juden aus dem Deutschen Reich und dem Protektorat Böhmen und MĂ€hren schon wĂ€hrend des Krieges nach Osten deportieren lassen wollten. Der Schweizer Historiker Philippe Burrin glaubt, dies sei die Situation gewesen, in der Hitler die endgĂŒltige Entscheidung zum Völkermord getroffen habe: Angesichts des Scheiterns seiner Blitzkriegsstrategie habe er versucht, die Initiative wieder an sich zu reißen und beschlossen, die zu vernichten, die er als Urheber seines Misserfolgs ansah.cite-ref-79[79] Nach dem Historiker Peter Longerich hatte der Beschluss zur Deportation der deutschen und tschechischen Juden andere GrĂŒnde: Die von den Nationalsozialisten angegebene BegrĂŒndung, Vergeltung zu ĂŒben fĂŒr die Deportation der Wolgadeutschen nach Sibirien und Kasachstan, sei allenfalls der Anlass fĂŒr Hitlers Meinungswandel gewesen. Wichtiger sei ihm das drohende Eintreten der Vereinigten Staaten in den Krieg gewesen: Da Hitler fest an eine jĂŒdische Weltverschwörung geglaubt habe, in der Bolschewismus und Finanzkapitalismus zwei Seiten derselben Medaille wĂ€ren, habe er gemeint, mit der Deportation Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik nehmen zu können. Hinzugekommen sei das innenpolitische Motiv, dem eigenen Volk einen SĂŒndenbock fĂŒr den beginnenden Bombenkrieg zu prĂ€sentieren.cite-ref-80[80]

Am 2. Oktober schlug Himmler Hitler vor, Juden aus Deutschland und dem Reichsprotektorat in die Ghettos von Riga, Reval und Minsk zu „verlagern“. Heydrich bekrĂ€ftigte am 10. Oktober im RSHA Hitlers Ziel, das Deutsche Reich bis zum Jahresende „judenfrei“ zu machen, und nannte neben Ghettos auch neugebaute KZs als Zielorte. Am 18. Oktober 1941 untersagte Himmler in einem Erlass mit Wirkung vom 23. Oktober allen Juden die Auswanderung aus Deutschland.cite-ref-stengel2007-81-0[81] Viktor Brack bot am 25. Oktober an, arbeitsunfĂ€hige Juden aus den Ghettos im Osten mit seinen Euthanasie-Apparaten zu vergasen. Am 1. November begann die SS, das Vernichtungslager Belzec zu bauen, das zur Leerung ĂŒberfĂŒllter Ghettos dienen sollte.cite-ref-82[82]

In diesen Wochen hĂ€uften und steigerten sich Hitlers interne hasserfĂŒllte Aussagen ĂŒber Juden, die er als „Weltfeind“ hinter allen gegen Deutschland kriegfĂŒhrenden MĂ€chten sah. Die „Ausschaltung“ der Juden sei Bedingung fĂŒr jeden positiven Wandel in den besetzten oder verbĂŒndeten LĂ€ndern, da sie sonst durch Rassenmischung destruktiv wirkten. Am 21. Oktober erklĂ€rte er: „Wenn wir diese Pest ausrotten, so vollbringen wir eine Tat fĂŒr die Menschheit, von deren Bedeutung sich unsere MĂ€nner draußen noch gar keine Vorstellung machen können.“ Am 25. Oktober erinnerte er die NS-Spitzen an seine „Prophezeiung“ vom 30. Januar 1939: „Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorangeht, daß wir die Juden ausrotten.“cite-ref-83[83]

In der Forschung wird ein Zusammenhang der Entschlussbildung zum Holocaust mit dem FĂŒhren des Vernichtungskrieges gegen die UdSSR vermutet. Der britische Historiker und Hitlerbiograph Ian Kershaw betont, dass die Vernichtung des „jĂŒdischen Bolschewismus“ im Mittelpunkt dieses Krieges stand. Hitler Ă€ußerte sich im Sommer und Herbst 1941 immer wieder in brutalster Weise ĂŒber die Zerschlagung der UdSSR und erging sich in barbarischen Verallgemeinerungen ĂŒber die Juden insgesamt. So habe „aus den WidersprĂŒchen und dem Mangel an Klarheit in der antijĂŒdischen Politik ein Programm zur Ermordung aller Juden im von den Deutschen eroberten Europa konkrete Gestalt“ annehmen können.cite-ref-84[84] Dem amerikanischen Holocaustforscher Christopher Browning zufolge „setzten die Vorbereitungen auf das ‚Unternehmen Barbarossa’ eine Kette von verhĂ€ngnisvollen Ereignissen in Gang, und der mörderische ‚Vernichtungskrieg’ fĂŒhrte dann rasch zum systematischen Massenmord, zuerst an den sowjetischen und bald darauf auch an den anderen europĂ€ischen Juden“.cite-ref-85[85]

Der Historiker Christian Gerlach dagegen interpretiert zwei Quellen aus dem Dezember 1941 als Hitlers Befehl zum Holocaust: Zum einen erklĂ€rte dieser am 12. Dezember, einen Tag nach seiner KriegserklĂ€rung an die USA, den in der Reichskanzlei versammelten Gauleitern: Da der Weltkrieg nun eingetreten sei, mĂŒsse die Judenvernichtung „die notwendige Folge“ sein. Zum andern verweist Gerlach auf eine Notiz in Himmlers Dienstkalender vom 18. Dezember, in der es nach einem GesprĂ€ch mit Hitler heißt, die Juden seien „als Partisanen auszurotten“.cite-ref-86[86]

Heydrich hatte die wichtigsten Ministerialbeamten mit Berufung auf Görings Auftrag ursprĂŒnglich zum 9. Dezember zur Wannseekonferenz eingeladen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor (7. Dezember 1941) sollte an diesem Tag jedoch die deutsche KriegserklĂ€rung an die USA stattfinden, weshalb das Treffen auf den 20. Januar 1942 verschoben wurde. Die Teilnehmer besprachen hier die weitere Organisation des laufenden Holocaust. Laut dem einzigen erhaltenen Konferenzprotokoll waren 11 Millionen Juden Europas zur Deportation vorgesehen. Alle wichtigen NS-Machtbereiche sollten daran mitwirken. Alle Teilnehmer stimmten dem Plan sowie der fĂŒhrenden Rolle Himmlers und Heydrichs dabei zu. Der „Judenreferent“ des Reichssicherheitshauptamts Adolf Eichmann, Organisator und Protokollant der Konferenz, sagte 1961 wĂ€hrend seiner Haft in Israel aus, Heydrich habe ihm einige Tage vor der Konferenz persönlich und wörtlich mitgeteilt: „Der FĂŒhrer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen.“cite-ref-87[87]cite-ref-88[88] Im Eichmann-Prozess bestĂ€tigte er ferner, was die Tarnsprache des Protokolls meinte: „Es wurde von Töten und Eliminieren und Vernichten gesprochen.“cite-ref-89[89]

Wegen des Verlaufs und der erhaltenen Dokumente gehen Historiker davon aus, dass Hitler und die NS-Spitzenvertreter den Holocaust nicht an einem einzigen Datum, sondern ĂŒber lĂ€ngere Zeit beschlossen, planten, anordneten bzw. geschehen ließen. Sie nehmen an, erst nach Beginn der Morde der Einsatzgruppen sei beschlossen worden, auch die ĂŒbrigen europĂ€ischen Juden zu deportieren und zu ermorden. Einen ausdrĂŒcklichen Befehl Hitlers zur „Endlösung“ habe es nicht gegeben. Die NS-TĂ€tergruppen vor Ort hĂ€tten im engen Zusammenspiel mit den Zentralbehörden die Opfergruppen ausgeweitet.cite-ref-90[90] Hans Mommsen sieht den Holocaust als Endergebnis eines komplexen Prozesses der zunehmenden Radikalisierung von Judenverfolgung und KriegfĂŒhrung. Den entscheidenden Wendepunkt in der Radikalisierung der antisemitischen Politik des NS-Regimes habe der Überfall auf die Sowjetunion dargestellt. Wenige Monate danach sei das „Szenario fĂŒr die DurchfĂŒhrung des Holocaust [
] im Oktober 1941 bereits vorhanden“ gewesen. An einen konkreten Befehl Hitlers zum Holocaust glaubt Mommsen gleichwohl nicht: Er habe eine förmliche Identifizierung mit dem in der deutschen Bevölkerung unpopulĂ€ren Mordprogramm bewusst vermieden und die Initiative Himmler, Heydrich und Odilo Globocnik ĂŒberlassen.cite-ref-91[91]

Systematische Massenerschießungen

Die Einsatzgruppen erschossen am 24. Juni 1941, zwei Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion, in Garsden erstmals die erwachsenen mĂ€nnlichen Juden einer Ortschaft.cite-ref-92[92] In den ersten sechs Wochen folgten Massenmorde an hunderten bis tausenden Personen bei jedem Einsatz.

Ab Juli verĂŒbten auch faschistische FreischĂ€rler in Nordostpolen, der Westukraine, Litauen und Weißrussland in enger Kooperation mit deutschen Einsatzgruppen und Wehrmacht pogromartige Massenmorde an jĂŒdischen MĂ€nnern, die sie als Rache fĂŒr vorherige, angeblich von Juden gesteuerte Massenmorde des NKWD rechtfertigten. Solche Milizen wie das Kommando Arājs waren aus nationalistischen und paramilitĂ€rischen Bewegungen wie der litauischen Gruppe „Eiserner Wolf“ (GeleĆŸinis vilkas) und dem lettischen „Donnerkreuz“ (Pērkonkrusts) hervorgegangen; auch in der Ukraine gab es mehrere solche Gruppen wie die OUN. Seit FrĂŒhjahr 1941 hatten das Reichssicherheitshauptamt und deutsche MilitĂ€rgeheimdienste Kontakte zu ihnen aufgebaut und geplant, sie nach dem Überfall als Auslöser von Pogromen gegen „jĂŒdische Bolschewisten“ zu benutzen.cite-ref-93[93] Dieser Mordwelle fielen um die 40.000 sowjetische Juden zum Opfer.cite-ref-94[94]

Am 15. Juli wurden in Mitau erstmals alle Juden einer Ortschaft ermordet. Ab 15. August erschoss besonders das Einsatzkommando 3 in Litauen und Lettland fast tĂ€glich auch jĂŒdische Frauen, Kinder und Greise auf SammelplĂ€tzen eroberter sowjetischer Orte; in Kaunas, Ponar bei Wilna, die ein Judenghetto hatten, auch mehrmals. In Estland konnten etwa 1.000 Juden fliehen; 950 wurden ermordet.

Beim Massaker von Kamenez-Podolsk am 29./30. August 1941 wurden nach einer Absprache zwischen Jeckeln und Wehrmacht erstmals alle Juden einer grĂ¶ĂŸeren Stadt ermordet. Unter den 23.000 Opfern waren 14.000 aus Ungarn deportierte Juden. Ab 15. September begannen die Einsatzgruppen C und D sowie die Polizeibataillone, alle Juden grĂ¶ĂŸerer StĂ€dte der Ukraine zu ermorden: zuerst in Shitomir, in der Schlucht von Babyn Jar bei Kiew, dann in der Schlucht von Drobyzkyj Jar bei Charkiw. Ab Oktober ermordeten Einsatzgruppen und Bataillone in der Westukraine alle Juden, die sie bei der ersten Mordwelle ĂŒbrig gelassen hatten. Auch in Weißrussland ermordeten Schutzstaffel, Polizei und die 707. Infanterie-Division ab Oktober die Juden in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wie Witebsk, Polozk, Borissow und in lĂ€ndlichen Gegenden. In weiter östlichen Gebieten Russlands konnten viele Juden rechtzeitig fliehen; die Verbliebenen wurden ebenfalls ermordet, so in Smolensk, Rostow und Kalinin. Am 30. November und 7./8. Dezember ließ der neue Höhere SS- und PolizeifĂŒhrer Friedrich Jeckeln in Riga mit allen verfĂŒgbaren Polizeibataillonen den Großteil der lettischen Juden ermorden, um das dortige Ghetto fĂŒr nachrĂŒckende Judentransporte aus dem Deutschen Reich zu leeren.cite-ref-95[95]

In Kaunas trafen vom 25. bis 29. November 1941 die ersten Transporte von deportierten Berliner Juden ein. Einsatzkommandos erschossen sie sofort nach ihrer Ankunft; so auch am 30. November in Riga. Zwar verbot Himmler die Erschießungen von Berliner Juden am 30. November und rĂŒgte Friedrich Jeckeln fĂŒr die Missachtung seiner „Richtlinien“. Doch man nimmt an, dass er die Ermordung nur noch etwas aufschieben wollte, um das Durchsickern der Nachrichten davon im Reich zu verhindern. Im Februar 1942 wurden erneut deutsche Juden nach Lublin deportiert und in Riga erschossen. Fortan waren deutsche Juden in den laufenden Holocaust einbezogen.cite-ref-dieter-pohl-2000-96-0[96]

WĂ€hrend die meisten Juden im Generalgouvernement bereits in Vernichtungslagern ermordet wurden, wurden die Massenerschießungen in frĂŒher sowjetisch-, nun deutsch besetzten Gebieten fortgesetzt. In WĂ€ldern bei GroßstĂ€dten richtete die Ordnungspolizei abgeriegelte Exekutionsorte ein: Ponar bei Wilna, der Wald von Rumbula, der Wald von BiÄ·ernieki bei Riga, das Vernichtungslager Bronnaja Gora bei Brest und weitere. Die dorthin transportierten Opfer mussten sich entkleiden und wurden gruppenweise an RĂ€ndern ausgehobener Gruben erschossen, in die sie dann hineinfielen. Das Reserve-Polizei-Bataillon 101 war an der Exekution von 38.000 Juden und der Deportation von 45.000 Juden in Vernichtungslager beteiligt.cite-ref-97[97] Darunter war auch das Massaker von JĂłzefĂłw am 13. Juli 1942. Auch in Serbien, Kroatien und RumĂ€nien wurden dort lebende Juden seit September 1941 massenhaft erschossen.

Die folgende, unvollstĂ€ndige Tabelle umfasst nur grĂ¶ĂŸere und exemplarische kleinere Massenerschießungen.cite-ref-98[98] AbkĂŒrzungen fĂŒr Einsatzgruppe = EG, Einsatzkommando = EK, Litauische Aktivistenfront = LAF, Organisation Ukrainischer Nationalisten = OUN, Polizeibataillon = PB, Sonderkommando = SK, Sicherheits- und Ordnungspolizei = OP.

| Ort | Datum | TĂ€tereinheit | Opfer |
|---|---|---|---|
| Garsden | 24. Juni 1941 | EK Tilsit | 200 MĂ€nner, eine Frau |
| BiaƂystok | 27. Juni 1941 | PB 309 | 2.000 MĂ€nner und Frauen |
| Lemberg | 30. Juni bis 2. Juli 1941 | OUN | 4.000 MĂ€nner |
| DĂŒnaburg | 1./2. Juli 1941 | EK 1a | 1.150 MĂ€nner |
| Riga | Anfang Juli 1941 | EG A, litauische Hilfspolizei | 400 |
| Solotschiw | Anfang Juli 1941 | SK 4b, OUN, SS-Wikinger | 2.000 |
| Ternopol | 7. Juli 1941 | SK 4b, OUN | 800 |
| Luzk | 2. Juli 1941 | SK 4a | 1.160 MĂ€nner |
| Lemberg | 2.–6. Juli 1941 | EK 5, 6, z. b. V. | 2.500 MĂ€nner |
| Kaunas | 4.–6. Juli 1941 | EK 3 | 2.977 MĂ€nner |
| Brest | 6. Juli 1941 | PB 307 | 4.000 MĂ€nner |
| BiaƂystok | 8. Juli 1941 | PB 316, 322 | 3.000 MĂ€nner |
| Mitau | 15. Juli 1941 | EK 2 | 1.550 |
| Kaunas | 25.–28. Juli 1941 | LAF | 3.800 |
| Lemberg | 29.–31. Juli 1941 | OUN | 2.000 |
| Pinsk | 7./8. August 1941 | SS-Kavalleriebrigade | 9.000 |
| Kamenez-Podolsk | 27.–29. August 1941 | PB 320, SS | 26.500 |
| Shitomir | 19. September 1941 | EG C, D | 3.145 |
| Kiew , Babyn Jar | 29./30. September 1941 | SK 4a, PB 45, 314 | 33.771 |
| Weißrussland | ab Oktober 1941 | 707. Infanterie-Division | 19.000 |
| Dnepropetrowsk | 13./14. Oktober 1941 | PB 314 | 11.000 |
| Rowno | 5./6. November 1941 | EK 5, PB 320 | 15.000 |
| Riga | 30. November, 7./8. Dezember 1941 | alle PB, Kommando Arājs | 26.000 |
| Simferopol | 13.–15. Dezember 1941 | EG D, Wehrmacht | 12.000 |
| Charkow | ab 1. Januar 1942 | PB 314 | 12.000 |
| Minsk | 28.–30. Juli 1942 | OP | 10.000 |
| Luzk | 19.–23. August 1942 | OP | 14.700 |
| Wladimir Wolynsk | 1.–3. September 1942 | OP | 13.500 |
| Brest | 15./16. Oktober 1942 | OP, PB 310 | 19.000 |
| Pinsk | 28. Oktober 1942 | PB 306, 310 | 18.000 |

Am 31. Dezember 1941 meldete Himmler an Hitler 363.000 von August bis November als „Partisanen“ ermordete Juden. Bis zum Jahresende ermordeten die TĂ€tereinheiten mindestens 500.000 von etwa 2,5 Millionen sowjetischen Juden, die in den von Deutschen besetzten Gebieten lebten.cite-ref-99[99] Bis zur Wannseekonferenz am 20. Januar waren etwa 900.000 Juden ermordet worden. Die Einsatzgruppen und Polizeibataillone erschossen insgesamt mindestens 1,3 Millionen Juden.cite-ref-100[100]

Vernichtungslager

Göring, der von Hitler mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt war, forderte am 31. Juli 1941 Reinhard Heydrich auf, einen detaillierten Plan dafĂŒr auszuarbeiten. Massenerschießungen galten schon bald als „ineffizient“. Gemeint war nicht nur das geringe Mordtempo, sondern auch die Probleme der TĂ€ter mit der Mordarbeit, die ihnen zu aufwĂ€ndig, nervenbelastend und vor allem zu auffĂ€llig wurde.cite-ref-101[101] Anonymisierte Tötungsmethoden sollten die psychische Hemmschwelle der TĂ€ter senken oder beseitigen. So entstand im Sommer und FrĂŒhherbst die Idee, die Morde in eigens dafĂŒr errichteten und als reinen „Todesfabriken“ organisierten Vernichtungslagern zu begehen. Dies sollte zudem die Geheimhaltung der Verbrechen erleichtern.cite-ref-102[102]

Im Oktober 1941 erreichte der Gauleiter des Warthelands, Arthur Greiser in Absprache mit Viktor Brack, einem der Organisatoren der NS-Krankenmorde, dass die bei der Aktion T4 angewandte Mordmethode der Vergasung mit Kohlenstoffmonoxid in seinem Gau angewandt werden durfte. Dazu errichtete ein Sonderkommando der SS, dessen Mitglieder an den Krankenmorden 1939/40 beteiligt waren, in wenigen Wochen das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Am 8. Dezember 1941 wurde dort eine erste, aus Prag stammende Gruppe von Juden vergast.cite-ref-103[103]

Um die deutschen Großghettos im besetzten Polen wie geplant durch die Ermordung ihrer Bewohner zu leeren, wurden von November 1941 bis Juli 1942 die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka gebaut. Die dortigen Ärzte, Verwaltungs- und Transportspezialisten stammten ĂŒberwiegend aus der Aktion T4 und stiegen zum Teil in der SS-Hierarchie auf. Am 26. September 1941 gab Himmler dem Lagerkommandanten Rudolf HĂ¶ĂŸ den Auftrag, das seit 1940 als Zwangsarbeitslager bestehende KZ Auschwitz zum Vernichtungslager auszubauen. Weitere Vernichtungslager waren das KZ Majdanek und Maly Trostinez bei Minsk in Weißrussland.

Am 16. MĂ€rz 1942 begannen SS und Polizei in Absprache mit der MilitĂ€rverwaltung, zunĂ€chst die Ghettos von Lemberg und Lublin, ab Mai die im Distrikt Krakau zu leeren und die Bewohner nach Belzec zu transportieren. JudenrĂ€te zwang man zur Auswahl der Opfer, die sofort nach Ankunft ermordet wurden. Ab Mai 1942 wurden als „arbeitsunfĂ€hig“ eingestufte Juden der nĂ€heren Umgebung in Sobibor ermordet. Die Zivilverwaltungsstellen in Polen stuften alle Juden in die drei Kategorien „kriegsfĂ€hig“, „arbeitsfĂ€hig“ und „arbeitsunfĂ€hig“ ein. Ende Mai herrschte unter all diesen Stellen Konsens, sĂ€mtliche „ArbeitsunfĂ€higen“ zu ermorden. Auch in kleineren Orten wurden nun jĂŒdische Ghettos eingerichtet. Die Vorbereitungen wurden in Lublin zentral organisiert; das gesamte Mordvorhaben wurde nach dem kurz zuvor ermordeten Reinhard Heydrich Aktion Reinhardt genannt. Als Mordmethode wurden meist Motorabgase benutzt. Fast alle Ankömmlinge wurden ungeachtet ihrer ArbeitsfĂ€higkeit umgebracht und nur ausnahmsweise verschont, um in ein internes HĂ€ftlingskommando eingegliedert zu werden.cite-ref-104[104]

Ab August 1942 wurden auf Befehl der MilitĂ€rverwaltungen, die Nahrungsmittelkontingente einsparen wollten, noch bestehende Ghettos in Weißrussland und der Ukraine „gerĂ€umt“: Das bedeutete die vollstĂ€ndige Ermordung ihrer Bewohner, besonders in Wolhynien, Luzk, Wladimir Wolynsk, Brest-Litowsk und Pinsk. Dabei wurden in Maly Trostinez auch Gaswagen eingesetzt. An vielen dieser Massaker waren Wehrmachteinheiten, drei Polizeibataillone, die stationĂ€re Schutzpolizei, die Gendarmerie und auslĂ€ndische Helfer direkt beteiligt.

Zur Tarnung der geplanten Ermordung diente fĂŒr einen Kreis privilegierter Juden das „Ghetto Theresienstadt“ genannte KZ Theresienstadt in TerezĂ­n bei Prag. 1941 wurde es als Durchgangslager zum spĂ€teren Abtransport in die Vernichtungslager eingerichtet. Juden aus Deutschland konnten sich dort unter der vorgeblichen Zusage, versorgt zu werden, sogar „einkaufen“. Im KZ lebten mehr als 140.000 Juden auf engstem Raum mit einer minimalen „jĂŒdischen Selbstverwaltung“. Einer Delegation des Roten Kreuzes wurde dieses KZ im Juli 1944 als Ort eines vermeintlich „normalen Lebens“ der HĂ€ftlinge vorgefĂŒhrt.

Hauptziel der Transporte aus allen Teilen Europas wurde 1942 das grĂ¶ĂŸte aller Vernichtungslager, Auschwitz-Birkenau II. Dort gehörten einzelne Morde durch Wachpersonal zum Alltag. So ließ Karl Fritzsch zwischen dem 31. August und dem 5. September 1941 auf eigene Initiative zur Erprobung des giftgashaltigen Produkts Zyklon B erstmals 850 sowjetische Kriegsgefangene und kranke HĂ€ftlinge ermorden.cite-ref-105[105] FĂŒr das Zusatzlager waren sechs große Krematorien vorgesehen. Ob sie schon bei Baubeginn fĂŒr Morde gedacht waren, ist ungewiss. Ende Juni 1942 begannen die Selektionen von arbeitsfĂ€higen und sofort zu ermordenden Juden an der Rampe, wo die ZĂŒge eintrafen. Ab Juli 1942 waren zwei Gaskammern („Bunker“) fertiggestellt, wo bis Februar 1943 die Morde stattfanden. Im MĂ€rz 1943 waren die Krematorien mit jeweils einer Gaskammer fertiggestellt und dienten dann zur tĂ€glichen Ermordung und sofortigen Verbrennung von tausenden Ankömmlingen.cite-ref-106[106]

Aus dem von deutschen Truppen besetzten Europa ließen die Nationalsozialisten Menschenmassen per Eisenbahn in die Vernichtungslager deportieren. Nicht wenige Deportierte starben beim Zugtransport in ungeheizten Viehwaggons. Bei der Ankunft im Lager selektierte die SS die HĂ€ftlinge teils in ArbeitsfĂ€hige und Nicht-ArbeitsfĂ€hige. Kinder, ihre MĂŒtter sowie Alte und Kranke wurden gleich nach der Selektion in Gaskammern gefĂŒhrt, die als DuschrĂ€ume getarnt waren. In Auschwitz benutzte die SS Zyklon B fĂŒr die Ermordung. Die große Mehrheit der Deportierten wurde, ohne eine tĂ€towierte HĂ€ftlingsnummer zu erhalten, sofort vergast. Das Cyanwasserstoff-Gas verursachte eine Cyanidvergiftung, die je nach InhalationsstĂ€rke eine qualvolle, bis zu 20 Minuten dauernde innere Erstickung bewirken konnte. Haare, GoldzĂ€hne und PrivatgĂŒter der Opfer, wie Kleidung, Schuhe, Brillen, Koffer, ließ die SS finanziell verwerten. HĂ€ftlinge mussten die Leichen anschließend in Krematorien und Verbrennungsgruben verbrennen.

Die SS ließ in diversen Konzentrationslagern Menschenversuche zu militĂ€rischen, medizinischen und anderen Zwecken durchfĂŒhren. Die Opfer wurden zum Beispiel in Druckkammern extrem hohem oder niedrigem Luftdruck ausgesetzt, in Eiswasser unterkĂŒhlt, mit Bakterien infiziert und fĂŒr chirurgische Versuche missbraucht. Die TĂ€ter, etwa der SS-Arzt Josef Mengele, nahmen den Tod oder lebenslange GesundheitsschĂ€den der Versuchspersonen bewusst und ohne jede Skrupel in Kauf. An vielen deutschen und schweizerischen Forschungseinrichtungen fanden sich noch bis vor kurzem menschliche Körperteile, die einst von den Nationalsozialisten zu „Untersuchungszwecken“ angefordert und geliefert worden waren.

Eine exemplarische Beschreibung fĂŒr Auschwitz-Birkenau gibt Raul Hilberg in seinem Standardwerk: Nach der Entladung der Deportations-ZĂŒge erfolgte die Selektion; Alte, Kranke und gelegentlich auch kleine Kinder wurden bereits auf der Rampe aussortiert. Im Stammlager Auschwitz brachte man die Alten und Kranken auf Lastwagen zu den Gaskammern, krĂ€ftige Personen kamen zunĂ€chst zum Arbeitseinsatz. Die Selektion verlief dabei oberflĂ€chlich, die Angekommenen wurden an dem Arzt vorbeigetrieben, der in eine von zwei Richtungen wies: entweder zum Arbeitseinsatz oder sofort in die Gaskammer. Auch in den Lagern selbst (zum Beispiel auf dem Appellplatz und im Lager-Lazarett) kam es zu regelmĂ€ĂŸigen Selektionen. Die der Gaskammer zugeteilten MĂ€nner und Frauen mussten sich entkleiden, wobei der Eindruck erweckt wurde, dass die Kleider nach dem angekĂŒndigten gemeinsamen Duschen zurĂŒckgegeben wĂŒrden. Zur TĂ€uschung, zur Vermeidung von Panik und zur Beschleunigung des Ablaufes behauptete die Wachmannschaft beispielsweise, man solle sich beeilen, da sonst das Wasser in den Duschen oder die Suppe nach dem Duschen kalt wĂŒrde. Die Opfer entdeckten in den Gaskammern, dass die vermeintlichen Duschen nicht funktionierten. Nach dem Schließen der TĂŒren löschte die Wachmannschaft die elektrische Beleuchtung. Ein SS-Mann mit spezieller Gasmaske öffnete den Deckel des Einwurfschachtes an der Decke und schĂŒttete Zyklon-B-Pellets auf den Boden der Gaskammer. Die leicht flĂŒchtige BlausĂ€ure gaste aus dem Granulat aus und verteilte sich im Raum. In Panik stießen die stĂ€rkeren die schwĂ€cheren Menschen nieder, drĂ€ngten von der Einwurfstelle weg, stellten sich auf Umfallende und Liegende, um giftgasfreiere Luftschichten zu erreichen. Bewusstlosigkeit oder Tod trat bei den ersten Opfern nahe der Einwurfstelle nach etwa zwei Minuten ein. Das Schreien hörte auf und die Sterbenden fielen ĂŒbereinander, sofern genĂŒgend Platz war. Nach fĂŒnfzehn Minuten waren alle in der Gaskammer tot. Die SS ließ das Gas entweichen und nach etwa einer halben Stunde öffnete das HĂ€ftlings-Sonderkommando die TĂŒre. Die Leichen fand man turmartig angehĂ€uft, manche in sitzender und halbsitzender Position, Kinder und Ă€ltere Menschen zuunterst. An der Stelle, wo das Gas eingeworfen worden war, befand sich ein freier Raum, da die Menschen von dort zurĂŒckgewichen waren. Eine HĂ€ufung von Menschen befand sich gepresst an der EingangstĂŒre, die sie zu öffnen versucht hatten. Die Haut der Leichen war rosafarben, teilweise stand Schaum vor den Lippen oder es hatte Nasenbluten eingesetzt. Einige Leichen waren mit Kot und Urin bedeckt, bei manchen schwangeren Frauen hatte die Geburt eingesetzt. JĂŒdische Sonderkommandos mit Gasmasken mussten zunĂ€chst die Leichen an der TĂŒr wegrĂ€umen, um sich den Weg freizumachen. Dann mussten sie die Leichen abspritzen und auseinanderzerren. Sofern den Frauen das Haar noch nicht geschoren worden war, mussten sie es nun schneiden und vor dem Einpacken in Salmiaklösung waschen. In allen Lagern wurden die Körperhöhlen nach versteckten Wertsachen durchsucht, die GoldzĂ€hne gezogen. Abschließend wurden die Leichen zu den Krematorien abtransportiert.cite-ref-107[107]

Über drei Millionen Menschen wurden durch Giftgas getötet; ein Drittel von ihnen durch Zyklon B, die meisten durch Motorabgase.cite-ref-108[108]

| Lager | Baubeginn | Mordbeginn | Ende der Massentötungen | Ermordete [ 109 ] |
|---|---|---|---|---|
| Auschwitz-Birkenau II [ 110 ] | Oktober 1941 | MĂ€rz 1942 | November 1944 | 900.000–1.100.000 |
| Kulmhof | Oktober 1941 | Dezember 1941 | Juli 1944 | mehr als 150.000 |
| Belzec | November 1941 | MĂ€rz 1942 | Dezember 1942 | 435.000 |
| Sobibor | Februar 1942 | April 1942 | Oktober 1943 | 150.000–250.000 |
| Treblinka | Juni 1942 | Juli 1942 | August 1943 | mehr als 900.000 |
| Majdanek | Oktober 1941 | Februar 1943 | Juli 1944 | mind. 78.000 |
| Maly Trostinez | November 1941 | Mai 1942 | Juni 1944 | 60.000 |

Europaweite Judenvernichtung

Beginn systematischer Deportationen

| Datum | Land, Stadt | Ziel [ 111 ] |
|---|---|---|
| 15. Oktober 1941 | Wien | Ghetto ƁódĆș |
| 16. Oktober 1941 | Luxemburg, Trier | Ghetto ƁódĆș |
| 16. Oktober 1941 | Prag | Ghetto ƁódĆș |
| 18. Oktober 1941 | Berlin | Ghetto ƁódĆș |
| 24. November 1941 | Prag | Theresienstadt |
| 25. November 1941 | Berlin | Kaunas, Riga |
| 16. MĂ€rz 1942 | Lublin | Belzec |
| 30. Juni 1942 | Wien | Sobibor |
| 17. Juli 1942 | Frankreich, Belgien, Niederlande | Auschwitz |
| 22. Juli 1942 | Warschau | Auschwitz |
| 4. MĂ€rz 1943 | Thrakien, Mazedonien, Pirot | Treblinka |
| 15. MĂ€rz 1943 | Griechenland | Auschwitz |
| 2. Oktober 1943 | DĂ€nemark | Theresienstadt |
| 17. Oktober 1943 | Italien | Auschwitz |
| 15. Mai 1944 | Ungarn | Auschwitz |

Benelux-Staaten

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Hauptartikel

:

Holocaust in den Niederlanden

Die Deportation von Juden aus Luxemburg begann schon am 16. Oktober 1941, da das Land in Bezug auf die Judenfrage wie ein Teil des Deutschen Reichs behandelt wurde. Bis 17. Juni 1943 wurden 683 Juden unterschiedlicher NationalitÀt aus Luxemburg deportiert.cite-ref-112[112]

Im Juli 1942 begannen die Deportationen von etwa 25.000 Juden aus Belgiencite-ref-113[113] und etwa 107.000 Juden aus den Niederlanden.cite-ref-114[114]

Von den 140.000 niederlĂ€ndischen Juden wurden ĂŒber 110.000 deportiert. Über 100.000 wurden umgebracht; etwa 6.000 ĂŒberlebten. Die Niederlande haben die mit Abstand höchste Deportationsquote in ganz Westeuropa. Zum Vergleich: Die Verschleppungsquote lag in Belgien und Norwegen bei 40 %, in Frankreich bei 25 %, in Italien bei 20 % und in DĂ€nemark bei 2 %. Die Verfolgung der Juden begann 1940 nach deutschem Vorbild mit der Entlassung der Juden aus dem öffentlichen Dienst, fĂŒhrte ĂŒber die Registrierung sĂ€mtlicher Juden 1941 zur gesellschaftlichen Ächtung und zum Verbot, öffentliche Einrichtungen zu betreten. Im Sommer 1942 schließlich begannen die Deportationen; bereits 1943 galten die Niederlande praktisch als „judenrein“. Über das polizeiliche Durchgangslager Westerbork nahe der deutschen Grenze rollten die ZĂŒge in die Vernichtungslager. Der in den Niederlanden geborene Historiker RĂ©my Limpach veröffentlichte 2007 eine Arbeit zu der Frage, wie die Niederlande, ein fĂŒr liberale und tolerante Traditionen bekanntes Land, eine derart hohe Deportationsquote erreichen konnten.cite-ref-115[115]

Bulgarien

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Hauptartikel

:

Rettung der bulgarischen Juden

In Bulgarien fĂŒhrte die Regierung im Januar 1941 das Gesetz zum Schutz der Nation als Rassengesetz gegen die jĂŒdische Bevölkerung ein. Im FrĂŒhjahr 1943 gab sie die jĂŒdische Bevölkerung der griechischen Gebiete Ost-Makedonien und Westthrakien, die sie im Balkanfeldzug 1941 besetzt hatte, auf deutschen Wunsch zur Deportation frei. Mindestens 11.343 jĂŒdische Griechen wurden von bulgarischer Armee und Polizei zusammengetrieben und ausgeliefert. So gut wie alle wurden in den deutschen Konzentrationslagern Auschwitz und Treblinka umgebracht. Dem deutschen Ansinnen, auch die jĂŒdischen Bulgaren auszuliefern, folgte Bulgarien nicht. König Boris III., der Metropolit Stefan der Bulgarisch-orthodoxen Kirche von Sofia, das bulgarische Parlament und die bulgarische Bevölkerung lehnten dies einhellig ab.cite-ref-116[116]cite-ref-117[117]

Deutschland

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Hauptartikel

:

Deportation von Juden aus Deutschland

Am 17. September 1941 entschied Hitler, die bis dahin fĂŒr die Nachkriegszeit vorgesehene Deportation aller deutschen und europĂ€ischen Juden aus von Deutschland besetzten Gebieten nach Osteuropa noch wĂ€hrend des Krieges zu beginnen. Nun fuhren die ersten TransportzĂŒge aus Berlin, MĂŒnchen, Wien, Prag nach ƁódĆș, um zunĂ€chst 19.000 Juden in das ohnehin völlig ĂŒberfĂŒllte dortige Ghetto zu sperren. DafĂŒr wurden ab Januar 1942 nichtdeutsche Ghettobewohner nach Kulmhof zur Vergasung gebracht. Ab MĂ€rz mussten auch Juden im Alter von ĂŒber 65 Jahren, die bis dahin verschont worden waren, die DeportationszĂŒge besteigen. Die Presse durfte nichts mehr darĂŒber berichten. Im Mai wurden grĂ¶ĂŸere Gruppen auch deutscher Juden in Minsk und Kulmhof ermordet. Ab Juni sind erste direkte Transporte aus dem Reich in Vernichtungslager wie Sobibor und Belzec nachgewiesen.cite-ref-dieter-pohl-2000-96-1[96]

Frankreich

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Hauptartikel

:

Chronologie der Kollaboration der Vichy-Regierung beim Holocaust

Am 27. MĂ€rz 1942 wurden erstmals auch französische Juden deportiert: ein Zug transportierte 1112 Menschen von CompiĂšgne ins KZ Auschwitz.cite-ref-chronik-118-0[118] Im Mai besuchte Heydrich Paris, um ein großes Deportationsprogramm mit dem Vichy-Regime zu besprechen. Dazu gehörte die EinfĂŒhrung des Judensterns. Am 16. und 17. Juli nahm die Polizei in Paris bei einer großen Razzia etwa 13.000 Juden ohne gĂŒltige PĂ€sse fest. Sie wurden mit regelmĂ€ĂŸigen ZĂŒgen vom Sammellager Drancy ins KZ Auschwitz gebracht und dort meist sofort ermordet. Auch aus der unbesetzten Zone Frankreichs wurden ab 17. August 1942 eingewanderte Juden mitsamt ihren Kindern, die eigentlich als französische StaatsbĂŒrger rechtlichen Schutz genossen, in ein osteuropĂ€isches Vernichtungslager deportiert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in den bislang unbesetzten Teil Frankreichs am 11. November 1942 („Unternehmen Anton“) wurden diese Transporte von Gefolgsleuten Eichmanns organisiert. Französische und italienische Behörden in der bis September 1943 italienisch besetzten Zone um Nizza verweigerten oft die Auslieferung; mehr als die HĂ€lfte aller französischen Juden entging dem Abtransport. Etwa 75.000 von ihnen wurden deportiert,cite-ref-chronik-118-1[118] etwa 3000 davon ĂŒberlebten.

Italien

Anders als im deutschen Nationalsozialismus war der italienische Faschismus nicht von Beginn an antisemitisch. Erst ab 1938 wurden die Juden durch die italienischen Rassengesetze diskriminiert, um sie zur Auswanderung zu bewegen. Seit dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 wurden die auslĂ€ndischen und als gefĂ€hrlich betrachteten einheimischen Juden wie Angehörige von Feindstaaten behandelt und interniert. Bis zum Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 hatten die Juden im italienischen Machtbereich zwar unter den HĂ€rten der Internierung und der Rassengesetze zu leiden, lebten aber besser als in den anderen von den AchsenmĂ€chten kontrollierten Gebieten. Auch in den italienisch besetzten Gebieten Kroatiens, Griechenlands und SĂŒdfrankreichs schĂŒtzten Offiziere und Diplomaten die dortigen Juden vor Deportationsforderungen der Deutschen.cite-ref-119[119]

Nach dem Sturz Mussolinis und dem Waffenstillstand mit den USA und Großbritannien erfolgte im September 1943 die deutsche Besetzung Italiens (Fall Achse). Erst die Italienischen Sozialrepublik unter Mussolinis Marionettenregierung lieferte Juden an Deutschland aus.cite-ref-120[120] Etwa einen Monat nach der Besetzung wurde eine mobile Einheit unter dem SS-HauptsturmfĂŒhrer Theodor Dannecker von Eichmann mit deren Verhaftung und Deportation beauftragt. Die Einheit fĂŒhrte mehrere Razzien durch, bei der Aktion vom 16. Oktober gegen die Juden in Rom wurden 1.259 Menschen gefangen genommen.cite-ref-121[121] WĂ€hrenddessen konstituierte sich mit deutscher Hilfe die Italienische Sozialrepublik und erklĂ€rte die italienischen Juden in der Charta von Verona zu feindlichen AuslĂ€ndern. Am 30. November 1943 wurde durch den Innenminister Guido Buffarini-Guidi die Verhaftung und Einlieferung aller Juden in italienische Konzentrationslager angeordnet. Von deutscher Seite wurde daraufhin Dannecker abgelöst und Friedrich Boßhammer organisierte mit Hilfe des BdS Italien in Verona deutsche Durchgangs- und Sammellager im Polizeihaftlager Borgo San Dalmazzo, Durchgangslager Fossoli, Risiera di San Sabba und Durchgangslager Bozen.cite-ref-122[122] Über 9.000 Juden wurden zwischen Oktober 1943 und Dezember 1944 verschleppt, zum allergrĂ¶ĂŸten Teil nach Auschwitz. Im Raum Triest war bis Kriegsende das Personal der „Aktion Reinhard“ als Sonderabteilung Einsatz R aktiv, das im September 1943 aus Polen nach Italien wechselte. Noch am 26. April 1945 ereigneten sich dort Morde.cite-ref-123[123]

Die Beteiligung der italienischen Polizei, der faschistischen Miliz und der Verwaltung der Republik von SalĂČ an der Verfolgung der Juden wurde im Italien der Nachkriegszeit von der Öffentlichkeit lange Zeit kaum wahrgenommen und durch den Brava-Gente-Mythos verbrĂ€mt. Das Gleiche gilt fĂŒr die historische Forschung und die Justiz.cite-ref-124[124]

Griechenland

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Hauptartikel

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Holocaust in Griechenland

In Griechenland wurden die Juden je nach Besatzungsland sehr verschieden behandelt. Im italienisch besetzten westlichen Landesteil schĂŒtzten die Behörden sie bis September 1943; in den deutsch und bulgarisch besetzten östlichen Teilen wurden die Juden aus mehreren Sammellagern von Saloniki aus ab MĂ€rz 1943 in 19 GĂŒterzĂŒgen vor allem ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zur Ermordung transportiert. Nach der Kapitulation Italiens vor den Westalliierten (September 1943) schickten die Deutschen mit großem logistischem Aufwand tausende weiterer Juden aus Korfu und dem damals italienischen Rhodos ebenfalls in Vernichtungslager. Zumindest 58.885 Juden aus Griechenland wurden ermordet.cite-ref-125[125] Es gab einige Rettungsaktionen, zum Beispiel die Rettung nahezu aller Juden der Insel Zakynthos durch die Inselbevölkerung oder die Ausgabe falscher Personalausweise und Geburtsurkunden fĂŒr Juden durch Athener Behörden.

Kroatien

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Hauptartikel

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Holocaust im UnabhÀngigen Staat Kroatien

In damaligen UnabhĂ€ngigen Staat Kroatien (NDH) erließ das faschistische Ustascha-Regime unter Ante Pavelić schon im April 1941 kroatische Rassengesetze gegen Serben, Juden und Roma, denen bald Kleiderkennzeichen fĂŒr Juden in Form eines runden, gelben Emblems mit einem „Z“ fĂŒr Ćœidov (=Jude) folgten. ZusĂ€tzlich entstanden hier um die 40 Konzentrations- und Internierungslager.cite-ref-126[126] Neben dem Völkermord an den Serben im UnabhĂ€ngigen Staat Kroatien wurden ab August 1941 auch tausende kroatische und bosnisch-herzegowinische Juden in dazu eingerichteten Lagern ermordet. Ab August 1942 wurden auf DrĂ€ngen der Deutschen 5500 internierte Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Mai 1943 wurden die auf italienischen Druck hin zwischenzeitlich eingestellten Transporte wieder aufgenommen. Zur Rettung der Juden im italienisch besetzten Teil Jugoslawiens ließ das italienische MilitĂ€r auf Befehle von Marshall Cavallero sie im Herbst 1942 internieren und brachte sie im Sommer 1943 in das Konzentrationslager auf der Insel Rab, wo sie sich nach dem Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 selbst befreiten und ĂŒberwiegend den Tito-Partisanen anschlossen.cite-ref-127[127]

Nach Yad Vashem wurden im NDH-Staat insgesamt 30.000 Juden ermordet, etwa 40 % allein im KZ Jasenovac.cite-ref-128[128]

Polen

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Hauptartikel

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Geschichte der Juden in Polen#Der Zweite Weltkrieg und die Ermordung der polnischen Juden (1939–1945)

und

Deutsche Besetzung Polens 1939–1945

RumÀnien

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Hauptartikel

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RumÀnien und der Holocaust

Die Regierung RumĂ€niens unter Antonescu ließ etwa 350.000 rumĂ€nische Juden in den von ihr besetzten Gebieten in großen Massenmorden nahezu vollstĂ€ndig ausrotten. Nur die Juden Transsylvaniens blieben bis MĂ€rz 1944 unter dem Schutz Ungarns, bis auch sie mit den ungarischen Juden direkt nach Auschwitz deportiert wurden. Die bereits fest geplante Deportation der Juden AltrumĂ€niens ließ der Staatschef im Oktober 1942 ĂŒberraschend stoppen. Diese waren jedoch weiterhin Verfolgung und Pogromen ausgesetzt.

Siehe auch: Curăƣirea terenului (Reinigung des Landes)

Serbien

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Hauptartikel

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Serbien und der Holocaust

Nach dem Balkanfeldzug ließ die deutsche MilitĂ€rverwaltung in Serbien Lager fĂŒr Gegner, Partisanen und Juden einrichten. Ab September 1941 veranlasste sie Massenmorde an mĂ€nnlichen Juden in den Ortschaften. Ab dem 16. Oktober wurden nach jedem Partisanenanschlag hunderte internierte Juden ermordet.cite-ref-129[129] Ab Dezember 1941 wurden jĂŒdische Frauen, Kinder und Greise Serbiens in das KZ SajmiĆĄte interniert. Im Mai 1942 ermordete die dortige Gestapo 6000 von ihnen mit einem Gaswagen. Das serbische Nedić-Kollaborationsregime erließ Rassengesetze und war an der Inhaftierung von Juden beteiligt. Das Serbische Freiwilligenkorps unter Dimitrije Ljotić stand hierbei der SS zur Seite.

Skandinavien

DĂ€nemark wurde ab 9. April 1940 von der Wehrmacht besetzt. Seine demokratisch gewĂ€hlte Regierung durfte unter deutscher Besatzung zunĂ€chst weiterarbeiten. Sie verhinderte erfolgreich die EinfĂŒhrung von Judenstern und Rassengesetzen. Als der dĂ€nische Widerstand im Sommer 1943 anwuchs, beschloss die deutsche MilitĂ€rverwaltung die Deportation der dĂ€nischen Juden. Weil der 1./2. Oktober 1943 als Termin der Festnahme durchgesickert war, konnten 7200 von ihnen rechtzeitig mit Fischerbooten in das neutrale Schweden fliehen. 483 dĂ€nische Juden wurden nach Theresienstadt deportiert, wo bis auf 50 alle ĂŒberlebten (siehe Rettung der dĂ€nischen Juden).

In Norwegen ging die Kollaborationsregierung unter Vidkun Quisling ĂŒberwacht vom Reichskommissar Josef Terboven zunĂ€chst nicht offen gegen die Juden vor. Von Oktober 1942 bis Februar 1943 wurden dann die Deportationen und die Arisierung des Vermögens in rasch folgenden systematischen Schritten durch norwegische und deutsche KrĂ€fte durchgefĂŒhrt. Ein Judenstern wurde anders als in den sonstigen besetzten westeuropĂ€ischen LĂ€ndern nicht eingefĂŒhrt.cite-ref-130[130] 734 norwegische Juden fanden in Auschwitz den Tod.

Finnland lehnte eine Auslieferung der finnischen Juden ab. Von diesen kÀmpften einige auf deutscher Seite gegen die Sowjetunion.

Slowakei

Das im MĂ€rz 1939 gebildete Marionettenregime der Slowakei unter Jozef Tiso hatte schon im November 1938 mit eigenen Deportationen slowakischer Juden nach Ungarn und in Arbeitslager begonnen. Auf das DrĂ€ngen des slowakischen MinisterprĂ€sidenten Vojtech Tukacite-ref-131[131] hin wurden ab MĂ€rz 1942 unter der Regie Eichmanns etwa 58.000 slowakische Juden in den Distrikt Lublin, nach Auschwitz und Majdanek deportiert. Die meisten starben dort an Hunger, Zwangsarbeit und Seuchen. Im August 1942 wurden diese Transporte nach kirchlichen Protesten vorĂŒbergehend gestoppt. Zwei Jahre spĂ€ter besetzte die Wehrmacht die Slowakei; eine eigene Einsatzgruppe inhaftierte und deportierte etwa 12.000 untergetauchte slowakische Juden.

Sowjetunion

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Hauptartikel

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Deutsch-Sowjetischer Krieg#Holocaust

Tschechien

Das am 16. MĂ€rz 1939 unmittelbar nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei errichtete Protektorat Böhmen und MĂ€hren war unmittelbares Reichsgebiet und verfĂŒgte nur ĂŒber eine Ă€ußerst beschrĂ€nkte Selbstverwaltung. Im Juli errichtete die SS die Zentralstelle fĂŒr jĂŒdische Auswanderung in Prag, welche ab 1941 die systematische Deportation der tschechischen Juden in Vernichtungslager exekutierte. Im Oktober 1941 gab Reinhard Heydrich den Befehl, alle Juden im Protektorat in das KZ Theresienstadt zu deportieren, das als Sammel- und Durchzugslager eingerichtet wurde. Ab Dezember 1941 galt fĂŒr Juden ein generelles Ausreiseverbot. Insgesamt wurden 81.000 Juden aus den tschechischen LĂ€ndern in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Rund 10.500 von ihnen ĂŒberlebten den Krieg.cite-ref-132[132]

Ungarn

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Hauptartikel

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Holocaust in Budapest

Ungarn war von Ende 1940 bis Oktober 1944 durch seinen Beitritt zum DreimĂ€chtepakt offiziell mit NS-Deutschland verbĂŒndet. Es hatte die Karpato-Ukraine besetzt und erhielt 1940 von Hitler den nördlichen Teil SiebenbĂŒrgens zugesprochen.

Unmittelbar nach dem Überfall auf die Sowjetunion (ab 22. Juni 1941), an dem Ungarn beteiligt war, begann die Regierung von MiklĂłs Horthy, die Juden aus den ungarisch besetzten Gebieten ĂŒber die östlichen Grenzen zu treiben und nach Ost-Galizien zu deportieren. Dies war eine Mitursache fĂŒr das Massaker von Kamenez-Podolsk, wo sich 14.000 deportierte ungarische Juden gesammelt hatten. Danach unterließ Horthy weitere Deportationen, schuf aber Bataillone aus jĂŒdischen Zwangsarbeitern, die mit den ungarischen Truppen gegen die Rote Armee kĂ€mpfen mussten. Davon starben etwa 42.000, viele auch durch Morde deutscher Polizisten.

Weil Horthy die ĂŒbrigen ungarischen Juden trotz der NĂ€he der Roten Armee noch nicht deportieren ließ, besetzte die Wehrmacht im MĂ€rz 1944 Ungarn (Operation Margarethe). Ein auf Hitlers Befehl entsandtes SS-Einsatzkommando, das Eichmann-Kommando (benannt nach seinem Leiter Adolf Eichmann), richtete mit Hilfe deutschfreundlicher ungarischer Beamter und Polizei Ghettos fĂŒr die Juden ein. Ab 15. Mai 1944 wurden insgesamt 437.000 ungarische Juden zunĂ€chst aus den Randprovinzen, ab Juli 1944 auch aus Budapest nach Auschwitz deportiert; 320.000 davon wurden dort direkt vergast. Viele Leichen wurden unter freiem Himmel verbrannt, weil die Krematorien nicht schnell genug arbeiteten. 15.000 Juden wurden entgegen Hitlers Prinzip von 1941, keine Juden mehr ins Deutsche Reich zu bringen, nach Strasshof an der Nordbahn in Niederösterreich deportiert.

Nach massiven Protesten der WestmĂ€chte und des Vatikans ließ Horthy die Transporte am 6. Juli unterbrechen. Eichmann konnte danach noch einige wenige Transporte durchfĂŒhren.

Am 15. Oktober gelang den rechtsextremen Pfeilkreuzlern mit deutscher Hilfe ein Putsch gegen Horthy. Sie ermordeten etwa 9000 Juden aus dem Budapester Ghetto. Viele Ghettobewohner konnten zeitweise mit schwedischen oder schweizerischen SchutzpĂ€ssen ĂŒberleben. Etwa 78.000 der verbliebenen Juden Ungarns wurden aber gefasst und von Eichmann auf TodesmĂ€rsche Richtung Österreich geschickt.cite-ref-133[133] Juden mussten in Lagern am SĂŒdostwall Zwangsarbeit leisten.cite-ref-134[134] Der General der Waffen-SS Hans JĂŒttner war so schockiert ĂŒber das, was er bei einer Inspektionsfahrt sah, dass er sich bei dem Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer in Ungarn, Otto Winkelmann, beschwerte.

Schlussphase

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Hauptartikel

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Sonderaktion 1005

und

TodesmÀrsche von KZ-HÀftlingen

Schon Ende 1941, nach der verlorenen Schlacht vor Moskau, planten die HolocausttĂ€ter im RSHA, die Spuren von NS-Massenmorden zu beseitigen, bevor die Rote Armee sie entdecken konnte. Ab Herbst 1942 wurden zuerst in Kulmhof und Belzec Leichen exhumiert und verbrannt. Das Lager wurde geschlossen. Die GebĂ€ude und ZĂ€une des Lagers Treblinka mussten „Arbeitsjuden“ abreißen; dann wurden sie erschossen. Das GelĂ€nde wurde umgepflĂŒgt und BĂ€ume darauf gepflanzt.cite-ref-135[135]

Nachdem Wehrmachtsoldaten im April 1943 MassengrĂ€ber von Opfern des sowjetischen Massakers von Katyn entdeckt hatten, ließ das RSHA die „Sonderaktion 1005“ einleiten: Mehrere Sonderkommandos zwangen Juden und sowjetische Kriegsgefangene zum Aufgraben der MassengrĂ€ber von Juden und Verbrennen ihrer Leichen, etwa in Babyn Jar bei Kiew. Sie mussten die Knochen der Mordopfer zermahlen und zusammen mit der Asche der Leichen in WĂ€ldern verstreuen. Im MĂ€rz 1944 wurden auch diese Zwangsarbeiter als unliebsame Zeugen ermordet. Solche Vertuschungsversuche folgten in Polen und auf dem Balkan. Da sich Massenerschießungen und Lagerstandorte aber kaum geheim halten ließen, wurden nach Kriegsende fast alle MassengrĂ€ber der NS-Verbrechen entdeckt.

Seit der verlorenen Schlacht um Stalingrad am 2. Februar 1943 zog sich die Wehrmacht allmĂ€hlich aus Osteuropa zurĂŒck. Gefangene der Deutschen sollten der Roten Armee auf keinen Fall in die HĂ€nde fallen. Beim RĂŒckzug verĂŒbten Wachpersonal, Gestapo und Sicherheitspolizei daher viele Massaker an zehntausenden GefĂ€ngnis- und LagerhĂ€ftlingen, teils auf eigene Initiative, teils auf zentralen Befehl. So befahl der Chef der Sicherheitspolizei im Generalgouvernement am 20. Juli 1944 die „TotalrĂ€umung“ aller dortigen GefĂ€ngnisse, die „Liquidierung“ der Insassen, falls Transporte unmöglich seien, das Verbrennen der Leichen und Sprengen der GebĂ€ude.

DemgemĂ€ĂŸ hatten Lagerverwaltungen und regionale PolizeifĂŒhrer seit Dezember 1943 die ersten Transporte nach Westen organisiert und dabei „nicht transportfĂ€hige“ Menschen selektiert und direkt ermordet. Im Januar 1945 begann die „Evakuierung“ aller KZs im Osten, die bis in die letzten Kriegstage im April fortgesetzt wurde. Aus dem KZ Stutthof mussten 17.000, aus Auschwitz 58.000 Menschen zu Fuß nach Westen marschieren. Wer nicht mitkam oder stĂŒrzte, wurde von Bewachern, teils auch Einheimischen beim Durchzug eines Ortes, erschossen. Auch bei Weitertransporten in völlig ĂŒberfĂŒllten ZĂŒgen starben tausende, ebenso in Aufnahmelagern. Nur etwa 1500 Personen dieser beiden TodesmĂ€rsche erreichten das Altreich lebend.

Bei diesen Maßnahmen wurden die etwa 200.000 Juden, die die Zwangsarbeits- und Vernichtungslager bis dahin ĂŒberlebt hatten, erneut besonders brutal behandelt. Man schĂ€tzt, dass etwa 100.000 Menschen durch TodesmĂ€rsche, insgesamt 300.000 durch Gefangenenmorde umkamen.

Ab Februar 1945 ließen NS-Behörden auch Akten verbrennen. Per Runderlass ordneten Gauleiter an, besonders „Geheimbefehle des FĂŒhrers“ und andere Geheimdokumente zu Mord- und Ausrottungsbefehlen zu vernichten.cite-ref-136[136]

Gesamtzahlen jĂŒdischer Opfer

NS-Zeitungen hatten gelegentlich realistische Opferzahlen genannt: So schrieb Der Danziger Vorposten am 13. Mai 1944 ĂŒber „schwere Einbußen“ des Judentums in Osteuropa. Allein in Polen und Ungarn seien fĂŒnf Millionen Juden „ausgeschaltet“ worden, weitere 1œ Millionen seien entsprechenden „gesetzlichen Maßnahmen“ ausgesetzt.cite-ref-137[137] Im NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher ging die Anklageschrift 1945 von 5,7 Millionen Opfern aus. GestĂŒtzt wurde das durch Auswertungen von Jacob Robinsons Institute of Jewish Affairs und den leicht darĂŒber liegenden Zahlen aus den Zeugenaussagen der MittĂ€ter Wisliceny sowie Höttl.cite-ref-138[138]

Holocaustforscher nahmen zeitweise an, von 1939 bis 1945 seien weniger Juden ermordet worden: Gerald Reitlinger schÀtzte sie 1953 auf 4,2 bis 4,7,cite-ref-139[139] Raul Hilberg 1961 auf 5,1 Millionen.cite-ref-140[140] Martin Gilbert kam 1982 auf 5,7 Millionen.cite-ref-141[141] 1987 trug die von einem internationalen Autorenkollektiv verfasste EnzyklopÀdie des Holocaust die damals möglichen genauesten SchÀtzungen aus vielen EinzellÀndern zusammen und kam so auf etwa 5,6 Millionen.

Durch die Freigabe sowjetischer Archive seit 1990 konnten die bis dahin ungewissen Opferzahlen fĂŒr Polen und die Sowjetunion etwa anhand von Deportationslisten, ZugfahrplĂ€nen und Mitgliedlisten jĂŒdischer Gemeinden vor und nach dem Holocaust ĂŒberprĂŒft werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz zwar niedriger lagen als zuvor vermutet, dass aber allein dort 1,1 Millionen Menschen, darunter mindestens 900.000 Juden, ermordet worden waren.cite-ref-142[142]

Wolfgang Benz befasste sich in Dimension des Völkermords (erschienen 1991, 2. Auflage 1996) mit allen seit 1990 zugĂ€nglichen Quellen, Auswertungs- und Berechnungsmethoden der Opferzahlen. Burkhard Asmuss veröffentlichte 2002 eine Aufstellung mit teilweise gröberen SchĂ€tzungen.cite-ref-143[143] Insgesamt erhĂ€rtete sich dabei eine Gesamtopferzahl von mindestens 5,6 bis zu 6,3 Millionen ermordeten jĂŒdischen Menschen. Dazu kommen Zahlen fĂŒr Verletzte und Vertriebene. Im von ihm herausgegebenen Handbuch des Antisemitismus bezifferte Benz die Gesamtzahl der Holocaust-Opfer auf „mindestens sechs Millionen“.cite-ref-144[144]

Die GedenkstĂ€tte Yad Vashem in Jerusalem nannte im Dezember 2010 ĂŒber vier Millionen Opfer in ihrer Personenkartei namentlich, also als identifiziert. 2,2 Millionen dieser Namen wurden von Angehörigen oder Freunden beigesteuert, die anderen stammen aus Archiven oder Recherchen.cite-ref-145[145]

| Land | Dimension des Völkermords (2/1996) | EnzyklopÀdie des Holocaust (4/2002) | Burkhard Asmuss (1/2002) |
|---|---|---|---|
| Albanien 3 4 | 591 | — | — 3 |
| Belgien | 28.518 | 28.900 | 25.000 |
| Bulgarien 1 | 11.393 | — | — |
| DĂ€nemark 3 | 116 | 60 | — 3 |
| Deutschland 2 | 160.000 | 134.500 | 165.000 |
| Estland | — | — | 1.000 |
| Frankreich | 76.134 | 77.320 | 75.000 |
| Griechenland | 59.185 | 60.000 | 59.000 |
| Italien | 6.513 | 7.680 | 7.000 |
| Jugoslawien | 60.000 | 56.200 | 65.000 |
| Lettland | — | — | 67.000 |
| Litauen | — | — | 160.000 |
| Luxemburg 3 | 1.200 | 1.950 | — 3 |
| Niederlande | 102.000 | 100.000 | 102.000 |
| Norwegen 3 | 758 | 762 | — 3 |
| Österreich | 65.900 | 50.000 | 65.000 |
| Polen | 2.700.000 | 2.900.000 | 3.000.000 |
| RumÀnien | 211.214 | 271.000 | 350.000 |
| Sowjetunion | 2.100.000 | 1.211.500 | 1.000.000 |
| Tschechoslowakei | 143.000 | 146.150 | 260.000 |
| Ungarn | 550.000 | 550.000 | 270.000 |
| weitere LĂ€nder 3 | — | — | 2.800 |
| Spannen 5 | 6.276.522–6.316.522 | 5.596.022–5.863.122 | 5.673.800 |

Anmerkungen:
Keine Angaben: —

Nach Asmuss (

Holocaust

) beziehen sich die Zahlen auf Juden aus bulgarisch besetzten Gebieten; alle bulgarischen Juden wurden gerettet.

Benz (

Dimension des Völkermords

) nennt 165.000 als realistische SchÀtzung.

Asmuss fasst die Opfer aus Albanien, DĂ€nemark, Luxemburg, Norwegen und Nordafrika in einer Zahl unter „weitere LĂ€nder“ zusammen.

Nach Asmuss deportiert

gesicherte Minimalzahl und wahrscheinliche Maximalzahl.

TĂ€ter

Der Holocaust war kein Projekt einer Einzelbehörde und wurde nicht nur von bestimmten dazu beauftragten TĂ€tern durchgefĂŒhrt, sondern von vielen Institutionen aller deutschen Gesellschaftsbereiche ermöglicht, mitgetragen, geplant, organisiert und vollzogen. Seit den Forschungen Raul Hilbergs werden dabei bĂŒrokratische EntscheidungsablĂ€ufe, Arbeitsteilung, ZustĂ€ndigkeiten und ihr Zusammenwirken untersucht, aber auch gemeinsame Interessen, ideologischer Konsens und praktische BĂŒndnisse zwischen alten und neuen Eliten, FĂŒhrung und Bevölkerungen.

Historiker gehen heute von bis zu 500.000 „an den Schreibtischen wie auf den SchauplĂ€tzen“ an den Judenmorden beteiligten, meist mĂ€nnlichen, Deutschen und Österreichern sowie nochmals einigen Hunderttausend Kollaborateuren aus den von Deutschland besetzten oder mit ihm verbĂŒndeten Staaten aus.cite-ref-146[146] HaupttĂ€ter waren Mitglieder aller MachtsĂ€ulen des NS-Staates:

‱ Hitler und der engere FĂŒhrungszirkel des NS-Regimes, die die Leitlinien der Vernichtungspolitik bestimmten und in allgemeine Befehle und Verordnungen umsetzten,
‱ die Massenpartei NSDAP, die die Hetzpropaganda entfaltete, die den Holocaust vorbereitete und begleitete, deren Gauleiter und Ortsgruppenleiter die Entrechtung und Deportation der Juden und anderer Opfergruppen in ihrem Bereich vorantrieben, deren SA und Hitlerjugend direkt an Verfolgungs- und Mordaktionen in der Vorkriegszeit (zum Beispiel Judenboykotte 1933ff., Novemberpogrome 1938) und gegen Kriegsende (Endphaseverbrechen gegen KZ-HĂ€ftlinge auf TodesmĂ€rschen usw.) teilnahmen;
‱ die SS als dem „FĂŒhrer“ persönlich verpflichtete elitĂ€re Terrororganisation, deren weitverzweigte Untergliederungen die rassistische Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik in den eroberten und eingegliederten Gebieten durchfĂŒhrten und dort das entsprechende Lager- und Ghettosystem organisierten. Hier wird nicht nur den Einsatzgruppen, sondern auch den Polizeibataillonen und ihren jeweiligen Vorgesetzten, den Höheren SS- und PolizeifĂŒhrern sowie den SS-HauptĂ€mtern – besonders dem Reichssicherheitshauptamt – eine Hauptverantwortung an den Massenmorden zugewiesen.
‱ die Gestapo, Ordnungs-, Sicherheits- und Kriminalpolizei: Sie sollten möglichst alle „Reichs- und Volksfeinde“ aufspĂŒren, ĂŒberwachen und „ausschalten“ und wirkten dabei mit der SS zusammen.
‱ die Wehrmacht: Deren Oberkommandos und GenerĂ€le trugen die Vernichtungsziele des Krieges gegen die Sowjetunion mit, setzten sie in völkerrechtswidrige Befehle um und halfen auf vielfĂ€ltige Weise bei der Judenvernichtung, etwa indem sie Soldaten fĂŒr Massenerschießungen bereitstellten, die Judenkennzeichnung in besetzten Gebieten erzwangen, jĂŒdische Kriegsgefangene aussonderten und Juden als Partisanen ermorden ließen oder selbst ermordeten.
‱ viele Wirtschafts- und IndustrieverbĂ€nde und Unternehmen, die von der Arisierung, Zwangsarbeit und vom Aufbau der Vernichtungsindustrie in den Lagern profitierten und daran mitwirkten
‱ die zivilen und militĂ€rischen Besatzungsverwaltungen, besonders in Osteuropa, die die wirtschaftliche Ausbeutung und rassistische Bevölkerungspolitik in ihren Gebieten organisierten, durchfĂŒhrten, zum Teil in einen Wettlauf bei deren „Entjudung“ eintraten und dazu Druck auf die Berliner Zentralbehörden ausĂŒbten. ZustĂ€ndig war das Reichsministerium fĂŒr die besetzten Ostgebiete unter Alfred Rosenberg in Berlin, dem sog. Ostministerium, dem zum Beispiel auch das Reichskommissariat Ostland unterstand.
‱ das Personal vieler Staats- und Verwaltungsbehörden, die mit Gesetzen, Verordnungen, Verwaltungsakten und konkreten Maßnahmen an der Judenverfolgung, -ausgrenzung, -deportation und -vernichtung mitwirkten: „Es gab kaum eine Behörde, [
], die nicht ‚von Amts wegen‘ fĂŒr die ‚Lösung‘ einer ‚Judenangelegenheit‘ zustĂ€ndig war.“cite-ref-147[147]

Als indirekte, aber deswegen nicht weniger verantwortliche TĂ€tergruppen werden erachtet:

‱ Wissenschaftsinstitute, UniversitĂ€ten und FakultĂ€ten, die – z. B. in der Medizin, Völkerkunde und Raumplanung – mit interessegeleiteter Forschung ideologische GrĂŒnde lieferten, PlĂ€ne erstellten, AuftrĂ€ge vergaben und sich – etwa durch die Abnahme von Leichen fĂŒr „anatomische Rassestudien“ oder von lebenden HĂ€ftlingen fĂŒr Menschenversuche – an Mordaktionen beteiligten.
‱ die Kirchen, die ihre Tauf- und Eheregister zur Erfassung der „Nichtarier“ zur VerfĂŒgung stellten, selbst „Ariernachweise“ erstellten und die ausfĂŒhrenden TĂ€ter ĂŒberwiegend moralisch entlasteten.
‱ Bevölkerungsteile im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten, die die Judenverfolgung unterstĂŒtzten.

Holocaustkenntnis wÀhrend der NS-Zeit

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Hauptartikel

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Zeitgenössische Kenntnis vom Holocaust

Deutsches Reich

Schon die vor Beginn des Holocaust vom NS-Regime ergriffenen Maßnahmen zur Isolierung, Diskriminierung und Verfolgung der Juden – etwa der Boykott jĂŒdischer GeschĂ€fte 1933, die Rassengesetze von 1935 und das Novemberpogrom von 1938 – konnten niemandem verborgen bleiben, der damals in Deutschland lebte. Auch die im Krieg einsetzenden Deportationen der reichsdeutschen Juden erfolgten in aller Öffentlichkeit, auf offener Straße und ĂŒber Bahnhöfe, auch wenn sie von der NS-Propaganda offiziell als „Umsiedlungen“ bezeichnet wurden.cite-ref-a113-148-0[148]

Obwohl Hitler in einer im Radio ĂŒbertragenen Reichstagsrede am 30. Januar 1939 explizit formulierte, im Falle eines erneuten Weltkrieges sei mit der „Vernichtung der jĂŒdischen Rasse in Europa“ zu rechnen, erinnerte die deutsche Propaganda bis Mitte 1941 nur gelegentlich an diese Drohung. Darin spiegelte sich nach Ansicht Peter Longerichs die verfahrene Situation der Politik, dass Auswanderung bzw. Vertreibung durch den Krieg weitgehend vereitelt worden waren, AlternativplĂ€ne wie Deportationen in ein „Reservat“ aber ebenso wenig umzusetzen waren und zudem grundsĂ€tzlich als Geheimsache galten.cite-ref-149[149] Im Jahr 1942 kam Hitler dann mehrfach und in viel beachteten Reden auf seine „Prophezeiung“ vom 30. Januar 1939 zurĂŒck, wobei er diese Rede immer wieder auf den Kriegsanfang datierte und seine Rhetorik durch das Wort „ausrotten“ verschĂ€rfte. Allerdings war dies nicht Kern einer breit angelegten, den Massenmord an den Juden begleitenden Propagandakampagne, sondern die wiederholte Drohung erfolgte in einem propagandistischen Umfeld, das ĂŒber das weitere Vorgehen des Regimes in der „Judenfrage“ konsequent schwieg. WĂ€hrend der Holocaust in vollem Gange war, spielte die „Judenfrage“ in der deutschen Propaganda nur eine untergeordnete Rolle. Man war bemĂŒht, keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Drohung und der Verfolgungspraxis herzustellen.cite-ref-150[150]

Die ersten Massenerschießungen im Osten geschahen zwar unter strengster Geheimhaltungcite-ref-151[151], ĂŒber Wehrmachtssoldaten auf Heimaturlaub sickerten entsprechende Informationen dennoch durch. Ab 1941 verbreitete sich gerĂŒchteweise im Reich, dass auch die angeblich nur „umgesiedelten“ deutschen Juden in Wirklichkeit umgebracht wurden. Die befohlene Geheimhaltung scheiterte auch daran, dass außer Wehrmachts- und SS-Angehörigen auch zahlreiche deutsche Zivilisten, etwa Verwaltungsbeamte oder Eisenbahner Zeugen der Verbrechen wurden.cite-ref-a113-148-1[148] Dazu kamen Informationen ĂŒber Rundfunksendungen der Westalliierten. Anfang 1942 etwa berichtete Thomas Mann im Rahmen seiner fĂŒr die BBC aufgenommenen Radio-Serie „Deutsche Hörer“ ĂŒber die Vergasung niederlĂ€ndischer Juden. Äußerungen in privaten TagebĂŒchern, Aufzeichnungen und Briefen ebenso wie in amtlichen Dokumenten belegen, dass viele damals lebende Deutsche zumindest ahnungsweise Kenntnis vom Genozid an den Juden hatten.cite-ref-152[152] Dass sich diese Kenntnis nur langsam verbreitete, dafĂŒr macht der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz noch vor der befohlenen Geheimhaltung die „alle Phantasie ĂŒbertreffende Unglaublichkeit der Nachrichten ĂŒber die Ermordung der Juden“ verantwortlich.cite-ref-153[153] Die deutsche Bevölkerung begegnete der judenfeindlichen Politik des Regimes mit GleichgĂŒltigkeit und Apathie.cite-ref-154[154]

Im Laufe des Jahres 1942 machten im Reichsgebiet vermehrt GerĂŒchte ĂŒber die Ermordung der Juden die Runde. Vielen Deutschen war klar, dass Deportation fĂŒr die Betroffenen den Tod bedeutete, wobei hĂ€ufig ĂŒber Erschießungen spekuliert wurde. Konkrete Informationen ĂŒber Vernichtungslager waren jedoch kaum im Umlauf. In der zweiten JahreshĂ€lfte 1942 wurde der Massenmord an den Juden zum öffentlichen Geheimnis, ĂŒber das man besser nicht sprach, das im allgemeinen Bewusstsein jedoch deutlich prĂ€sent war. Ein Gesamtbild vom wirklichen Umfang der Judenverfolgung zu gewinnen, war jedoch außerordentlich schwierig. 1943 versuchte das Regime mit unmissverstĂ€ndlichen Formulierungen zur Vernichtung der Juden, die von ihm gesteuerte Öffentlichkeit neu auszurichten und der Bevölkerung zu vermitteln, dass sie im Falle einer Niederlage fĂŒr die Verbrechen des Regimes als Mitwisser zur Rechenschaft gezogen wĂŒrden. In dieser von Angst geprĂ€gten AtmosphĂ€re war die Bevölkerung offenbar unwillig, sich mit den Details der „Judenfrage“ zu befassen. Peter Longerich spricht von einer „breite[n] Grauzone, gekennzeichnet durch GerĂŒchte und Halbwahrheiten, Imagination, verordnete und selbst auferlegte KommunikationsbeschrĂ€nkungen, Nicht-Wissen-wollen und Nicht-Begreifen-Können.“cite-ref-155[155] Meinungsumfragen zwischen 1961 und 1998 ergaben konsistent, dass 32 bis 40 Prozent der Bevölkerung angaben, sie hĂ€tten vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs Informationen ĂŒber den Mord an den Juden gehabt.cite-ref-156[156]

Alliierte

Seit 1933 kritisierten auslĂ€ndische Staaten die nationalsozialistische Innenpolitik, besonders die Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten. Die Einwanderungsquoten fĂŒr die jĂŒdischen FlĂŒchtlinge in die USA blieben jedoch unverĂ€ndert.cite-ref-157[157] Bei der von US-PrĂ€sident Roosevelt angestoßenen Konferenz von Évian im Juli 1938 war fast kein Teilnehmerstaat zur Aufnahme jĂŒdischer FlĂŒchtlinge oder Erhöhung seiner Einwanderungsquoten bereit.

Von der systematischen Ausrottungspolitik des NS-Regimes erfuhren die Alliierten seit 1941 durch entschlĂŒsselte Berichte der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD nach Berlin. Sie verurteilten diese Ă€ußerst scharf und begrĂŒndeten damit auch ihre Kriegsstrategie. Im Sommer 1942 erhielten die Regierungen der USA und Großbritanniens erstmals Kenntnis davon, dass der Massenmord mittlerweile in industriellem Maßstab mit Hilfe von Giftgas betrieben wurde. Über Gerhart Riegner, den BĂŒroleiter des JĂŒdischen Weltkongresses (JWK) in Genf, der von dem deutschen Industriellen Eduard Schulte informiert worden war, gelangte die Nachricht im August ans US-Außenministerium und an den GrĂŒnder des JWK, Rabbi Stephen Wise in New York. Dieser wiederum sprach am 8. Dezember mit PrĂ€sident Roosevelt und bat ihn, eine offizielle Warnung an die deutsche Regierung auszusprechen.cite-ref-158[158] Daraufhin gaben die USA, Großbritannien und zehn weitere Regierungen am 17. Dezember 1942 die Interalliierte ErklĂ€rung zur Vernichtung der Juden ab, in der sie dem NS-Regime zu verstehen gaben, dass „die Verantwortlichen einer Vergeltung nicht entgehen“ wĂŒrden. Gezielte Maßnahmen, um den Holocaust zu beenden oder aufzuhalten, ergriffen sie aber nicht. Ihre KriegsfĂŒhrung konzentrierte sich ganz auf die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands. Daran Ă€nderten auch weitere Informationen seitens der polnischen Untergrundarmee nichts, obwohl die Berichte von Offizieren wie Jan Karski und Witold Pilecki den Wahrheitsgehalt des zunĂ€chst als unglaubwĂŒrdig eingestuften Riegner-Telegramms bestĂ€tigten.

Als die ersten Medienberichte ĂŒber die Massenvernichtung, wie etwa ein von Szmul Zygielbojm verfasster Artikel im Daily Telegraph ĂŒber Vergasungen von Juden veröffentlicht wurden,cite-ref-159[159] versuchte das US-Außenministerium, deren Publikation zu unterbinden. Auf Druck der öffentlichen Meinung trafen sich im April 1943 auf der Bermuda-Konferenz Vertreter der USA und des Vereinigten Königreichs, um Hilfsmöglichkeiten fĂŒr FlĂŒchtlinge zu erörtern. Wie die Vorkriegskonferenz von Évian verlief auch sie ergebnislos. Erst nach Intervention des Finanzministers Henry Morgenthau kĂŒndigte Roosevelt am 22. Januar 1944 die Einsetzung des War Refugee Board an. Dieses Gremium trug zur Rettung hunderttausender Juden bei.

Die britische Regierung behinderte und unterließ in einzelnen FĂ€llen mögliche Hilfeleistungen. Als im Dezember 1942 einige britische Abgeordnete verlangten, jĂŒdischen FlĂŒchtlingen mĂŒsse sichere Zuflucht versprochen werden, lehnte der britische Außenminister dies mit der BegrĂŒndung ab, es gebe „Sicherheitsbedenken“ und „geografische Probleme“. Anfang 1943 wurde bekannt, dass man gegen Hinterlegung einer gewissen Summe in der Schweiz 70.000 rumĂ€nische Juden hĂ€tte retten können. Die Regierung hatte den Plan jedoch blockiert, da sie eine SchwĂ€chung der eigenen und eine StĂ€rkung der deutschen Position befĂŒrchtete.

Die sowjetischen Behörden lieferten deutsche Juden – darunter viele Kommunisten, die in der Sowjetunion Zuflucht gesucht hatten – nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes im August 1939 den Nationalsozialisten aus. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 blieb die besondere GefĂ€hrdung der sowjetischen Juden unberĂŒcksichtigt. Die sowjetische Berichterstattung verschwieg die deutsche Ausrottungspolitik. SchĂ€tzungen zufolge waren 20.000 bis 30.000 Juden in den Partisanengruppen in ganz Europa aktiv. Im von Deutschland besetzten Polen und der Sowjetunion flohen Tausende in die SĂŒmpfe oder WĂ€lder und schlossen sich den Partisanen an, obwohl nicht alle Partisanengruppen Juden willkommen hießen.

Widerstand und Rettungsversuche

Siehe auch

:

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Juden

Am 31. Dezember 1941 rief Abba Kovner die Juden in aller Welt mit einem Flugblatt zum Widerstand auf und kritisierte, die Opfer ließen sich „wie Schafe zur Schlachtbank“ fĂŒhren.cite-ref-160[160]cite-ref-161[161] Damit entstand das hartnĂ€ckige Klischee vom widerstandslosen Verhalten aller Opfer. Erst seit den 1980er Jahren hat die Forschung dieses Bild differenziert und korrigiert.

Nur wenige Juden ahnten das Ausmaß des Geschehens. Viele hielten Informationen ĂŒber Massenvernichtungslager, die um 1942/43 zunehmend in den Ghettos Polens, Litauens und Weißrusslands kursierten, nur fĂŒr GerĂŒchte. Ein Ausrottungsplan gegen alle Juden schien den meisten anfangs schon wegen der Dimension unglaubhaft. Viele glaubten, wenigstens als Sklavenarbeiter ĂŒberleben zu können, bis die Deutschen besiegt seien.

Ein Gegenbeispiel und ein Anstoß fĂŒr den jĂŒdischen Widerstand insgesamt war der Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai 1943. Diesen organisierte die jĂŒdische Kampforganisation „ZOB“, als die Nationalsozialisten das Ghetto gĂ€nzlich auflösen und alle noch ĂŒbrigen Juden in die Vernichtungslager, vor allem nach Treblinka, deportieren wollten. Kuriere hatten unter Lebensgefahr Waffen in das abgeriegelte jĂŒdische Ghetto geschmuggelt. Damit konnte die Untergrundorganisation den eindringenden RĂ€umkommandos der SS anfangs hohe Verluste beibringen und sie in die Flucht schlagen. Als die SS mit Panzern und ArtilleriegeschĂŒtzen zurĂŒckkehrte, hielten sich die jĂŒdischen Widerstandsgruppen trotz der Übermacht noch in einem etwa vierwöchigen HĂ€userkampf. Zuletzt mussten sie aufgeben und wurden meist erschossen. Nur wenige Beteiligte konnten sich durch AbwasserkanĂ€le retten.

Auch in anderen jĂŒdischen Ghettos bildeten sich Widerstandsgruppen, die Ghettobewohnern zur Flucht verhalfen und einzelne Revolten begannen, etwa in BiaƂystok und Vilnius. Ferner gab es in manchen Lagern AufstĂ€nde jĂŒdischer HĂ€ftlinge, so den Aufstand von Treblinka von etwa 400 HĂ€ftlingen am 2. August 1943, der zu einer Massenflucht jĂŒdischer Lagerinsassen fĂŒhrte und das Lager zerstören sollte. Am 14. Oktober 1943 fĂŒhrten sowjetisch-jĂŒdische Kriegsgefangene den Aufstand von SobibĂłr in Ostpolen an. Die Beteiligten töteten neun Angehörige der Wachmannschaften, was einen Massenaufstand der HĂ€ftlinge bewirkte. 65 jĂŒdischen Gefangenen gelang die Flucht. Ende 1943 gaben die Nationalsozialisten das Lager auf.

Im KZ Auschwitz-Birkenau gab es etwa 700 Fluchtversuche, davon etwa 300 erfolgreiche. Am 7. Oktober 1944 erfolgte dort ein Aufstand des jĂŒdischen Sonderkommandos, das an den Verbrennungsöfen fĂŒr die vergasten Leichen eingesetzt war. Mit von Frauen eingeschmuggeltem Sprengstoff wurde ein Teil des Krematoriums IV zerstört. 250 Gefangene versuchten zu flĂŒchten, wurden aber bald gefasst und umgebracht.

Europaweit waren tausende untergetauchte Juden am Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer beteiligt, besonders in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, den Balkanstaaten, der Sowjetunion und Griechenland. In Osteuropa, besonders im katholisch geprĂ€gten Polen, konnten sich aus KZs und Ghettos entkommene Juden nur selten bestehenden Partisanengruppen anschließen, da dort auch manche NS-Gegner Antisemiten waren. Darum bildeten sich dort eigene jĂŒdische Partisaneneinheiten, die trotz ihrer anfĂ€nglichen Unerfahrenheit bald als besonders entschlossene und motivierte KĂ€mpfer gegen die Deutschen galten. Die vorrĂŒckende Rote Armee versorgte sie daraufhin teilweise bevorzugt mit Waffen, besonders fĂŒr den „Schienenkrieg“ mit AnschlĂ€gen und Sabotageaktionen gegen Eisenbahntransporte der Wehrmacht an die Ostfront. JĂŒdische WiderstandskĂ€mpfer stĂŒrmten bei der „Operation Torch“ die als uneinnehmbar geltende Festung Algier von innen und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag fĂŒr die Landung der Alliierten und deren anschließenden erfolgreichen Feldzug gegen die deutsche Wehrmacht in Nordafrika.

Viele Juden, die in den 1930er Jahren und zum Kriegsbeginn ins sichere Ausland emigrieren konnten, schlossen sich dort den Truppen der Alliierten an. „Hunderttausenden Juden gelang es, in das Innere der Sowjetunion zu fliehen.“cite-ref-162[162] Von den Juden, die unter der nationalsozialistischen Besatzung verblieben, wurden etwa 1,5 Millionen zu Opfern des Massenmordes. In vielen Armeen gab es eigene jĂŒdische Einheiten, etwa die JĂŒdische Brigade in der British Army. 10.000 deutschsprachige Juden kĂ€mpften dort, ca. 9500 in den US-StreitkrĂ€ften. 350.000 bis 500.000 Juden kĂ€mpften in verschiedenen, oft leitenden Positionen in der Roten Armee im Deutsch-Sowjetischen Krieg, darunter auch viele Frauen.cite-ref-163[163]cite-ref-164[164] Damit war jeder 4. Soldat der Roten Armee jĂŒdischen Hintergrunds. Ihre Zeitschrift herausgegeben vom „jĂŒdischen antifaschistischen Komitee“ schrieb, auf jiddisch, der Krieg sei Far zayn foterland un zayn yidishn folk.cite-ref-165[165] Gegen Ende des Krieges wurde die jĂŒdische Fluchthilfe-Bewegung Beriha (hebrĂ€isch „Flucht“) gegrĂŒndet, mit deren Hilfe zwischen 1944 und 1948 etwa 250.000 Juden aus osteuropĂ€ischen LĂ€ndern flĂŒchten konnten. Nach dem Krieg dienten emigrierte deutsche Juden den Alliierten oft als Übersetzer im besetzten Deutschland. Man schĂ€tzt, dass europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulĂ€ren militĂ€rischen Kampf und am Partisanenkampf gegen die NS-Herrschaft beteiligt waren.

Die zionistische Gruppe Chug Chaluzi versuchte in Berlin, Fluchtwege ins Ausland zu finden oder das Leben jĂŒdischer Menschen in der IllegalitĂ€t zu organisieren, indem sie Lebensmittelkarten, gefĂ€lschte Ausweispapiere und Geld beschaffte und verteilte.

NichtjĂŒdische Deutsche

→

Hauptartikel

:

Judenretter

und

Gerechter unter den Völkern

Vereinzelt setzten sich auch nichtjĂŒdische Deutsche gegen den geplanten und laufenden Genozid an den Juden zur Wehr. Solche Rettungstaten waren mit stĂ€ndiger Lebensgefahr verbunden und selten.

Der deutsche Industrielle Oskar Schindler bewahrte im Deutschen Reich 1200 jĂŒdische Zwangsarbeiter vor der Vernichtung, indem er sie bis Kriegsende als kriegswichtig fĂŒr seinen Betrieb deklarierte und fĂŒr ihren Unterhalt persönlich aufkam.

Auch die als Rote Kapelle bezeichnete Berliner Gruppe versteckte Juden und verhalf ihnen zu falschen PĂ€ssen, mit denen sie ausreisen konnten. Das BĂŒro GrĂŒber der Bekennenden Kirche half seit 1938 Christen jĂŒdischer Herkunft, aber auch Juden zur Ausreise. Eine Ă€hnliche Anlaufstelle gab es auch auf katholischer Seite.

Am 27. Februar 1943 versammelten sich die Ehepartner und Angehörigen von „Mischjuden“, die als Zwangsarbeiter in Berliner RĂŒstungsbetrieben beschĂ€ftigt waren und nun deportiert werden sollten, vor dem Gestapohauptquartier in der Berliner Rosenstraße. Dies war die einzige öffentliche Protestdemonstration wĂ€hrend des Krieges gegen eine Deportation, die zudem erfolgreich war: Die inhaftierten Personen wurden freigelassen.cite-ref-166[166]

Das Untertauchen von jĂŒdischen Bewohnern wĂ€hrend der NS-Zeit zur Rettung vor der Deportation fĂŒhrte zu der Redewendung „als U-Boot leben“. Zum Teil wurde von den betreffenden Personen versucht, dieses Verschwinden durch einen vorgetĂ€uschten Selbstmord oder die AnkĂŒndigung einer Reise plausibel zu machen. Das Verschwinden aus der Einwohnerliste konnte fĂŒr die als U-Boot bezeichnete Person und fĂŒr ihre Helfer schwerwiegende Folgen haben.

Im Falle der Entdeckung wurde die Person ohne gĂŒltige Aufenthaltsgenehmigung verhaftet. Allerdings konnte sie nicht mit einem gerichtlichen Verfahren rechnen, sondern wurde dadurch in aller Regel zum HĂ€ftling in einem Konzentrationslager. Davor kam jedoch eine Zeit der Vernehmungen und Folter durch die Gestapo, die auf diese Weise weitere „U-Boote“ suchte. Sollte die Verbindung zu weiteren Helfern bekannt werden, waren auch diese massiv gefĂ€hrdet. Die rechtlichen oder faktischen Bedrohungen konnten sich nach Reichsgebiet oder Besatzungsstatut und nach Position der jeweiligen Person zur Besatzungsmacht, der Polizei bzw. den NSDAP-Stellen unterscheiden.

Es gab in Deutschland relativ viele lokale verdeckte Netzwerke von Helfern, die Menschen in Not (FlĂŒchtlingen, vor allem Juden) halfen. Oftmals hatten die FlĂŒchtlinge Adressen von Menschen bei sich, die sie zwar nicht kannten, von denen sie aber durch andere wussten, dass sie ihnen auf ihrer Flucht weiterhelfen wĂŒrden. Oft bekamen die FlĂŒchtlinge dann von diesen Helfern eine weitere Adresse als neuen Anlaufpunkt auf ihrem Weg. Es waren in aller Regel Privatleute, die aus ihrem Gewissen heraus Menschen auf der Flucht versteckten oder anderweitig weiterhalfen und keine RĂŒcksicht darauf nahmen, dass sie und ihre Familie, wĂŒrden sie entdeckt, Schlimmes zu erwarten hĂ€tten. Solche Netzwerke sind zum einen Teil aus den verfolgten politischen Parteien und Organisationen heraus entstanden, zum anderen aus christlichen Gruppierungen heraus. Vielfach handelten Menschen deshalb zugunsten dieser Flucht-Netzwerke, weil Angehörige durch die NSDAP oder Gestapo-Stellen bereits zu Tode gekommen waren und sie deshalb möglicherweise ihr eigenes Leben gering schĂ€tzten oder auch aus einem tiefen, innerem Humanismus heraus, den die inzwischen Jahre dauernde Propaganda der Nationalsozialisten nicht erschĂŒttert hatte: Tiefgreifendere wissenschaftliche Untersuchungen sind dazu noch erforderlich.

Das Untertauchen einer Person in einem von Kriegswirtschaft geprĂ€gten Land war schwierig. Lebensmittel waren nicht auf dem freien Markt erhĂ€ltlich, sondern nur gegen Abschnitte von Lebensmittelkarten, die eine Bezugsberechtigung und deren ÜberprĂŒfung voraussetzten. Das MitsichfĂŒhren von GepĂ€ck konnte bei Kontrollen sofort Verdacht auslösen. Der lĂ€nger als ĂŒbliche Aufenthalt in einer GaststĂ€tte, Bibliothek oder einem Kino konnte Nachfragen zur IdentitĂ€t auslösen. Die Gestapo versuchte, Spitzel in Netzwerke einzuschleusen – ein bekanntes Beispiel hierfĂŒr ist Stella Goldschlag.

Besetzte oder verbĂŒndete Staaten

Eine kleine Anzahl von Juden wurde gerettet, weil die Regierungen ihrer HeimatlÀnder der Forderung des Deutschen Reichs zu ihrer Auslieferung nicht nachgaben.

Finnland, seit 1941 Deutschlands VerbĂŒndeter im Krieg gegen die Sowjetunion, lieferte seine Juden grĂ¶ĂŸtenteils nicht aus. Als Himmler dies im Sommer 1942 anlĂ€sslich seines Besuchs bei MinisterprĂ€sident Rangell verlangte, soll dieser geantwortet haben, Finnlands Juden seien BĂŒrger wie alle anderen und dienten auch als Soldaten im Krieg gegen die Sowjetunion. Diese Praxis wurde aber schon ab Dezember 1942 eingestellt, nachdem Zeitungen und einige Politiker dagegen protestiert hatten. Zwar wurde jĂŒdischen FlĂŒchtlingen zeitweise die Einreise nach Finnland verweigert; aber die etwa 1.800 finnischen Juden entgingen dem Zugriff der Deutschen. Einige auslĂ€ndische Juden wurden dennoch ausgeliefert, weil sie Kommunisten waren. Neuere Forschungen ergaben, dass Finnland von 1941 bis 1944 insgesamt 129 FlĂŒchtlinge an das Deutsche Reich auslieferte, dazu ĂŒber 2800 sowjetische Kriegsgefangene, von denen 78 Juden waren.

In DĂ€nemark ergriff König Christian X. Partei fĂŒr die Juden, als die deutschen Besatzungsbehörden auch sie zum Tragen des Judensterns zwingen wollten. Der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz warnte den dĂ€nischen Widerstand vor drohenden Razzien der SS. Die Rettung der meisten dĂ€nischen Juden erfolgte im September und Oktober 1943, als es unter Mithilfe großer Teile der Bevölkerung gelang, rund 6.000 von ihnen in das aufnahmebereite neutrale Schweden zu schleusen. Auf diplomatischen Druck der dĂ€nischen Regierung gab Adolf Eichmann ihr am 2. November 1943 die lebensrettende Zusage, dass die wenigen aus DĂ€nemark deportierten Juden nicht aus Theresienstadt in die Vernichtungslager weiter transportiert werden sollten.cite-ref-167[167]

Das Königreich Italien internierte Juden zwar in Konzentrationslagern wie Porto Re und Rab, aber es schĂŒtzte die eigenen und teilweise auch fremde StaatsbĂŒrger jĂŒdischen Glaubens in seinem Machtbereich vor Deportation und Vernichtung. Das Land galt als hĂ€rteste „Zuflucht auf Widerruf“ fĂŒr Juden aus dem Reichsgebiet.cite-ref-168[168] Die jĂŒdische Delegazione per l'Assistenza degli Emigranti Ebrei (DELASEM) unterstĂŒtzt zunĂ€chst auslĂ€ndische und italienische Juden in den Internierungslagern und bei der Ausreise in sichere LĂ€nder. Nach der deutschen Besetzung der NordhĂ€lfte Italiens im September 1943 musste sie in den Untergrund gehen und versorgte die Verfolgten mit Hilfe von Priestern, Partisanen und Polizisten mit gefĂ€lschten Papieren, Geld und Unterkunftsmöglichkeiten.cite-ref-169[169]

Die Haltung des Vatikans und der katholischen Kirche zum Holocaust, speziell die von Papst Pius XII., ist bis heute umstritten, zumal die Akten des Apostolischen Archivs aus der NS-Zeit erst 2020 freigegeben wurden und noch nicht vollstĂ€ndig ausgewertet sind. Kritiker werfen Pius XII., der vor seinem Pontifikat apostolischer Nuntius in Deutschland war, eine zu wohlwollende Einstellung gegenĂŒber den AchsenmĂ€chten und GleichgĂŒltigkeit gegenĂŒber dem Schicksal der Juden vor. Andere, insbesondere katholische Historiker weisen auf den begrenzten Handlungsspielraum des Papstes mitten in dem von italienischen Faschisten und deutschen Besatzern beherrschten Rom hin. Sie gestehen dem Papst zu, zumindest in der Endphase des Krieges viele Juden gerettet zu haben, indem er SchutzhĂ€user in Rom öffnen und die Aufhebung der Klausur in Klöstern und Konventen erlaubte, was die Aufnahme verfolgter Juden ermöglichte.cite-ref-170[170] Unstrittig ist, dass einzelne Geistliche, WĂŒrdentrĂ€ger, Klöster und Konvente die Juden uneigennĂŒtzig unterstĂŒtzten.cite-ref-171[171] Beispielsweise rettete der apostolische Nuntius in der TĂŒrkei, Angelo Roncalli, der spĂ€tere Papst Johannes XXIII. mit der Operation Taufe zehntausende ungarischer Juden.cite-ref-172[172]

Auch das Beispiel Bulgariens – ebenfalls ein VerbĂŒndeter Deutschlands – beweist, dass ein entschiedener Widerstand die deutschen PlĂ€ne erfolgreich durchkreuzen konnte. Dank der festen Haltung von Regierung und Bevölkerung wurden etwa 50.000 bulgarische Juden gerettet.

Anders als in Westeuropa, drohte in Polen all jenen, die Juden halfen, nicht nur die Todesstrafe fĂŒr sich selbst, sondern regelmĂ€ĂŸig auch fĂŒr ihre Familie oder ihr ganzes Dorf. Neben Personen, die, mitunter um selbst zu ĂŒberleben, Juden auslieferten, gab es dennoch einige Gruppierungen wie die Ć»egota, die Juden unterstĂŒtzten. Mehr als eine halbe Million polnischer Juden ĂŒberlebten den Holocaust, viele dank nicht-jĂŒdischer Helfer. Viele Polen waren entsetzt ĂŒber die Ermordung jĂŒdischer Kinder und versteckten sie zum Beispiel auf dem Land, bei den Partisanen oder in katholischen Klöstern. Daher sind mehr als ein Drittel der in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichneten Personen polnische Nicht-Juden.

Schweiz

Die von den AchsenmĂ€chten umschlossene neutrale Schweiz lieferte keine Juden mit Schweizer BĂŒrgerrecht aus. WĂ€hrend des Krieges nahm sie zigtausende von FlĂŒchtlingen, darunter auch viele Juden, legal auf, viele weitere schafften den GrenzĂŒbertritt illegal und wurden von den Behörden (geduldet) oder von Privaten (illegal) im Land behalten. Insgesamt ĂŒberlebten in der Schweiz 275.000 FlĂŒchtlinge – davon 26.000 aus dem Ausland in die Schweiz geflĂŒchtete Juden. Es wurde aber auch eine große unbekannte Anzahl von FlĂŒchtlingen an der Grenze zurĂŒckgewiesen oder illegal Eingereiste den Nationalsozialisten ĂŒbergeben.

Die Schweiz wurde von Deutschland mehrfach aufgefordert, keine weiteren Juden aufzunehmen und geflĂŒchtete Juden auszuliefern. Zumindest letzterer Forderung wurde nicht entsprochen. Die Schweiz versuchte wĂ€hrend des Krieges, zwischen ihren humanitĂ€ren GrundsĂ€tzen (Aufnahme von FlĂŒchtlingen) und militĂ€rischen Selbstschutz-Interessen (Geringhalten von Invasionsabsichten seitens der Nationalsozialisten) die Balance zu finden.

Befreiung der Lager durch Alliierte

Entsprechend dem Fortschritt der alliierten Angriffe gegen die Hitler-Koalition wurden Überlebende in den Lagern zu sehr verschiedenen Zeitpunkten befreit. Als Beispiele werden hier jeweils KZ genannt, die von einem der Alliierten als erste in seinem Frontabschnitt erreicht wurden.

1944

‱ 23. Juli: Die Rote Armee befreite das KZ Majdanek als erstes der großen KZ bzw. Vernichtungslager im von Deutschland besetzen Polen.
‱ Im August 1944 konnten auch westliche Journalisten erstmals aus dem KZ Majdanek berichten (Titelgeschichten des Life-Magazin am 28. August und in der New York Times am 30. August 1944).

1945

Im Osten:

‱ 27. Januar: Das KZ Auschwitz-Monowitz wurde am Vormittag, das Stammlager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am frĂŒhen Nachmittag durch die Soldaten der sowjetischen 322. Division befreit.cite-ref-173[173]

Im Westen:

‱ 11. April: Um 14:30 Uhr erreichte die 6. Panzerdivision der 3. US-Armee das Konzentrationslager Buchenwald.
‱ 12. April: Das KZ Westerbork in den Niederlanden wurde von kanadischen Soldaten befreit.
‱ 15. April: Das KZ Bergen-Belsen wurde durch die Wehrmacht an britische Truppen ĂŒbergeben.
‱ 29. April: Die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau fand durch US-Truppen statt, die bei ihrer Ankunft u. a. den Todeszug aus Buchenwald entdeckten. Dieses KZ bei MĂŒnchen war Ziel verschiedener Evakuierungs- und TodesmĂ€rsche gewesen, auf die HĂ€ftlinge geschickt wurden.
‱ Am 10. Mai konnten in Flensburg die letzten KZ-HĂ€ftlinge befreit werden.cite-ref-jerzy-neuengamme-174-0[174]

Die Alliierten Truppen konfrontierten in einigen FÀllen die Bevölkerung der umliegenden Orte mit den Taten in Konzentrationslagern, auch kam es zu Dokumentationsfilmen wie Nazi Concentration Camps (1945).

Versorgung der Überlebenden, RĂŒckfĂŒhrung und Auswanderung

Fast ĂŒberall in den befreiten Lagern entstanden HĂ€ftlingsvereinigungen, die dort zunĂ€chst wichtige soziale (Überlebens-)Funktionen fĂŒr die Mitgefangenen ausĂŒbten.

Die HolocaustĂŒberlebenden stellten unter den NS-Opfergruppen die am schlimmsten beeintrĂ€chtigte Gruppe dar, und ein großer Teil davon konnte oder wollte nicht mehr in seine UrsprungslĂ€nder (speziell in Ost- und SĂŒdosteuropa) zurĂŒckkehren. Die West-Alliierten waren schlecht auf diese Opfergruppe vorbereitet, und der Harrison-Report legte das schon im August 1945 offen. Er fĂŒhrte dazu, dass die United Nations Relief and Rehabilitation Administration, das Intergovernmental Committee on Refugees (Evian-Komitee) und mit deren sukzessiver Auflösung ab 1946 die Nachfolgeorganisation International Refugee Organisation zusammen mit jĂŒdischen Hilfsorganisationen eine zielgerichtetere Hilfe organisierten.cite-ref-175[175]cite-ref-176[176] Die ĂŒberlebenden Juden versuchten teilweise im Rahmen von Bricha (Flucht aus Ost- und SĂŒdosteuropa) und Alija Bet (illegale Einwanderung ins Mandatsgebiet) illegal nach PalĂ€stina oder teils in die westalliierten Besatzungszonen zu gelangen. Die USA stellten nur wenige Einreisevisen aus, und das Vereinigte Königreich verhinderte die Einreise ins Mandatsgebiet PalĂ€stina, um das ZahlenverhĂ€ltnis zwischen Juden und Arabern nicht zu verĂ€ndern. Um die FlĂŒchtlingskrise zu lösen, wurde 1946 das Anglo-Amerikanische Untersuchungskomitee geschaffen, und die UN-Generalversammlung verabschiedete 1947 den UN-Teilungsplan fĂŒr PalĂ€stina. Mit dem Abzug der Briten aus PalĂ€stina 1948 erfolgte die StaatsgrĂŒndung Israels. Überlebende konnten von da an legal nach Israel einwandern.cite-ref-177[177] Das Lager Föhrenwald diente am lĂ€ngsten (bis 1957) als Lager fĂŒr jĂŒdische Displaced Persons in der Bundesrepublik Deutschland.

Folgen

Traumatisierung der Überlebenden

Viele Überlebende der Vernichtungslager und Menschen, die sich der drohenden Ermordung durch Flucht oder andere UmstĂ€nde entziehen konnten, litten und leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Der Psychiater und Psychoanalytiker William Niederland prĂ€gte dafĂŒr in den 1960er Jahren den Begriff vom Überlebenden-Syndrom. Einigen Holocaust-Überlebenden war und ist es zum Teil bis heute nicht möglich, ĂŒber ihre Erfahrungen in den Todeslagern zu sprechen, andere berichteten und berichten als Zeitzeugen in den Auschwitzprozessen. Traumafolgen sind im Rahmen der transgenerationalen Weitergabe bis in die zweite und dritte Generation bekannt, können also Enkel und Urenkel der Überlebenden betreffen.cite-ref-178[178]cite-ref-179[179]

Siehe auch

:

Holocaust-Nachfolgegeneration

Juristische Aufarbeitung

→

Hauptartikel

:

NS-Prozesse

und

Kriegsverbrecherprozess

Das erste öffentliche Gerichtsverfahren zur Bestrafung nationalsozialistischer Verbrechen, der Kriegsverbrecherprozess von Krasnodar, fand noch wĂ€hrend des Krieges statt, im Juli 1943. Die propagandistische, sowjetische Berichterstattung darĂŒber verschwieg, jedoch, dass sich unter den Opfern der verhandelten Verbrechen im Umfeld des Sonderkommandos 10a viele Juden befunden hatten.cite-ref-180[180]

Das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen kam erst ans Licht der Weltöffentlichkeit, als alliierte Truppen die Gebiete befreiten, in denen sich die Konzentrations- und Vernichtungslager befunden hatten. Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 vereinbarten die Alliierten neben der Entmilitarisierung auch die durchgehende „Entnazifizierung“ Deutschlands fĂŒr die Zeit nach ihrem Sieg. Auf der Potsdamer Konferenz Ende Juli 1945 bekrĂ€ftigten sie diesen Beschluss, der auch die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen einschloss.

Die ersten Verfahren in Deutschland waren die von den alliierten MĂ€chten angestrengten NĂŒrnberger Prozesse, die zwischen 1945 und 1949 stattfanden. Im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, der am 20. November 1945 begann, wurde der Völkermord an den Juden unter Anklagepunkt 4, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, verhandelt und nahm breiten Raum eincite-ref-181[181]. So wurden im Gerichtssaal u. a. Dokumentaraufnahmen als Beweismittel fĂŒr die in Auschwitz, Majdanek und anderen Konzentrationslagern begangenen Verbrechen gezeigt.

Im Nachfolgeprozess zu den Einsatzgruppen blieb der Tatbestand des Völkermordes an den Juden aus prozessökonomischen GrĂŒnden unterbelichtet, um unter dem Anklagepunkt Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine extrem hohe Verurteilungsquote erreichen zu können. Nicht fĂŒr jede Tat und jeden Beschuldigten musste dadurch nachgewiesen werden, dass sie Teil eines grĂ¶ĂŸeren gemeinschaftlichen Verbrechens waren.cite-ref-182[182] Ohlendorfs Aussagen, es hĂ€tte einen Befehl Hitlers gegeben, passte in die Strategien der Anklage (Rassenverfolgung der Juden) und der Verteidigung (Handeln auf Befehl), wurde daher vor Gericht kaum hinterfragt und trug in zentraler Weise zur Etablierung des intentionalistischen Narrativs vom Holocaust bei.cite-ref-183[183]

Als erstes Land nahm 1946 Polen den Tatbestand des Genozids in sein Strafrecht auf, den der Jurist Raphael Lemkin im Auftrag der UNO definiert und kodifiziert hatte. Basierend auf diesem Konzept, befasste sich das Oberste Nationale Tribunal Polens im Prozess gegen Amon Göth erstmals mit dem physischen Völkermord an den polnischen Juden als eigenstÀndiger Opfergruppe.cite-ref-184[184]

Nach der GrĂŒndung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1949 ging die Strafverfolgung in deren ZustĂ€ndigkeit ĂŒber. Sie kam in der Bundesrepublik aber infolge des Kalten Krieges bald zum Erliegen. Auch die Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen erfolgte nur zögerlich, ebenso wie die Deutsche Wiedergutmachungspolitik etwa zur EntschĂ€digung von enteigneten Juden. Die schleppende Strafverfolgung durch die bundesdeutsche Justiz wird oft mit mangelndem Interesse der Bevölkerung und dem Einfluss ehemaliger NSDAP-Mitglieder in Staat und Verwaltung erklĂ€rt. Die Initiative zur AufspĂŒrung von HolocausttĂ€tern wurde hĂ€ufig Privatleuten wie Simon Wiesenthal und Beate Klarsfeld ĂŒberlassen.

In der DDR fanden einige Schauprozesse gegen untergeordnete FunktionstrĂ€ger des NS-Regimes statt, in denen es weniger um deren individuelle Verantwortung als um Schuldzuweisungen an die westdeutsche Seite ging. Ehemalige NSDAP-Mitglieder konnten in der DDR Karriere machen, solange sie die fĂŒhrende Rolle der SED anerkannten. SĂ€mtliche Pflichten zur Wiedergutmachung betrachtete die DDR-FĂŒhrung mit den Reparationsleistungen an die Sowjetunion als erledigt an.

Erst durch den Ulmer Einsatzgruppen-Prozess kam es zu einer breiten öffentlichen Debatte zur mangelhaften Strafverfolgung aller NS-Verbrechen und 1958 wurde die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur AufklĂ€rung nationalsozialistischer Verbrechen gegrĂŒndet. Die westdeutsche Justiz fĂŒhrte daraufhin einige bedeutende Verfahren zum Holocaust: Erster Frankfurter Ausschwitzprozess, Verfahren gegen Hermann Krumey, Otto Hunsche, zum Massaker von Babyn Jar, Majdanek und weitere. Da das deutsche Strafrecht von 1871 bei der Beteiligung an einer Straftat zwischen TĂ€terschaft und Beihilfe unterscheidet, wurden nur wenige (Exzess-)TĂ€ter wegen Mordes verurteilt. Der Großteil der Angeklagten erhielt von Gerichten, die mit vielen in der NS-Zeit verstrickten Juristen besetzt waren, nur schockierend milde Strafen wegen Beihilfe zum Mord. Das tote Triumvirat Hitler, Himmler und Goebbels sowie einige ExtremtĂ€ter, die die Normen des NS-Unrechtsstaates aus eigener Motivation ĂŒberschritten, standen im Vordergrund der Verfahren. Die Juristen und SchreibtischtĂ€ter, die den Holocaust geplant hatten, entschuldigten sich damit, nur Befehle befolgt zu haben.cite-ref-185[185]

Der von Fritz Bauer initiierte erste Auschwitzprozess in Frankfurt behandelte groß angelegt erstmals die Geschichte des grĂ¶ĂŸten deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagers und war eine Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung des Holocausts. Er offenbarte die organisatorische und ideologischen Grundlagen der antijĂŒdischen Politik.cite-ref-186[186] Aber durch die – auch mediale – Konzentration auf die Taten einiger Exzess-TĂ€ter, die die Nazi-Regeln ĂŒberschritten hatten, blieben die sozialen und bĂŒrokratischen Bedingungen öffentlich wenig beachtet. Die deutschen Richter und Journalisten wollten oder konnten die zentrale Bedeutung der Judenverfolgung noch nicht erkennen.cite-ref-187[187]

Die Zeugenberichte und das große Medienecho auf diese Prozesse machten die NS-Verbrechen vielen Deutschen bewusst, verstĂ€rkten aber auch öffentliche Forderungen nach einem „Schlussstrich“. Die Angeklagten in den Auschwitz-Prozessen ließen keine Reue erkennen und beriefen sich stets auf den sogenannten „Befehlsnotstand“. Ihre Verteidiger und ein Teil der Medien versuchten, die Gerichtsverfahren als „Schauprozesse“ zu diskreditieren.

Auch Adolf Eichmann, der Organisator der Deportationen in die Vernichtungslager, den der israelische Geheimdienst Mossad 1960 aus seinem Fluchtland Argentinien nach Israel entfĂŒhrt hatte, berief sich auf den angeblichen Befehlsnotstand. Ab 1961 fand in Jerusalem der international viel beachtete Eichmann-Prozess statt. 1962 wurde der Angeklagte zum Tod verurteilt und gehĂ€ngt. Die Prozessbeobachterin Hannah Arendt beschrieb die bĂŒrokratische GefĂŒhlskĂ€lte, die Eichmann zeigte, in ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem“ als „BanalitĂ€t des Bösen“ und beförderte damit die Diskussion ĂŒber die TĂ€termotive auch in der Bundesrepublik.

Das bundesdeutsche Strafgesetzbuch sah fĂŒr Taten, die mit lebenslĂ€nglicher Freiheitsstrafe geahndet wurden, also auch fĂŒr Mord, ursprĂŒnglich eine VerjĂ€hrungsfrist von 20 Jahren vor. Daher stellte sich in der Bundesrepublik 1965 die Frage nach dem weiteren Umgang mit den NS-Verbrechen. Der Deutsche Bundestag fasste nach einer ersten VerjĂ€hrungsdebatte zunĂ€chst den Beschluss, die Frist auf 1969 zu verschieben, indem er das GrĂŒndungsjahr der Bundesrepublik 1949 zugrunde legte. 1969 verlĂ€ngerte er die VerjĂ€hrungsfrist um 10 auf 30 Jahre und hob sie schließlich 1979 fĂŒr Mord und Völkermord gĂ€nzlich auf.

Fritz Bauer hatte im Auschwitzprozess dafĂŒr plĂ€diert, schon die TĂ€tigkeit in einem Vernichtungslager als Beihilfe zum Mord zu bewerten, ohne dass dem Angeklagten eine individuelle Tötungshandlung hĂ€tte nachgewiesen werden mĂŒssen. Dem folgten die bundesdeutschen Gerichte zunĂ€chst jedoch nicht, so dass in den Verfahren, die auf den Auschwitzprozess folgten, nur die unmittelbar ausfĂŒhrenden TĂ€ter belangt wurden, die meist untere RĂ€nge in der Befehlskette einnahmen. Die letzten grĂ¶ĂŸeren Verfahren gegen NS-TĂ€ter waren die Majdanek-Prozesse von 1975 bis 1981 vor dem Landgericht DĂŒsseldorf. Von ursprĂŒnglich 15 Angeklagten wurden acht verurteilt, sieben davon zu Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren, eine zu lebenslĂ€nglich. Das Urteil löste weltweite Proteste aus, weil es als zu milde empfunden wurde. Erst seit dem Urteil gegen John Demjanjuk im Jahr 2011 folgen deutsche Gerichte der Argumentation Bauers. Seither kam es zu einigen weiteren Verfahren gegen noch lebende SS-Mitglieder oder Bedienstete in den Lagern, zuletzt 2024 gegen die 99-jĂ€hrige Irmgard Furchner, die als Stenotypistin, im KZ Stutthof gearbeitet hatte.

In Österreich wurden Kriegsverbrechen der NS-Zeit kaum strafverfolgt. Nur 20 Personen wurden seit 1955 in Österreich verurteilt, 23 freigesprochen. Ein kritisches Memorandum Simon Wiesenthals zum Umgang österreichischer Behörden mit NS-Verbrechen blieb folgenlos.

EntschÀdigungen

Die alliierten MilitĂ€radministrationen fĂŒr das besetzte Deutschland und Österreich erließen – ebenso wie die spĂ€teren Regierungen der Bundesrepublik, der DDR und Österreichs – Regelungen, die alle Maßnahmen des Hitler-Regimes zur Entrechtung und Enteignung der Juden außer Kraft setzten. Eine vollstĂ€ndige EntschĂ€digung zumindest fĂŒr die materiellen Verluste der Betroffenen fand nicht statt. Zahlreiche Überlebende der Vernichtungslager und ihre gesetzlichen Erben mussten zum Teil ĂŒber Jahrzehnte vor deutschen und österreichischen Gerichten um die RĂŒckerstattung von Eigentum oder um EntschĂ€digungszahlungen klagen.

Die Regierung der DDR erklĂ€rte sich selbst als in einer antifaschistischen Tradition stehend. Sie wies bis kurz vor der Wende alle AnsprĂŒche zurĂŒck, die sich aus Handlungen des Deutschen Reichs ergeben konnten. Nach bundesdeutscher Auffassung hingegen ist die Bundesrepublik Rechtsnachfolgerin des Reichs. Dies fĂŒhrte bereits unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einer Wiedergutmachungspolitik, die zumindest ansatzweise eine kollektive EntschĂ€digung vorsah.

In Verhandlungen mit David Ben-Gurion einigte sich Adenauer auf UnterstĂŒtzungszahlungen fĂŒr den Staat Israel, der als Rechtsnachfolger der ermordeten Juden betrachtet wurde. Diese Zahlungen lagen nicht zuletzt im Interesse der Bundesrepublik, die geachtetes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft sein wollte. Die sogenannten Wiedergutmachungszahlungen werden von deutschen Rechtsextremisten bis heute abgelehnt. Sie stießen aber auch in Israel auf heftige Kritik („Blutgeld“).

Bis Ende 2010 erbrachte die Bundesrepublik nach Angaben des Bundesfinanzministeriums rund 68 Milliarden Euro an EntschĂ€digungen fĂŒr NS-Unrecht, darunter lebenslange Renten fĂŒr rund 29.000 Überlebende von nationalsozialistischer Verfolgung.cite-ref-188[188] Stand 2022 wurden mehr als 80 Milliarden Euro an jĂŒdische Opfer gezahlt.cite-ref-189[189]

Kirchliche Aufarbeitung

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Hauptartikel

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Kirchen und Judentum nach 1945

Erste ErklĂ€rungen in der EKD nach Kriegsende wie das Stuttgarter Schuldbekenntnis (Oktober 1945) und das DarmstĂ€dter Wort (1947) nannten den Holocaust, den Antisemitismus und Antijudaismus nicht, sondern sprachen von einer Mitschuld der Christen am Weltkrieg, an Aufstieg und Verbrechen des Nationalsozialismus. Bereits diese allgemeinen Aussagen lösten in Westdeutschland weithin öffentliche Empörung und heftigen Widerspruch aus und fanden wenig Zustimmung. In einem Wort zur Judenfrage (1948) deutete die EKD-Leitung das „jĂŒdische Schicksal“ sogar als Strafe Gottes zur Warnung fĂŒr Juden und als Mahnung an sie, Christen zu werden. Erst ab 1950 distanzierte sich die EKD von dieser Sicht und vom Antisemitismus. In den 1960er Jahren begann eine intensive Diskussion, die sich seit der Rheinischen SynodalerklĂ€rung von 1980 in zahlreichen landeskirchlichen Bekenntnissen zum „ungekĂŒndigten Bund“ Gottes mit dem Volk Israel und in VerfassungsĂ€nderungen der Landeskirchen niederschlug: Das Christsein sei ohne jĂŒdisches Leben selbst in Frage gestellt.

Inner- und außerhalb der katholischen Kirche ist das Verhalten von Papst Pius XII. wĂ€hrend des Holocaust bis heute umstritten. Er hatte sich einerseits fĂŒr die Rettung der römischen Juden eingesetzt, andererseits zum Holocaust geschwiegen, obwohl ihm die Tatsachen bekannt geworden waren. Die im MĂ€rz 2020 geöffneten Vatikanakten liefern neue, brisante Einblicke in das Handeln von Papst Pius XII. im Zweiten Weltkrieg. Kurz nach seiner Wahl im MĂ€rz 1939 fĂŒhrte er geheime GesprĂ€che mit Hitlers Gesandtem Philipp von Hessen, in denen er im Austausch fĂŒr sein Schweigen zu NS-Verbrechen Freiheiten fĂŒr die katholische Kirche in Deutschland forderte. Besonders heikel ist, dass die Dokumente offenbaren, wie Hitler VorwĂŒrfe des sexuellen Missbrauchs – oft in Verbindung mit Kindsmissbrauch – als Druckmittel einsetzte, um den Papst zu ZugestĂ€ndnissen zu bewegen.cite-ref-190[190]cite-ref-191[191]

Trotz zahlreicher Hilferufe verfolgter Juden blieb Pius XII. zunĂ€chst still, um die institutionelle Sicherheit der Kirche zu gewĂ€hrleisten. Erst als 1943 die SS in Rom einmarschierte, rettete er rund 4000 Juden durch Kirchenasyl, was die moralische Ambivalenz seines Handelns heute umso deutlicher erscheinen lĂ€sst. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld an Antijudaismus und Antisemitismus und mit der Verantwortung von Katholiken fĂŒr den Holocaust begann erst nach Pius’ Tod im Jahr 1958. Sein Nachfolger Johannes XXIII. sprach die Juden erstmals in der Geschichte des Papsttums als „BrĂŒder“ an. Das von ihm initiierte Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete 1965 die ErklĂ€rung Nostra aetate, die die Gottesmordtheorie zurĂŒckweist, die EigenstĂ€ndigkeit des Judentums anerkennt und die BekĂ€mpfung des Antisemitismus zur christlichen Pflicht erklĂ€rt.

Holocaustforschung

→

Hauptartikel

:

Holocaustforschung

Leugnung und Verharmlosung

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Hauptartikel

:

Holocaustleugnung

und

Geschichtsrevisionismus

Antisemiten und Geschichtsrevisionisten begannen unmittelbar nach Kriegsende, den Holocaust entweder zu leugnen oder zu relativieren, manchmal sogar ihn zu verherrlichen. Holocaustleugnung ist eine Grundtendenz im Rechtsextremismus, wird auch von Teilen der Neuen Rechten, des Islamismus und Antizionismus vertreten und hat sich zu einer international vernetzten Strömung entwickelt. Leugnung und Relativierung ordnet die Antisemitismusforschung als sekundÀren Antisemitismus ein.

Holocaustleugnung ist in der Bundesrepublik Deutschland nach § 130 Abs. 3 StGB als Volksverhetzung, nach § 189 StGB als Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener strafbar. Ähnliche Gesetze gegen Holocaustleugnung gelten auch in einigen anderen Staaten.

Mahnung und Erinnerung

Weltweit werden jĂ€hrlich verschiedene Holocaust-Gedenktage begangen, z. B. Mitte April in Israel als Nationalfeiertag der Jom haScho’a am 27. Nissan des jĂŒdischen Kalenders: Es heulen die Sirenen im ganzen Land, und die Nation steht fĂŒr eine Minute still.cite-ref-192[192] In Israel lebten am Holocaust-Gedenktag 2021 etwa 179.000 Holocaust-Überlebende.cite-ref-193[193]

Heute erinnern zahlreiche Mahnmale und Museen in der ganzen Welt an den Holocaust (siehe Liste der GedenkstĂ€tten fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus). Zudem leisten Initiativen und Organisationen auf unterschiedlichsten Ebenen und mit den unterschiedlichsten Mitteln ihren Beitrag zur Erinnerung und Aufarbeitung des Holocaust. Einige solche Initiativen der Versöhnungsarbeit sind zum Beispiel die Aktion SĂŒhnezeichen und die österreichischen Gedenkdienste.

Die bedeutendste HolocaustgedenkstĂ€tte ist Yad Vashem in Jerusalem, wo sich unter anderem die Allee der Gerechten unter den Völkern befindet. In Deutschland und den ehemals deutsch besetzten Gebieten sind vor allem die GedenkstĂ€tten auf den GelĂ€nden der ehemaligen Konzentrationslager von Bedeutung, insbesondere das polnische Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau. Bedeutende Einrichtungen sind etwa das Dokumentationszentrum des Bundes JĂŒdischer Verfolgter des Naziregimes in Wien, das US-Holocaust Memorial in Washington, D.C., das ungarische Dokumentationszentrum in Budapest, das JĂŒdische Museum in Berlin und das 2005 eingeweihte Denkmal fĂŒr die ermordeten Juden Europas in Berlin. Die Datenbank JewishGen eröffnet genealogische Einblicke. In vielen europĂ€ischen StĂ€dten gibt es zudem sogenannte Stolpersteine, welche an Opfer der Nationalsozialisten individuell erinnern.

Im Mai 2021 wurde in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) mit der Dauerausstellung „We Remember“ im Museum Crossroads of Civilisation die erste öffentliche Dokumentation zum Holocaust auf der Arabischen Halbinsel eröffnet.cite-ref-194[194]cite-ref-195[195]

In Deutschland ist seit 1996 der 27. Januar Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. „Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch russische Soldaten befreit. Auschwitz steht symbolhaft fĂŒr millionenfachen Mord – vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. Es steht fĂŒr BrutalitĂ€t und Unmenschlichkeit, fĂŒr Verfolgung und UnterdrĂŒckung, fĂŒr die in perverser Perfektion organisierte ‚Vernichtung‘ von Menschen.“cite-ref-196[196] Am 1. November 2005 erklĂ€rte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar durch eine Resolution zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.cite-ref-197[197] Seit 2006 wird er weltweit begangen.

Das Projekt A Letter To The Stars wurde im FrĂŒhjahr 2002 initiiert und ist ein wichtiges Zeitgeschichteprojekt in Schulen der Republik Österreich. 2008 wurden Zeitzeugen bzw. Überlebende aus Israel an viele Schulorte eingeladen. In Serbien wird am 22. April ein Nationaler Gedenktag des Genozids an den Serben, an den Holocaust und die anderen Opfer des Faschismus begangen.

Die Wanderausstellung SonderzĂŒge in den Tod erinnert seit 2006 (Frankreich) bzw. 2008 (Deutschland) vor allem in Bahnhöfen an die Deportationen hunderttausender Menschen mit der damaligen Reichsbahn in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager.

Das Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 ist ein vom deutschen Bundesarchiv herausgegebenes Namensverzeichnis, das Personen auflistet, die wegen ihrer wirklichen oder vermeintlichen jĂŒdischen Religion oder Herkunft der nationalsozialistischen Judenverfolgung zum Opfer fielen. Neben der gedruckten Ausgabe gibt es seit 2007 auch eine Online-Ausgabe.cite-ref-198[198]

Siehe auch

:

Liste von Holocaust-Museen

KĂŒnstlerische Verarbeitung

‱ 1942 wurde der komplette Roman Das siebte Kreuz von Anna Seghers veröffentlicht
‱ Primo Levi verfasste zwischen 1945 und 1947 seinen autobiographischen Bericht Ist das ein Mensch?
‱ Das Tagebuch der Anne Frank wurde in den 1947 durch ihren Vater Otto Frank veröffentlicht.
‱ 1958 erschien der Roman Nackt unter Wölfen von Bruno Apitz.
‱ GĂŒnter Kochan komponierte 1965 die Kantate Die Asche von Birkenau nach einem Gedicht von Stephan Hermlin aus dem Jahr 1949.
‱ Yishay Garbasz Ihre Arbeit befasst sich mit autobiographischen Themen wie der Holocaust-Vergangenheit in ihrer Familiecite-ref-199[199]

‱ Die Bildhauerin E. R. Nele setzte sich in ihrem Werk mehrfach mit der Holocaust-Thematik auseinander. Das Mahnmal „Die Rampe“ (K 18 wĂ€hrend der Documenta VII) steht in Kassel.cite-ref-200[200]

Filme

→

Hauptartikel

:

Holocaust im Film

und

Liste von Filmen zum Holocaust

Der Hauptartikel Liste nennt sehr viele Titel; von ca. 70 Dokumentarfilmen und noch mehr Spielfilmen und Serien, in zeitlicher Abfolge der Entstehung. Die meisten Filme behandeln Einzelaspekte. André Singers und Claude Lanzmanns Dokumentationen versuchen mit ganz verschiedenen Stilmitteln das Gesamtgeschehen abzubilden. Oft wird die Lage der russischen Bevölkerung und der russischen Kriegsgefangenen in Deutschland ausgeblendet, deshalb hier ein Titel dazu. Hier wird also nur eine knappe Auswahl aus der Liste genannt:

‱ Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm fĂŒr die Deutschen, GB 2014, Regie AndrĂ© Singer (Entstanden direkt in der Nachkriegszeit; eine restaurierte Fassung)
‱ Janusz Korczak – Ein Leben fĂŒr die Kinder, Polen, 1978, Regie Leszek Skrzydlocite-ref-201[201]
‱ Zeugen – Aussagen zum Mord an einem Volk, D 1981, Regie Karl Fruchtmann (erste umfassende Dokumentation des deutschen Fernsehens zum Holocaust)
‱ Shoah, F 1985, Regie Claude Lanzmann
‱ GrĂŒningers Fall. Ch 1997, Regie Richard Dindo (Zur Situation an der Schweizer Grenze)
‱ Wenn lang die Bilder schon verblassen... KZ Theresienstadt – Propagandafilm und Wirklichkeit, D 2005, Regie Thilo Pohle
‱ Der Letzte der Ungerechten, A/F 2013, Regie Claude Lanzmann (Über einen Juden aus Wien, der zur Kollaboration gezwungen wurde)
‱ Die Wahrheit ĂŒber den Holocaust D 2014, Dokumentation in 8 Folgen (1: Terror. 2: Ghetto. 3: Menschenjagd. 4: Mordfabriken 5: Deportation. 6: Untergang. 7: Gerechtigkeit. 8: VerdrĂ€ngung.).

Literatur

Gesamtdarstellungen

‱ Markus Roth: Die 101 wichtigsten Fragen: Holocaust. C.H. Beck, MĂŒnchen 2021, ISBN 978-3-406-77737-0.
‱ Frank Bajohr, Andrea Löw (Hrsg.): Der Holocaust: Ergebnisse und neue Fragen der Forschung. Fischer, Frankfurt am Main 2015.
‱ Raul Hilberg: Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden. (englischsprachiges Original 1961) 3 BĂ€nde. Fischer, Frankfurt am Main 1990. Band 1: ISBN 3-596-10611-7, Band 2: ISBN 3-596-10612-5, Band 3: ISBN 3-596-10613-3.
‱ Sybille Steinbacher: Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte (= Beck’sche Reihe. 2333). Beck, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-406-50833-2 (Mehrere Auflagen).
‱ Joseph Walk (Hrsg.): Das Sonderrecht fĂŒr die Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien – Inhalt und Bedeutung. Mitarbeit von Daniel Cil Becher, Bracha Freundlich, Yoram Konrad Jacoby und Hans Isaak Weiss mit BeitrĂ€gen von Robert W. Kempner und Adalbert RĂŒckerl. MĂŒller, Juristischer Verlag, Heidelberg/Karlsruhe 1981, ISBN 3-8114-1081-4.
‱ Wolfgang Schumann, Ludwig Nestler und andere: Europa unterm Hakenkreuz. Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus (1938–1945). AchtbĂ€ndige Dokumentenedition, hrsg. von einem Kollegium. BĂ€nde 1 bis 5, Berlin 1988 bis 1991, Band 6, hrsg. vom Bundesarchiv, bearbeitet und eingeleitet von Martin Seckendorf, Band 7, hrsg. vom Bundesarchiv, bearbeitet und eingeleitet von Fritz Petrick, Band 8 (= ErgĂ€nzungsbĂ€nde 1 und 2) zusammengestellt und eingeleitet von Werner Röhr, Berlin/Heidelberg 1992 bis 1996.
‱ Lea Rosh, Eberhard JĂ€ckel: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Deportation und Ermordung der Juden. Kollaboration und Verweigerung in Europa. DTV, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-423-30306-9.
‱ Götz Aly: „Endlösung“. Völkerverschiebung und der Mord an den europĂ€ischen Juden. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-596-14067-6.
‱ Eberhard JĂ€ckel u. a. (Hrsg.): EnzyklopĂ€die des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europĂ€ischen Juden. Piper, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-492-22700-7.
‱ Leny YāhĂźl: Die Shoah. Überlebenskampf und Vernichtung der europĂ€ischen Juden. Luchterhand, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-453-02978-X.
‱ Peter Longerich: Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Piper, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-492-03755-0.
‱ Dieter Pohl: Holocaust. Die Ursachen – das Geschehen – die Folgen. 2. Auflage, Herder, Freiburg 2000, ISBN 3-451-04835-3.
‱ Christian Gerlach: Krieg, ErnĂ€hrung, Völkermord. Deutsche Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg. Pendo, ZĂŒrich 2001, ISBN 3-85842-404-8.
‱ Christian Gerlach: The Extermination of the European Jews. Cambridge University Press, Cambridge 2016, ISBN 978-0-521-88078-7.

‱ deutsch: Der Mord an den europĂ€ischen Juden. Ursachen, Ereignisse, Dimensionen. C.H. Beck, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-406-70710-0

‱ JĂŒrgen MatthĂ€us, Klaus-Michael Mallmann (Hrsg.): Deutsche – Juden – Völkermord. Der Holocaust in Geschichte und Gegenwart. WBG, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-18481-5.
‱ Götz Aly, Wolf Gruner und andere (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der europĂ€ischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 1 bis 7. Oldenbourg, MĂŒnchen, seit 2008, ISBN 978-3-486-58480-6.
‱ Wolfgang Benz: Der Holocaust. 7. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-406-39822-3.
‱ Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden. Deutscher Taschenbuch Verlag, Gesamtausgabe, 2008, ISBN 978-3-423-34519-4.

‱ Band 1. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. 2. Auflage, DTV, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-423-30765-X.
‱ Band 2. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-54966-7.

‱ Frank McDonough, John Cochrane: The Holocaust. Palgrave MacMillan, 2008, ISBN 978-0-230-20387-7.
‱ David Bankier (Hrsg.): Secret Intelligence and the Holocaust. Collected Essays from the Colloquium at The City University of New York Graduate Center. Enigma books, New York/Yad Vashem, Jerusalem 2004, ISBN 1-929631-60-X.
‱ Hans Mommsen: Das NS-Regime und die Auslöschung des Judentums in Europa. Wallstein, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1395-8.
‱ Peter Hayes: Warum? Eine Geschichte des Holocaust. Aus dem Englischen von Ursel SchĂ€fer. Campus, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-593-50745-3.
‱ The Cambridge History of the Holocaust. 4 BĂ€nde. Cambridge University Press, Cambridge 2025, ISBN 978-1-108-88436-5 (englisch).

‱ Band 1: Mark Roseman, Dan Stone (Hrsg.): Contexts: Origins, Comparisons, Entanglements. ISBN 978-1-108-84297-6, doi:10.1017/9781108913614.
‱ Band 2: Mary Fulbrook, JĂŒrgen MatthĂ€us (Hrsg.): Perpetrating The Holocaust: Policies, Participants, Places. ISBN 978-1-108-83938-9, doi:10.1017/9781108990158.
‱ Band 3: Marion Kaplan, Natalia Aleksiun (Hrsg.): The Victims and Their Worlds: 1939–1945. ISBN 978-1-108-83022-5, doi:10.1017/9781108900447.
‱ Band 4: Laura Jockusch, Devin O. Pendas (Hrsg.): Aftermath, Outcomes, Repercussions. ISBN 978-1-108-83939-6, doi:10.1017/9781108990172.

Judenverfolgung ab 1933

‱ Christopher R. Browning: Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939–1942. PropylĂ€en, Berlin 2006, ISBN 3-549-07187-6.
‱ Uwe D. Adam: Judenpolitik im Dritten Reich. Droste, DĂŒsseldorf 2003, ISBN 3-7700-4063-5.
‱ Bundesarchiv, Institut fĂŒr Zeitgeschichte, Lehrstuhl fĂŒr Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg und Lehrstuhl fĂŒr Geschichte Ostmitteleuropas an der Freien UniversitĂ€t Berlin (Herausgeberschaft; Götz Aly, Wolf Gruner und andere fĂŒr diese): Die Verfolgung und Ermordung der europĂ€ischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 1 – Deutsches Reich 1933–1937. (Kurzform VEJ 1; Quellenedition). Bearbeitet von Wolf Gruner. Verlag Oldenbourg, MĂŒnchen.
‱ Joseph Walk (Hrsg.): Das Sonderrecht fĂŒr die Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien. 2. Auflage. MĂŒller, Heidelberg 1996, ISBN 3-8252-1889-9.

Konzentrations- und Vernichtungslager

‱ Wolfgang Benz, Barbara Distel: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. ISBN 978-3-406-52960-3.
‱ Martin Broszat (Hrsg.): Studien zur Geschichte der Konzentrationslager. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1970.
‱ Jean-Claude Pressac: Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes. Piper, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-492-12193-4 (englisches Original online).
‱ Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Verlag Karl Alber, MĂŒnchen 1946.
‱ Gerd R. UeberschĂ€r: Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Primus, Darmstadt 2003, ISBN 3-89678-232-0.
‱ Nikolaus Wachsmann: KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Siedler Verlag, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-88680-827-4.

Einzelregionen

‱ Ilja Altman: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941–1945. Muster-Schmidt-Verlag, Gleichen/ZĂŒrich 2008, ISBN 978-3-7881-2032-0.
‱ Vincas Bartusevicius u. a. (Hrsg.): Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-13902-5.
‱ Bundesarchiv, Institut fĂŒr Zeitgeschichte, Lehrstuhl fĂŒr Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg und Lehrstuhl fĂŒr Geschichte Ostmitteleuropas an der Freien UniversitĂ€t Berlin (Herausgeberschaft; Götz Aly, Wolf Gruner und andere fĂŒr diese): Die Verfolgung und Ermordung der europĂ€ischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 7 (Sowjetunion, Kurzform VEJ 7; Quellenedition). Verlag Oldenbourg, MĂŒnchen.
‱ LĂ©on Poliakov, Jacques Sabille, Gli ebrei sotto l'occupazione italiana, Milano, Edizioni di ComunitĂ , 1956.
‱ Marcello Pezzetti (Hrsg.), Il libro della shoah italiana: i racconti di chi ù sopravvissuto Turin: Einaudi, 2009, ISBN 978-88-06-22452-3.

Entscheidungsprozess

‱ Philippe Burrin: Hitler und die Juden. Die Entscheidung fĂŒr den Völkermord. Fischer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-10-046308-0.
‱ Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“. Piper, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-492-04295-3.
‱ Christopher R. Browning: Der Weg zur „Endlösung“. Entscheidung und TĂ€ter. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-61344-1.

TÀter und MitlÀufer

‱ Rainer C. Baum: The Holocaust and the German Elite. Genocide and National Suicide in Germany, 1871–1945. Rowman and Littlefield, Totowa, London 1981, ISBN 0-7099-0656-0.
‱ Daniel Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Goldmann, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-442-15088-4.
‱ Raul Hilberg: TĂ€ter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9.
‱ Richard Rhodes: Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust. LĂŒbbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2183-8.
‱ Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien. DTV, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-423-34085-1.
‱ Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst.“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945. Siedler, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-88680-843-2.
‱ Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. PropylĂ€en, Berlin 2007, ISBN 978-3-549-07315-5.
‱ Michael Wildt: Volksgemeinschaft als SelbstermĂ€chtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939. Hamburger Edition, Hamburg 2007, ISBN 978-3-936096-74-3.
‱ Klaus Kellmann: Dimensionen der MittĂ€terschaft. Die europĂ€ische Kollaboration mit dem Dritten Reich. Böhlau, Wien 2019, ISBN 978-3-205-20053-6.

Opfer

‱ Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jĂŒdischen Opfer des Nationalsozialismus. DTV, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-423-04690-2.
‱ Alexandra Rossberg, Johan Lansen (Hrsg.): Das Schweigen brechen. Berliner Lektionen zu SpĂ€tfolgen der Schoa. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-39231-X.
‱ Claude Lanzmann: Shoah. Trotzdem, Grafenau 1999, ISBN 3-922209-87-4 (Interviews mit Überlebenden; Begleitbuch zu Lanzmanns Filmdokumentation auf DVD).
‱ Martin Doerry (Hrsg.): Monika Zucht (Fotografien): Nirgendwo und ĂŒberall zu Haus. GesprĂ€che mit Überlebenden des Holocaust. DVA, 2006, ISBN 3-421-04207-1.

Widerstand- und Hilfsaktionen

Juden als Personengruppen

‱ Judy Batalion: Sag nie, es gĂ€be nur den Tod fĂŒr uns. Die vergessene Geschichte jĂŒdischer FreiheitskĂ€mpferinnen. Piper-Verlag, MĂŒnchen 2021, ISBN 978-3-492-05956-5.
‱ Michael Berger, Gideon Römer-Hillebrecht (Hrsg.): JĂŒdische Soldaten – JĂŒdischer Widerstand in Deutschland und Frankreich. Schöningh Verlag, Paderborn 2012, ISBN 978-3-506-77177-3.
‱ Achim Doerfer: Irgendjemand musste die TĂ€ter ja bestrafen: Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das MĂ€rchen deutsch-jĂŒdischer Versöhnung. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-05088-2.
‱ Stephan Lehnstaedt: Der vergessene Widerstand. JĂŒdinnen und Juden im Kampf gegen den Holocaust. C.H. Beck, MĂŒnchen 2025, ISBN 978-3-406-83030-3.
‱ Wilfried Löhken, Werner Vathke (Hrsg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion, Berlin 1939–1945. Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 3-89468-068-7.
‱ Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 3-89996-269-9.
‱ Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.): Wie LĂ€mmer zur Schlachtbank? JĂŒdischer Widerstand und Verweigerung aus der jĂŒdischen Bevölkerung in Sachsen gegen das NS-Regime 1933-1945. Edition AV, Bodenburg 20025, ISBN 978-3-86841-325-0.

NichtjĂŒdische Deutsche

‱ Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen. arani Verlags-Gesellschaft, Berlin 1961 (Neuauflage: Ullstein, 1984, ISBN 3-548-33040-1).
‱ Anton M. Keim (Hrsg.): Benyamin Z. Barslai: Yad Vashem: Die Judenretter aus Deutschland. 2. Auflage, Matthias-GrĂŒnewald, 1984, ISBN 3-7867-1085-6.
‱ Wolfram Wette (Hrsg.): Zivilcourage. Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-15852-4.
‱ Zentrum fĂŒr Antisemitismusforschung der TU Berlin (Hrsg.): SolidaritĂ€t und Hilfe fĂŒr Juden wĂ€hrend der NS-Zeit. Metropol, Berlin 1996 ff. (bisher sieben BĂ€nde).

Andere

‱ Carol Rittner, Sondra Myers: The Courage to Care: Rescuers of Jews During the Holocaust. New York University Press, 1986, ISBN 0-8147-7397-4.
‱ Nechama Tec: When light pierced the darkness: Christian Rescue of Jews in Nazi-Occupied Poland. Oxford University Press, Oxford 1986, ISBN 0-19-503643-3.
‱ Alexander Bronowski: Es waren so wenige. Retter im Holocaust. (1991) HĂ€nssler, 2002, ISBN 3-7751-3811-0.
‱ Wolfram Wette (Hrsg.): Stille Helden. Judenretter im DreilĂ€ndereck wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges. Herder-Taschenbuch, Freiburg 2005, ISBN 3-451-05461-2.
‱ Franz Severin Berger, Christiane Holler, Holly Holunder: Überleben im Versteck. Schicksale in der NS-Zeit. Ueberreuter, Wien 2002, ISBN 3-8000-3836-6.

Juristische Aufarbeitung

‱ Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen MilitĂ€rgerichtshof. NĂŒrnberg 14. November 1945 – 1. Oktober 1946. 23 BĂ€nde. NĂŒrnberg 1947.
‱ Hermann Langbein: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation. 2 BĂ€nde. Europa, Wien 1965.

Gedenken

‱ Stefanie Endlich: Wege zur Erinnerung. GedenkstĂ€tten und -orte fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus in Berlin und Brandenburg. Metropol, Berlin 2007, ISBN 978-3-938690-45-1.
‱ Claudia Bruns, Asal Dardan, Anette Dietrich (Hrsg.): „Welchen der Steine du hebst.“ Filmische Erinnerung an den Holocaust. Reihe: Medien-Kultur 3. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86505-397-8 (Inhalt).
‱ S. Lillian Kremer: Holocaust Literature. An Encyclopedia of Writers and Their Work. Routledge, New York 2002. Band 1: ISBN 0-415-92983-0, Band 2: ISBN 0-415-92984-9 (englisch).
‱ Mirjam Schmid: Darstellbarkeit der Shoa in Roman und Film. Sonnenberg, Annweiler 2012, ISBN 978-3-933264-70-1.cite-ref-202[202]
‱ GĂŒnther Jikeli u. a. (Hrsg.): Ansichten zum Holocaust unter Muslimen im internationalen Vergleich. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-593-39855-6 (Einleitung)cite-ref-203[203]
‱ Alvin H. Rosenfeld: Das Ende des Holocaust (Originaltitel: The End of the Holocaust. Übersetzt von Manford Hanowell). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-54042-8.
‱ James E. Young: Formen des Erinnerns: GedenkstĂ€tten des Holocaust. Passagen-Verlag, Wien 1997, ISBN 3-85165-174-X (englisch 1993).
‱ Nora Sternfeld: Kontaktzonen der Geschichtsvermittlung. Transnationales Lernen ĂŒber den Holocaust in der postnazistischen Migrationsgesellschaft, Zaglossus, Wien 2013, ISBN 978-3-902902-02-3.

Weblinks

Commons

: Holocaust

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Holocaust

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Schoah

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikiquote: Holocaust

– Zitate

‱ Knut Mellenthin: Chronologie des Holocaust (2006)
‱ Linkkatalog zum Thema Holocaust bei curlie.org (ehemals DMOZ)
‱ deutschsprachiges Internetportal zum Thema Shoah und Holocaust (Memento vom 11. MĂ€rz 2013 im Internet Archive)
‱ Lernen-aus-der-Geschichte.de
‱ ehri-project.eu: European Holocaust Research Infrastructure, Zugang zu zahlreichen Archiven weltweit, LĂ€nderliste
‱ Internationale Konferenz zur Holocaustforschung. Helfer, Retter und Netzwerker des Widerstands (Memento vom 24. Februar 2014 im Internet Archive)
‱ Holocaust im Onlinekatalog der Landeszentralen fĂŒr politische Bildung
‱ Holocaust / Historisch-politische Karten / Unter der NS-Herrschaft ermordete Juden nach Land, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung

Opfer

‱ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945. Bundesarchiv
‱ DOEW: Datenbank zu ĂŒber 62.000 österreichischen Opfern des Holocaust
‱ Yad Vashem: Datenbank der Opfer
‱ Psychosoziale Hilfe fĂŒr Holocaust-Überlebende – AMCHA

Gedenken

‱ Internationale Übersicht von NS-GedenkstĂ€tten und Institutionen, derzeit kein Zugang
‱ EuropĂ€ische HolocaustgedenkstĂ€tte
‱ BR Höredition - Die Quellen sprechen. Die Verfolgung und Ermordung der europĂ€ischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 — 1945. Bayerischer Rundfunk, abgerufen am 29. Mai 2021.

Filme

‱ Der Holocaust im Film, von Kulturarchiv Hannover. Kurzbeschreibungen, je 5 Dokumentar- bzw. Spielfilme, weiterfĂŒhrende Lit.
‱ Cinematographie des Holocaust, Filmdatenbank. Leitung des Projekts Ronny Loewy, Fritz-Bauer-Institut zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Stand 2006, 1731 Filme
‱ Magisterarbeit (PDF; 733 kB) Michael Aschenbach: Holocaust und Film. Die Rezeption populĂ€rer Spielfilme ĂŒber die Shoah in der Bundesrepublik Deutschland und ihr Einfluss auf die Erinnerungskultur. UniversitĂ€t Hannover, Historisches Seminar, 2004 (zahlreiche Lit.)

Musik

‱ Music and the Holocaust

Zeitzeugen

‱ Zu Zeitzeugeninterviews mit HolocaustĂŒberlebenden siehe Liste von Oral-History-Archiven

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Markus Roth: Die 101 wichtigsten Fragen: Holocaust. C.H. Beck, MĂŒnchen 2021, S. 52.
cite-note-22. ↑ Life Magazine. 7. Mai 1945, S. 35.
cite-note-33. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 116.
cite-note-44. ↑ Ulrich Wyrwa: „Holocaust“. Notizen zur Begriffsgeschichte. In: Jahrbuch fĂŒr Antisemitismusforschung 8 (1999), S. 300–311.
cite-note-55. ↑ James E. Young: Die Namen des Holocaust. In: James E. Young: Beschreiben des Holocaust. Darstellung und Folgen der Interpretation. Frankfurt am Main 1992, S. 139–163.
cite-note-66. ↑ Friedrich Battenberg: Das EuropĂ€ische Zeitalter der Juden. Zur Entwicklung einer Minderheit in der nichtjĂŒdischen Umwelt Europas, Bd. II: Von 1650 bis 1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, S. 146, 184-186 u. 231
cite-note-77. ↑ Friedrich Battenberg: Das europĂ€ische Zeitzalter der Juden. Zur Entwicklung einer Minderheit in der nichtjĂŒdischen Umwelt Europas, Bd. 2: Von 1650 bis 1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, S. 245f.
cite-note-88. ↑ Avraham Barkai, Paul Mendes-Flohr u. Steven M. Lowenstein: Deutsch-jĂŒdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. 4: 1918-1945, C. H. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 20f u. 51-53
cite-note-99. ↑ Peter Longerich: Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte, Siedler Verlag, MĂŒnchen 2021, S. 172f, 189-197, 203f u. 266
cite-note-1010. ↑ Michael Wildt: „Volksgemeinschaft“. Version 1.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 3. Juni 2014, Zugriff am 18. Mai 2019.
cite-note-1111. ↑ Zitiert bei Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel (Hrsg.): Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Institut fĂŒr Zeitgeschichte MĂŒnchen – Berlin, MĂŒnchen 2016, Bd. 1, S. 208.
cite-note-1212. ↑ Siehe z. B. Neil Gregor: „Mein Kampf“ lesen, 70 Jahre spĂ€ter. In: APuZ 43–45 (2015), S. 3–9, hier S. 4.
cite-note-1313. ↑ Barbara Zehnpfennig: Hitlers „Mein Kampf“ – ein unterschĂ€tztes Buch. In: Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 14. Dezember 2015 (abgerufen, 4. Juli 2025).
cite-note-1414. ↑ Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Siedler, Berlin 1996, S. 111–115, zit 111.
cite-note-1515. ↑ Peter Longerich: Holocaust. The Nazi Persecution and Murder of the Jews. Oxford University Press, Oxford 2010, S. 16–19; Peter Longerich: Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte. Siedler, MĂŒnchen 2021, S. 266–271.
cite-note-1616. ↑ Eberhard Kolb, Dirk Schumann: Die Weimarer Republik. (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 16). 9. Aufl., De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2022, S. 234.
cite-note-1717. ↑ Peter Longerich: Holocaust. The Nazi Persecution and Murder of the Jews. Oxford University Press, Oxford 2010, S. 20 f.
cite-note-1818. ↑ Peter Longerich: Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte. Siedler, MĂŒnchen 2021, S. 214 f., 275–279.
cite-note-1919. ↑ Ian Kershaw: Antisemitismus und die NS-Bewegung vor 1933. In: Hermann Graml, Angelika Königseder und Juliane Wetzel (Hrsg.): Vorurteil und Rassenhaß. Antisemitismus in den faschistischen Bewegungen Europas. Metropol, Berlin 2001, S. 29–47, hier S. 30.
cite-note-2020. ↑ Christian Gerlach: Der Mord an den europĂ€ischen Juden. Ursachen, Ereignisse, Dimensionen. C.H. Beck, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-406-70710-0, S. 49.
cite-note-2121. ↑ Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur GrĂŒndung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. Beck, MĂŒnchen 2003, S. 652 f.; Hans Mommsen: Das NS-Regime und die Auslöschung des Judentums in Europa. Wallstein, Göttingen 2014, S. 37–43.
cite-note-2222. ↑ Hans-Christian Jasch: Antisemitic Policy in the Early Years of the Third Reich. In: Mark Roseman, Dan Stone (Hrsg.): The Cambridge History of the Holocaust, Bd. 1: Contexts: Origins, Comparisons, Entanglements. Cambridge University Press, Cambridge 2025, ISBN 978-1-108-84297-6, S. 351–372, hier S. 359.
cite-note-2323. ↑ Longerich: Antisemitismus, S. 292–294
cite-note-2424. ↑ Ian Kershaw: Der NS-Staat. Hamburg 1999, S. 171.
cite-note-2525. ↑ Die TagebĂŒcher von Joseph Goebbels, Teil 2/Band 3, 30. November 1937, S. 351.
cite-note-2626. ↑ Raul Hilberg: Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden, Band 1. Fischer Taschenbuch Verlag, 1990, ISBN 3-596-24417-X, S. 56 f.
cite-note-2727. ↑ Peter Longerich: Politik der Vernichtung: Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. ISBN 3-492-03755-0, S. 16.
cite-note-schlussbericht-historikerkommission-s228-2828. ↑ Österreichische Historikerkommission: Schlussbericht der Historikerkommission der Republik Österreich. Band 1. Oldenbourg Verlag, Wien 2003, S. 291–293; Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 228.
cite-note-2929. ↑ Lea Rosh, Eberhard JĂ€ckel: ‘‘„Der Tod ist eine Meister aus Deutschland“. Deportation und Ermordung der Juden, Kollaboration und Verweigerung in Europa‘‘, Deutscher Taschenbuchverlag, 1992, S. 11
cite-note-3030. ↑ Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden: Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. MĂŒnchen 2000, S. 87–128.
cite-note-3131. ↑ Yaacov Lozowick: Hitlers BĂŒrokraten. Eichmann, seine willigen Vollstrecker und die BanalitĂ€t des Bösen. Pendo, ZĂŒrich 2000, S. 85.
cite-note-3232. ↑ Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin, , C.H.Beck Verlag, MĂŒnchen 2015, S. 199–201
cite-note-3333. ↑ Timothy Snyder: Black Earth. Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann, C.H.Beck Verlag, MĂŒnchen 2015, S. 124-129, 163f., 247, 270 u. 360
cite-note-3434. ↑ Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden. Erster Band: Die Jahre der Verfolgung 1933-1939, Verlag C.H. Beck, MĂŒnchen 1998, S. 356
cite-note-3535. ↑ Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Fischer TB, Frankfurt am Main 1987, S. 10.
cite-note-3636. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5, S. 70.
cite-note-3737. ↑ Christopher Browning: The Final Solution and the German Foreign Office. Holmes & Meier Publishers, New York/London 1978, ISBN 0-8419-0403-0, S. 8.
cite-note-3838. ↑ Philippe Burrin: Hitler und die Juden. Die Entscheidung fĂŒr den Völkermord. S. Fischer, Frankfurt am Main 1993, S. 154, S. 175 ff. u. ö.; Jörg Echternkamp: Das Dritte Reich. Diktatur, Volksgemeinschaft, Krieg. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2018, ISBN 978-3-486-75569-5 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 45), S. 178.
cite-note-3939. ↑ Peter Longerich (1998): Politik der Vernichtung: Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. S. 16.
cite-note-4040. ↑ Peter Longerich: Politik der Vernichtung – Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. S. 392.
cite-note-4141. ↑ z. B. erster Zug von Frankreich nach Auschwitz 27. MĂ€rz 1942, NĂ€heres im Artikel Chronologie der Kollaboration der Vichy-Regierung beim Holocaust
cite-note-4242. ↑ Martin Broszat, in: Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Fischer TB, Frankfurt am Main 1987, S. 66.
cite-note-4343. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 49 f.
cite-note-4444. ↑ Christopher Browning: Die Entfesselung der 'Endlösung' – Nationalsozialistische Judenpolitik 1939-1942, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-549-07187-6, S. 73.
cite-note-4545. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 64 f.
cite-note-dieter-pohl-1945-4646. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 32 und 69.
cite-note-4747. ↑ Wolf Gruner: Judenverfolgung und „Euthanasie“: Gemeinsamkeiten und Unterschiede im NS-Staat. In: "Euthanasie" und Holocaust: KontinuitĂ€ten, KausalitĂ€ten, ParallelitĂ€ten. Hrsg.: Jan Erik Schulte und Jörg Osterloh, Brill 2021, ISBN 978-3-657-79188-0, S. 102 f.
cite-note-4848. ↑ Monica Kingreen: JĂŒdische Kranke als Patienten der Landesheilanstalt und als Opfer der Mordanstalt Hadamar. In: Hadamar: HeilstĂ€tte – Tötungsanstalt – Therapiezentrum. Hrsg.: Uta George u. a., (Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen: Quellen und Studien, 12) Jonas-Verlag, 2006, ISBN 3-89445-378-8, S. 211.
cite-note-4949. ↑ Götz Aly: Endlösung: Völkerverschiebung und der Mord an den europĂ€ischen Juden. Fischer Taschenbuch Verlag, 1998, ISBN 3-596-14067-6, S. 127–131.
cite-note-5050. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 65–68.
cite-note-5151. ↑ Markus Leniger: Nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“ und Umsiedlungspolitik 1933–1945: Von der Minderheitenbetreuung zur Siedlerauslese. 2. Auflage, Frank & Timme, 2010, ISBN 978-3-86596-082-5, S. 11.
cite-note-5252. ↑ Dieter Pohl: Nationalsozialistische Judenverfolgung in Ostgalizien 1941–1944. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-486-56233-9, S. 97.
cite-note-5353. ↑ Zitiert nach Katharina Meng: Russlanddeutsche Sprachbiografien. Narr, 2001, ISBN 3-8233-5151-6, S. 491.
cite-note-5454. ↑ Peter Longerich: Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte, Siedler Verlag, MĂŒnchen 2021, S. 348
cite-note-5555. ↑ Vgl. Die Zeit 2r. 42, 15. Oktober 2015, S. 19.
cite-note-5656. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 65 und 80.
cite-note-5757. ↑ Vgl. zum Beispiel die AufsĂ€tze von Andreas Hillgruber: Die „Endlösung“ und das deutsche Ostimperium als KernstĂŒck des rasseideologischen Programms des Nationalsozialismus, und von Hans Mommsen: Die Realisierung des Utopischen: Die Endlösung der Judenfrage im Dritten Reich, beides in: Wolfgang Wippermann (Hrsg.): Kontroversen um Hitler. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, S. 219–298; Klaus Hildebrand: Das Dritte Reich (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 17), 4. Auflage, Oldenbourg, MĂŒnchen 1991, S. 202–206.
cite-note-5858. ↑ Ian Kershaw: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 5. Aufl., Reinbek 2015, S. 146
cite-note-5959. ↑ Eberhard JĂ€ckel: Die Entschlußbildung als historisches Problem. In: derselbe und JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Entschlußbildung und Verwirklichung Fischer TB, Frankfurt am Main 1987, S. 14–17.
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